Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
24. November 2011
Keiner schweißt schöner
Der Freiburger Oliver Schaaf ist der Beste von allen rund 4000 frisch geprüften Konstruktionsmechanikern in Deutschland.
"Für diese Kante habe ich sicher die volle Punktzahl bekommen", sagt Oliver Schaaf und fährt mit dem Zeigefinger langsam die glatt gefeilten zehn Zentimeter an der Oberseite seines Gesellenstücks entlang. Der junge Konstruktionsmechaniker kennt sich mit Sägen, Bohren und Schweißen aus – und hat bei seinem Abschluss mit 97 von 100 möglichen Punkten geglänzt. Das reichte für den Titel des Bundesbesten seines Faches im Jahr 2011.
Wie wird man zum Champion der Konstruktionsmechaniker? "Ich habe die Lehrer ständig mit Fragen gelöchert und wollte immer wissen, warum etwas so und so ist", berichtet der 22-Jährige. Außerdem habe er auf der Richard-Fehrenbach-Gewerbeschule in Freiburg sehr gute Lehrer gehabt und bei seinem Ausbildungsbetrieb, Stahlbau Schauenberg in Kirchzarten, einen hervorragenden Ausbildungsmeister.Bei Oliver Schaaf funkte es schon in der zehnten Klasse: Nach drei Wochen Praktikum in einem Metallbaubetrieb war er fasziniert von Schweißen und Brennen und ging von da an auch in den Ferien auf den Bau. Nach elf Jahren Waldorfschule wechselte er aufs Wentzinger-Gymnasium und machte schließlich 2008 Abitur.
Werbung
Als er sich bei der Firma Schauenberg als Auszubildender vorstellte, war deren Personalchef zunächst einmal ziemlich zurückhaltend. "Abiturienten stehen ja bekanntlich in dem Ruf, zwei linke Hände zu haben", lacht Schaaf. Am Ende schaffte es der jetzige Bundesbeste aber doch in die Schauenberg-Lehrwerkstatt. "Da habe ich mit meiner Zeit auf der Waldorfschule gepunktet, weil ich viele praktische Grundfertigkeiten schon hatte."
Acht Abteilungen hat Schaaf zusammen mit seinen fünf Kollegen während der Lehrzeit bei Schauenberg durchlaufen – von der Vorbereitung über den Zusammenbau und das Profillager bis hin zur Schweißerei und der Malerhalle. "Zuerst sägt und bohrt man die Einzelteile und stellt sie anschließend nach Zeichnung zusammen." Allerdings mache nicht alles Spaß während der Ausbildung, an manches müsse man sich schon gewöhnen – etwa an das frühe Aufstehen oder daran, hundert Mal dasselbe Teil abzusägen. Spannend fand er, wie gut sich das Material bearbeiten lässt und was man mit Stahl so alles machen kann, zum Beispiel eine sogenannte Coldbox. Dabei handelt es sich um einen "Luftzerleger", wie Oliver Schaaf erklärt, einem Gerät aus der Kühl- und Kältetechnik.
Inzwischen interessiert sich Schaaf brennend für die Pumpen der Firma Hermetik in Gundelfingen. Denn seit Oktober studiert er an der Dualen Hochschule Lörrach Bachelor of Engineering, Fachrichtung Maschinenbau. Hermetik ist sein Ausbildungsbetrieb. Einen zu finden, war gar nicht leicht. "Ich habe von 15 Bewerbungen im Raum Freiburg nur zwei Zusagen bekommen, eine davon aus Gundelfingen." Vielleicht haben die Betriebe kritisch aufs Abitur geschaut? "Schon möglich. Besonders weil ich Physik abgewählt hatte, für die Aufnahmeprüfung an die Regelschule hat es damals gerade so gereicht", erinnert sich Oliver Schaaf.
Kürzlich wurden die besten Azubis des Kammerbezirks im Freiburger Konzerthaus ausgezeichnet. Im Dezember folgen die Landes- und Bundesehrungen in Ulm und Berlin. Wie fühlt es sich an, Bester zu sein? "Ungewohnt, das hab’ ich so von der Schule nicht gekannt", sagt Schaaf. Nach Ulm fahren der Lehrmeister und die Mama mit – nach Berlin begleitet ihn die Freundin. Von der Uni gab es dafür einen Tag frei und von der Industrie- und Handelskammer einen Scheck in Höhe von 150 Euro als Beitrag zu den Reisekosten.
Autor: Ursula Thomas-Stein
