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07. Mai 2009 17:41 Uhr

Interview

Können Steine heilen?

Rund um den Freiburger Seepark findet am Wochenende ein "Internationales Steinheilkunde-Symposium" statt. Die BZ hat sich Roman Huber, Leiter des Zentrums Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, über die Kräfte von Steinen unterhalten.

  1. Steinheilkunde – was steckt wirklich dahinter? Foto: Norbert Försterling

  2. Roman Huber, Leiter des Zentrums Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, über die Kräfte von Steinen Foto: Privat

BZ: Herr Huber, können Steine heilen?
Roman Huber: Ich würde da zwei Ebenen unterscheiden. Zum einen enthalten viele Edelsteine und Kristalle Elemente, die für den Körper notwendig sind. Eisen, Kupfer, Silizium und Kalzium zum Beispiel. Wenn wir uns die zuführen – zerrieben, verdünnt oder in sonst einer Form –, ist da per se nichts gegen einzuwenden. Die zweite Ebene ist die wissenschaftlich nicht so fassbare. Die, wo davon ausgegangen wird, dass Kristalle und Edelsteine energetisch wirken. Da spielt also nicht mehr nur die Substanz im Stein eine Rolle, sondern auch persönliche Beziehungen zum Stein, seine Form, seine Maserung und wie ich ihn in der Hand halte. Vieles davon geht auf Hildegard von Bingen zurück. Eine spezifische Wirkung besteht nach bisheriger Erkenntnis nicht, wohl aber bestehen ausgeprägte unspezifische Effekte.Das gilt übrigens für alle energetischen Verfahren, Geistheilung und Gebet zum Beispiel fallen auch darunter. Die Steinheilkunde ist vom naturwissenschaftlichen Aspekt her also weniger interessant, wohl aber vom psychologischen.

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BZ: Steine heilen die Psyche?
Huber: Nein, aber der Glaube daran. Menschen, die darauf vertrauen, dass sie mit bestimmten Edelsteinen zum Beispiel einen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können, stärken vor allem ihre Eigenverantwortlichkeit. Sie werden selbst aktiv, versuchen, ihre Symptome zu deuten und mit ihnen umzugehen. Das sollte man meiner Meinung nach nicht zu sehr bremsen, denn dadurch kann eine positive Kraft entstehen. Und wenn das für den Menschen passt, wenn für ihn beispielsweise die Verbindung mit einem bestimmten Edelstein etwas Stimmiges hat und es ihm gut tut – warum nicht?
BZ: Weil es lebensgefährlich sein kann, sich auf nicht nachgewiesene Heilkräfte zu verlassen.
Huber: Wenn man es ausschließlich tut, schon. Davon würde ich Menschen mit ernsthaften Erkrankungen abraten. Ergänzend aber zu schulmedizinischen Therapien ist gegen die Steinheilkunde nichts einzuwenden. Denn es schadet ja nicht, sich einen bestimmten Edelstein um den Hals zu hängen, weil man glaubt, dass er gegen Kopfschmerzen oder Ängste hilft oder einfach das Selbstvertrauen stärkt. Außerdem sieht es schön aus.
BZ: Steinheilkunde als harmlose Ergänzungstherapie?
Huber: So lange es keine übertriebenen Auswüchse annimmt, ja. Wenn der Patient denkt, ihm hilft ein Onyx oder Saphir, habe ich überhaupt nichts dagegen. Die Gefahr sehe ich eher auf der finanziellen Seite. Wer Minerale und Edelsteine kaufen will, kann das übrigens auch auf einer normalen Mineralienbörse tun. Dort kosten sie nur ein Bruchteil dessen, was auf Kongressen zur Steinheilkunde für besonders geformte oder gefasste Exemplare verlangt wird.

Internationales Steinheilkunde-Symposium, Freitag, 8. Mai, bis Sonntag, 10. Mai, am Seepark. Mineralienbörse, Rahmenprogramm und Einzelveranstaltungen.

Autor: Claudia Füßler