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29. Juli 2013

Kultur als sozialer Kitt

Wolfgang Thierse und Oliver Scheytt plädieren für mehr kulturelle Bildung.

  1. Leidenschaftliches Plädoyer für kulturelle Bildung: Wolfgang Thierse am Mikrofon unterstützt Gernot Erler (rechts) im Wahlkampf. Foto: Eggstein

Es war ein Plädoyer für eine Kultur für alle. Der Vizepräsident des Bundestags, Wolfgang Thierse, und Oliver Scheytt aus dem Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück waren am Sonntag ins Theatercafé gekommen, um mit Freiburgs SPD-Bundestagsabgeordneten Gernot Erler Wahlkampf zu machen. Allerdings mussten sie sich viel Kritik anhören, weil Kulturinteressierte gerade die SPD für die beschlossene Fusion der SWR-Orchester und für die Kürzung von Schulstunden mitverantwortlich machen.

Wolfgang Thierse, 69, in schwarzen Jeans und robusten Wildlederschuhen hatte seinen Schwarzwaldurlaub für diesen Vormittag unterbrochen. Ihn treibt die fehlende Leidenschaft für Bildung und Kultur um. Die pluralistische Gesellschaft werde nicht zuletzt durch ein Minimum an Übereinstimmung von Werten zusammengehalten – die müssten gelebt und tradiert werden. "Und das passiert im Raum der Kultur." Den Zugang dazu müsse kulturelle Bildung eröffnen. "Das fängt in Schulen und Kommunen an."

Das war Konsens unter den etwa 70 Zuhörern und provozierte dennoch gleich Kritik. Eine Elternvertreterin und Lehrer warfen der grün-roten Landesregierung vor, dass viel Unterricht ausfalle – vor allem in musischen Fächern – und Ergänzungsstunden – vor allem im musischen Bereich – gestrichen würden. SPD-Landtagsabgeordnete Gabi Rolland erinnerte allerdings daran, dass die Schulen selbst bestimmen, wie sie zum Beispiel diese Ergänzungsstunden einsetzen.

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Seit Juni ist Oliver Scheytt, Pianist und Jurist, im Schattenkabinett der SPD zuständig für Kulturpolitik. Der 55-Jährige ist der Cousin des Freiburger Pianisten Thomas Scheytt. Als Jugendliche spielten sie gemeinsam Boogie Woogie. Er sieht die Kultur vor drei Herausforderungen: den demographischen Wandel, Migration sowie die digitalen Welten, die "die kulturelle Wahrnehmung zutiefst verändern". Anders als Kanzlerin Angela Merkel, fordere die SPD, dass in den laufenden Verhandlungen mit den USA über ein Freihandelsabkommen eine Ausnahmeregelung für Kultur gefunden wird. "Sonst bestimmen die Medienkonzerne wie Facebook den Markt."

Viele Gäste und auch die prominenten Redner trugen einen gelben Button, der für den Erhalt des Freiburger SWR-Orchesters demonstriert. Dass Teile des Publikums gerade der SPD eine Mitschuld an den schwindenden Überlebenschancen gibt, überraschte Gernot Erler, 69. Er versicherte, für jede Unterstützung bereit zu sein.

Autor: Uwe Mauch