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02. September 2011

Empörung im Eschholzpark

Kinderkunstdorf: Unbekannter bestiehlt jugendliche Pizzabäcker

Schaden fürs bestohlene Jugendprojekt "Backoffensive" – und auch für das bislang ungetrübte Ferienangebot im Eschholzpark.

  1. Pizza passte gut ins Kinderkunstdorf – bis zum Kohleklau. Foto: Privat

STÜHLINGER. Große Enttäuschung und Empörung im Kinderkunstdorf im Eschholzpark: Die drei Jugendlichen vom Pizzastand der "Backoffensive" sind am Mittwochnachmittag von einem Unbekannten bestohlen worden. Gegen drei Uhr war ein etwa Mitte 50-jähriger Mann am Stand der "Backofenoffensive" aufgetaucht, hatte eine Pizza bestellt – dann trickste er offenbar die drei 16-Jährigen aus und verschwand schließlich mit circa 400 Euro Tageseinnahmen.

"Ich finde das unfassbar", sagt Tina Leder, Sachgebietsleiterin beim Amt für Kinder, Jugend und Familien. Ihr erster Gedanke, als sie von dem dreisten Diebstahl erfuhr, sei gewesen: "Brauchen wir in Zukunft etwa auch für offene Kinderveranstaltungen am hellichten Tag eine Security?" Neben dem Imageschaden für das Kinderkunstdorf – "was sind da eigentlich bei solch einer vergnügten Veranstaltung für kaputte Menschen unterwegs?" – sieht die Sozialpädagogin allerdings vor allem den Kummer und die Frustration für die bestohlenen Jugendlichen – und den ideellen Schaden für das engagierte Projekt "Backoffensive".

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Die Backoffensive ist eine Art Lernfirma, die vom Abenteuerspielplatz Weingarten und von der Spieloffensive betreut wird – Träger ist das Forum Weingarten 2000. Mit der Backoffensive sollen Jugendliche selbstverantwortlich an die Arbeitswelt herangeführt werden. Für einen knapp bemessenen Stundenlohn von fünf Euro kümmern sie sich um den gesamten Ablauf: Einkauf der Zutaten, Produktion und Verkauf, Abrechnung. Am Mittwochabend gab es nichts mehr abzurechnen. Das mühsam verdiente Geld war weg: Der Dieb hatte in einem vermutlich vorgetäuschten ungeschickten Gerempel die Kasse vom Tresen gestoßen, half das Geld auflesen – und flüchtete schließlich samt Kasse auf seinem Fahrrad. Eine genaue Beschreibung des Täters gibt es nicht: Er trug, offenbar um unerkannt zu bleiben, eine große Sonnenbrille und hatte den Schirm seiner Basecap tief ins Gesicht gezogen. Dass die drei 16-jährigen Mädchen laut riefen "der klaut die Kasse!" hielten die Kunstdorfbesucher für einen Scherz – niemand reagierte.

Wohl aber reagierte unbürokratisch und schnell der Weiße Ring – die Initiative für Verbrechensopfer. "Schon heute früh meldeten die sich bei uns, nachdem sie die Nachricht von dem Diebstahl in der Zeitung gelesen hatten", erzählt Tina Leder, "und versprachen zu helfen." So wäre zumindest der finanzielle Schaden möglicherweise schon bald wieder ausgeglichen. Schwieriger wird es mit den Folgen des Übergriffs für die drei jungen Frauen, sagt Gerhard Rüffer, Leiter des Abenteuerspielplatzes Weingarten – und einer der pädagogischen Begleiter der Backoffensive. "Die drei Jugendlichen sind wahnsinnig getroffen und verunsichert", berichtet er. Und so habe man die Pizzabackaktion beim Kinderkunstdorf auch nach Rücksprache mit den jungen Frauen abgeblasen. Auch Nicole Lack von der Spieloffensive stellt fest: "Das ist eine superenttäuschende schlimme Erfahrung für die drei."

Und schlimm ist das Ganze auch fürs Spielmobil, das das Kinderkunstdorf im Auftrag der Stadt und zu großen Teilen aus städtischen Mitteln auf die Beine gestellt hat. "Nach außen hin spürt man davon schon heute kaum mehr was auf dem Kinderkunstdorfgelände", sagt Spielmobilist Jürgen App, "aber im ganzen Team ist die Stimmung sehr bedrückt. Das kann niemand fassen, dass jemand auf einer Kinderveranstaltung so unterwegs ist."

Nun muss die Kinderkunstkantine die gesamte Essensversorgung bis Sonntag übernehmen – dass aber die drei von der Backoffensive spontan aussteigen, kann jeder verstehen. Jugendamtsfrau Tina Leder betont: "Die Jugendlichen haben sich ja hier aus Überzeugung und sehr, sehr positiv eingebracht – und nun mussten sie so etwas krasses erleben!" Ihre Hoffnung ist, dass sowohl die Drei als auch das ganze Kinderkunstdorfteam sich von dieser Begebenheit nicht irritieren lassen – ebenso wenig wie Eltern und Kinder, die bis Sonntag das Künstlerdorf genießen sollen: "Das war zwar ein bitteres Erlebnis, aber beides – Kinderkunstdorf und Backoffensive – sind Projekte, die so sehr positiv besetzt sind und deren Gelingen uns so am Herzen liegt!"

Autor: Julia Littmann