Grenzwerte überschritten

Lärmgutachten bestätigt: Auf dem Augustinerplatz ist es zu laut

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Di, 15. Mai 2018 um 08:30 Uhr

Freiburg

Erlaubt sind nachts 45 Dezibel, gemessen wurden bis zu 73 Dezibel. Die Anwohner sehen sich durch die Ergebnisse bestätigt. Das seit mehr als einem Jahr pausierende Gerichtsverfahren soll fortgesetzt werden.

Das vom Verwaltungsgericht angeordnete Gutachten zum Lärm auf dem Augustinerplatz zeigt: Die geltenden Werte werden "deutlich überschritten", so die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW), welche die Daten im Sommer 2017 erhoben hat.

Die Anwohner sehen sich durch das Gutachten bestätigt

Der Streit um den Augustinerplatz und den nächtlichen Lärm schwelt seit Jahren. 2016 sind mehrere Anwohner vor Gericht gezogen. Sie fordern die Stadt auf, dass sie die geltende Polizeiverordnung durchsetzt, und dass es von Mitternacht an ruhig auf dem Platz wird. In der mündlichen Verhandlung im Mai 2017 hat das Verwaltungsgericht ein Lärmgutachten angeordnet. Das liegt nun als 170 Seiten starker Wälzer der LUBW auf den Tischen von Gericht und Prozessparteien. "Wir sehen uns bestätigt", sagt Doris Morawe, Anwohnerin der Salzstraße und eine der Klägerinnen.

Gemessen hat die LUBW im vergangenen Jahr am 8. Juli und 27. August an je einem Messpunkt in der Gerberau und in der Salzstraße. Die umfangreichen Messergebnisse sind seitenweise aufgelistet, dazu gibt es ein Protokoll über die Lärmquellen und die Situation auf dem Platz. Die 45 Dezibel der Freizeitlärmrichtlinie wurden demnach in beiden Nächten nahezu kontinuierlich überschritten. Hinzu kommen einzelne Lärmspitzen, die sogar die 70-Dezibel-Grenze knacken.

Bei der Juli-Messung finden sich im Protokoll Notizen wie Flaschengeklirre (0,02 Uhr), Auto mit lautem Radio (0.33 Uhr) und Gesang mit Gitarre im Hintergrund (0.42 Uhr). Junggesellenabschiede werden protokolliert, Schreie, Klatschen und ein Flaschensammler. Beim zweiten Messtermin zeigt sich ein ähnliches Bild: Da sorgten um 1.47 Uhr Trommeln oberhalb der Treppe des Platzes für Lärm.



Stadtverwaltung: Mehr Menschen zieht es auf den Platz der Alten Synagoge

Der Inhalt des Gutachtens hat die Stadtverwaltung nicht überrascht. Dass in der Innenstadt an einzelnen Tagen und in einzelnen Bereichen hohe Lärmwerte erreicht werden, sei zu erwarten, so Stadtsprecherin Martina Schickle. Das hätten bereits frühere Messungen ergeben. "Die Stadt hat in den letzten Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um die in Freiburg – genauso wie in zahlreichen anderen Innenstädten – bestehenden Nutzungskonflikte zu entschärfen", so Schickle. Daran arbeite die Verwaltung auch weiterhin, aktuell auch im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft mit der Polizei.

Eine vollständige Lösung dieser Nutzungskonflikte sei jedoch vermutlich nicht zu erreichen, "so dass letztlich immer in Einzelfällen konkret polizeiliche Maßnahmen erforderlich werden". Laut Rathaus sei seit der Eröffnung des Platzes der Alten Synagoge vor den Sommerferien 2017 die Zahl der nächtlichen Besucher auf dem Augustinerplatz rückläufig.

Anwohner hoffen auf den neuen Chef im Rathaus

Dieser Einschätzung widerspricht Anwohnerin Doris Morawe: "Es gibt tagsüber eine Entlastung durch den neuen Platz, aber nicht nachts", so ihre Feststellung. Sie wirft der Stadt Versäumnisse vor und kritisiert, dass der neu installierte Gemeindevollzugsdienst nicht nachts am Platz eingesetzt werde. Die Klägerin fordert auch, dass am südlichen Platzende bei der Gerberau ein Gitter über das Bächle gelegt wird, weil dort immer viele Menschen sitzen würden. Und die Anwohnerin plädiert für den Abbau der Säule der Toleranz, weil diese den Platz nachts in ein besonders gemütlich-schönes Licht tauche. Anwohnerin Morawe kann auch nicht fassen, dass die Stadt seit Jahren den illegalen Bierverkauf nicht stoppt – obwohl der Bierverkäufer auch gegen Jugendschutzgesetze verstoße. Morawe setzt ihre Hoffnungen auch auf den künftigen Oberbürgermeister Martin Horn, den sie im Wahlkampf unterstützt hat.

Wie geht es weiter? Das Verwaltungsgericht könnte die Stadt verpflichten, mehr gegen den Lärm zu tun – wenn die Anwohner den Prozess gewinnen. Wann die Verhandlung fortgesetzt wird, steht laut Pressesprecher Klaus Döll noch nicht fest. Ein Termin müsse vereinbart werden, nachdem die Prozessbeteiligten sich zu dem vorliegenden Gutachten geäußert haben. Die Frist dazu sei kürzlich verlängert worden.

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