LEUTE

Anna Ebach

Von Anna Ebach

Sa, 11. November 2017

Freiburg

CARITASVERBAND

Geschicke geprägt

25 Jahre lang hat er die Geschicke des Caritasverbands im Erzbistum Freiburg mitgeprägt, 20 Jahre lang als Diözesan-Caritasdirektor: Am Donnerstag wurde Bernhard Appel in den Ruhestand verabschiedet – mit einem feierlichen Gottesdienst im Münster und einem Festakt, zu dem mehr als 300 Gäste kamen. Appel habe "leidenschaftlich mitgebaut an der Kirche von Freiburg und das diakonische Gebäude der Kirche mit Leben gefüllt", sagte Erzbischof Stephan Burger. Die Caritas sei nur glaubwürdig, wenn sie bei aller notwendigen Struktur und Organisation menschlich bleibe. "Für diese Menschlichkeit steht Bernhard Appel", so der Erzbischof, der dem scheidenden Diözesan-Caritasdirektor die Konradsplakette überreichte und damit die höchste Auszeichnung, die das Erzbistum zu vergeben hat. Die höchste Auszeichnung des Deutschen Caritasverbands, den Brotteller, übergab dessen Präsident Peter Neher. Appel habe in der Erzdiözese und darüber hinaus eigene Akzente gesetzt. Von den zahlreichen anderen Rednern und Rednerinnen wie der Staatssekretärin im Sozialministerium, Bärbl Mielich, wurden sein Engagement und seine "tiefe ökumenische Grundhaltung" gewürdigt. Appel selbst – Theologe und Priester, der den päpstlichen Ehrentitel Monsignore trägt – bezeichnete es als großes Glück, "mit dieser wunderbaren Aufgabe betraut worden zu sein". Seine Nachfolge hatte Thomas Herkert, der bislang die Katholische Akademie der Erzdiözese leitete, bereits zum 1. November angetreten. Bei der Feier am Donnerstag wurde er von Erzbischof Burger offiziell in sein Amt eingeführt.
WALDORFSCHULE

Wie Dagobert Duck

Wie viel verdient eine Finanzministerin? Warum wird der Mooswald abgeholzt? Und wie will die Regierung das Klimaabkommen umsetzen? Mit solchen Fragen haben Schülerinnen und Schüler am Freitagvormittag die Freiburger Landtagsabgeordnete Edith Sitzmann konfrontiert. Die Grünenpolitikerin besuchte anlässlich des Tags der Freien Schulen die Freie Waldorfschule im Stadtteil Rieselfeld. Als sie den Raum betritt, drehen sich die Köpfe der 14- bis 18-Jährigen gespannt zu ihr herum. Sie, die als Finanzchefin der Landesregierung jährlich mehr als 50 Milliarden Euro verwaltet, verrät: "Ich muss das Kässle möglichst oft zuhalten." In ihrem Amt ist sie zudem Münzherrin von Baden-Württemberg, eine ihrer Lieblingsaufgaben. "Dadurch habe ich Zugang zu den Münzstätten und konnte schon mal wie Dagobert Duck mit beiden Händen in die Münzbottiche reinlangen." Eine Dreiviertelstunde lang dürfen die Schüler ihre Fragen loswerden. Leander (15) erkundigt sich nach ihrem Gehalt, das Sitzmann nicht genau kennt. Das könne man im Internet nachlesen. "Es müssten so um die 9000 Euro monatlich sein." Bei den Grünen engagiert sie sich, weil sie schon seit ihrer Jugend Atomkraftgegnerin sei und der Atomausstieg schon immer Ziel der Partei gewesen sei. Zudem lägen ihr die Kernthemen wie Umwelt- und Naturschutz sehr am Herzen.

"Hand hoch für Freie Schulen" – so lautet die Kampagne der Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Baden-Württemberg (AGFS). Nachdem der Staatsgerichtshof im Juli 2015 festgestellt hatte, dass Freie Schulen vom Land finanziell benachteiligt werden, brachte die Stuttgarter Regierung im vergangenen Mai nach einvernehmlichen Verhandlungen mit der AGFS eine Gesetzesnovelle auf den Weg. Im September beschloss der Landtag, 80 Prozent der Bruttokosten eines öffentlichen Schülers zu übernehmen. Dieses Thema treibt auch die Waldorfschüler um. "Gibt es eine Chance, dass die 80 Prozent für Freie Schulen noch erhöht werden?", will eine Schülerin wissen. Eine andere weist darauf hin, dass 80 Prozent für die Freie Waldorfschule in Rieselfeld offensichtlich nicht reichten: "Unsere Schule könnte dringend ein neues Heizsystem brauchen." Edith Sitzmann antwortet mit einem Lächeln, aber bestimmt: "Das nehme ich zur Kenntnis, aber wir können leider nicht alle Wünsche erfüllen. Bei den 80 Prozent wird es erst mal bleiben." Auch wenn die Zeit fehlt, um alle Fragen zu beantworten, kommt der Besuch an. "Sie wirkte echt sympathisch, und ich fand es gut, dass sie auch persönliche Aspekte erzählt hat", sagt Bahija (17) aus der elften Klasse. Mitschülerin Elisa (16) hätte sich ein paar konkretere Antworten gewünscht. Sie sei manchen Fragen einfach ausgewichen. "Aber das ist wohl bei allen Politikern so."