Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

12. September 2017

Kandidatencheck

Kerstin Andreae (Die Grünen) im Wahlkreis 281 Freiburg

Die Politik der Kanzlerin kritisiert sie als watteweich, „ohne konkrete Positionierung“. Ihre Sache ist das nicht. Kerstin Andreae, Finanz- und Wirtschaftsexpertin in der Grünen-Bundestagsfraktion, verspricht eine zukunftsorientierte Politik. Damit die Jugend den europäischen Gedanken besser verstehen lernt, schlägt sie vor: „Geben Sie jedem 18-Jährigen in Europa ein Interrail-Ticket zum Geburtstag“, dann lerne die Jugend den Kontinent anders kennen.

  1. Foto: Rita Eggstein

Werbung

"Was ich im Sinn habe..."

Ich möchte eine Gemeinschaft, die nicht nur auf blindes Wirtschaftswachstum setzt, sondern Solidarität zeigt und Lebensgrundlagen bewahrt. Wir brauchen eine vorausschauende Politik mit dem Schwerpunkt auf ökologischen und sozialen Fragen, die auch an zukünftige Generationen denkt. Und wir dürfen Kinder nicht unterschiedlich fördern, sondern brauchen eine Grundsicherung, bei der alle Kinder dem Staat gleich viel wert sind.  

Autor: bz

"Was ich anpacken will..."

Ökologie muss ins Zentrum der Ökonomie. Den Klimawandel zu stoppen und Lebensgrundlagen zu bewahren, ist eine ökologische Frage, eine soziale und eine der Wettbewerbsfähigkeit. Ich will die Innovationskraft stärken und Familien und Alleinerziehende mehr unterstützen. Und: Deutschland muss ein offenes, großherziges Land bleiben. Jemandem auf der Flucht gebe ich Zuflucht, eine Obergrenze ist absurd.  

Autor: bz

"Mein Herz schlägt für..."

... Europa. Da liegt unsere Zukunft, sowohl was Wirtschaftsfragen als auch die Zukunft junger Menschen angeht. Zum Nationalstaat zurückzukehren und die Grenzen in Europa wieder hochzuziehen, wäre ein massiver Rückschritt. Europa ist mehr als nur Freizügigkeit, es ist die Verständigung zwischen den Völkern. Der Brexit war für viele ein Weckruf. Europa muss mehr für sich werben, es wirkt wie ein teures, bürokratisches Projekt. Dabei kann die Zukunft in einer vernetzten, globalisierten Welt nur in Europa liegen. Europa muss demokratischer werden.  

Autor: bz

"An die Nieren geht mir..."

... Gewalt in jeder Form – egal ob gegen Flüchtlinge, Unschuldige auf Weihnachtsmärkten, Polizisten, Frauen oder Kinder. Wir müssen gefühlte Bedrohungen ernst nehmen und reale bekämpfen. Und dann die ungerechte Finanzierung der Kinder. Unverantwortlich finde ich zudem, dass die anderen Parteien sich beim Klimawandel einfach wegducken."  

Autor: bz

Drei Ziele...

... für meinen Wahlkreis

» Die Offenheit bewahren und die vielen Initiativen der Flüchtlingshilfe müssen unterstützen.

Die Umsetzung des Stadttunnel-Projekts, das in der Planung gereift ist.
» Das unheimlich große Potenzial im Bereich Energie, Solar-, Wind-, Umwelttechnologie besser fördern.

... für die Bundespolitik

Wir müssen den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene holen, deshalb brauchen wir – siehe die aktuelle Rheintalbahnsperrung – Ausweichstrecken.
» Der Bund sollte die Telekomaktien veräußern und das Geld in den Breitbandausbau stecken.
Gründerinnen und Gründer sollen als Startkapital unbürokratisch ein zinsloses Darlehen von 25 000 Euro erhalten.  

Autor: bz

"Beweglichkeit in der Politik..."

Politik ist auch immer ein lernender Ort, Ideologien oder gar fanatisches Festhalten an Positionen ist falsch. Politik heißt immer, die Auseinandersetzung zu suchen, zuzuhören, schlauer und klüger zu werden, aber am Ende auch Entscheidungen zu treffen und diese zu erklären. Beweglichkeit in der Politik darf aber nicht in Opportunismus münden, dazu gehört auch Standhaftigkeit. Wir dürfen nicht vermeintlich kurzfristigen Interessen nachgeben.  

Autor: bz

"Mein weiterer Weg führt mich..."

... in den Bundestag. 2002 und 2005 haben wir Grünen eine Erststimmenkampagne für die SPD gemacht, uns 2009 zurückgehalten und 2013 das erste Mal versucht, das Direktmandat zu erlangen. Die Wahlkreise dürfen nicht nur alle an Schwarz und Rot verteilt werden. Ich fände es schön, wenn sich das grüne Freiburg mit einer grünen Direktkandidatin im Bundestag präsentieren würde.  

Autor: bz

ZUR PERSON: Kerstin Andreae

Bevor sie 2002 erstmals in den Bundestag einzog, arbeitete Andreae unter anderem beim Grünen Emissionshaus. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder, 17, acht und sechs Jahre alt.

Geboren: 21. Oktober 1968, Schramberg
Wohnort: Freiburg und Berlin
Beruf: Politikerin

Karriere: 1999-2002 Stadträtin in Freiburg, seit 2002 Bundestagsabgeordnete, seit 2012 stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bundestag
Ausbildung: Studium der Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Universität Freiburg; Diplom-Volkswirtin

Parteimitglied seit 1990
http://www.kerstin-andreae.de  

Autor: fz

NACHGEHAKT: Info

"Ich will, dass die Grünen dritte Kraft werden"

Von den Kandidaten im Wahlkreis bringt Kerstin Andreae die meiste Bundestagserfahrung mit, sie tritt bereits zum fünften Mal an. Verloren hat sie nur 2013 die Wahl um den Fraktionsvorsitz gegen Katrin Göring-Eckardt.


BZ: Sind die Grünen nicht unbedeutend, weil sich jede Partei bei ihren Themen bedient?
Andreae: Etwas rauszugreifen, heißt noch nicht, es auch umsetzen zu können. Wir sind die Einzigen, die das Thema Ökologie in allen Bereichen anpacken und stehen als Einzige glaubhaft und konsequent für die Energie-, Verkehrs und Agrarwende. Die Frage ist doch: Wollen wir Stillstand mit der Großen Koalition? Rückschritt mit Schwarz-Gelb? Oder Fortschritt und eine echte Richtungsveränderung mit uns Grünen?

BZ: Sie sprechen Schwarz-Grün von sich aus an. Ihr persönlicher Koalitionswunsch?
Andreae: Das ist kein Wunsch, wir müssen aber realistisch sein. Ich will, dass die Grünen dritte Kraft werden. Ich kann rechnen und sehe, dass es für Rot-Grün nicht reichen wird, und eine Debatte über Dreierkoalitionen fange ich nicht an, das ist zu volatil. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird die CDU Sondierungsgespräche mit SPD, FDP und uns führen. Wir werden uns diesen nicht verweigern.

BZ: Wäre es nicht einfacher, Politik zu machen, wenn es in Ihrer Partei nicht die ewigen Flügelkämpfe zwischen Fundis und Realos gäbe?
Andreae: Ich finde, die Geschlossenheit bei den Grünen ist so groß wie lange nicht mehr. Parteien haben aber immer auch polarisierende Persönlichkeiten. Es ist wichtig, einen Kompromiss zu finden zwischen Vision und Pragmatismus. Darum ringen wir immer wieder – und das ist auch gut so.

BZ: Sie haben keinen Wohnsitz im Wahlkreis. Können Sie da genügend präsent sein?
Andreae: Mein Erstwohnsitz ist Freiburg. Meine Kinder leben in Berlin, wie bei den meisten Müttern im Bundestag. Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss auch für mich gelten. Ich pendele zwischen Berlin und dem Wahlkreis wie alle Abgeordneten. Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende muss ich natürlich auch in Berlin sehr präsent sein, bin aber selbstverständlich viel und gerne im Wahlkreis unterwegs, biete Runde Tische und Bürgersprechstunden an, besuche Firmen und Bürgerinitiativen.  

Autor: fz

Autor: Frank Zimmermann