Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. November 2014

FDP in Freiburg

Liberale suchen ein neues Leitbild

Der Freiburger FDP-Kreisverband diskutiert das neue Parteileitbild, das die Liberalen retten soll.

Was hat die FDP mit Nespresso-Kaffeekapseln, dem Kräuterlikör Jägermeister und dem Autofabrikat Mini zu tun? Viel. Davon ist zumindest die Führungsriege der Liberalen überzeugt. Sie sehen die Partei nämlich auch als eine Art Markenprodukt, das es zu positionieren und ins rechte Licht zu rücken gilt. Derzeit läuft daher ein sogenannter Leitbildprozess. Am Dienstag war der Kreisverband Freiburg aufgerufen, seine Gedanken dazu einzubringen. Hierzu war eigens der stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Hosam el Miniawy aus Nürtingen angereist. Die Freiburger FDP-ler rangen um die rechten Worte.

Rund drei Dutzend der insgesamt etwa 200 Freiburger FDP-Mitglieder ließen sich im Gasthaus "Schützen" erläutern, was denn genau unter einem Leitbildprozess zu verstehen ist – und wohin dieser Prozess in etwa führen soll. Hosam el Miniawy (38), von Beruf Unternehmensberater, geizte nicht mit bunten Powerpoint-Grafiken. Die FDP hat die Wählerschaft eingehend analysiert, die politische Konkurrenz genau unter die Lupe genommen, mit sogenannten Fokusgruppen die Stimmung in der Bevölkerung erkundet – und nun will sie auch noch die Meinung der Parteibasis einholen. Man orientiere sich bei dem Verfahren eng an Vorbildern aus dem Konsumgütermarketing, verriet Hosam el Miniawy – aber auch an der sozialliberalen Partei D66 in den Niederlanden. Diese habe es geschafft, durch geschickte Neuausrichtung aus der Bedeutungslosigkeit ins Parlament zu kommen.

Werbung


Fünf Slogans für die Partei

Das Ergebnis der bisherigen Leitbildbemühungen: Die Vision der FDP soll "Chancen ermöglichen" lauten. An fünf Slogans will sich die Partei – so der gegenwärtige Stand – in Zukunft messen lassen: "Die beste Bildung der Welt", "Aufstieg durch eigene Leistung", "Selbstbestimmt in allen Lebensbereichen", "Politik die rechnen kann" und "Ein Staat, der es einfach macht". Doch die genauen Formulierungen seien nun eben noch Gegenstand der parteiinternen Diskussion.

Die Freiburger FDPler l deckten ihren Vizelandesvorsitzenden reichlich mit Verbesserungsvorschlägen ein. Vor allem der Passus zum Thema Bildung stieß auf heftige Einwände. "Mit dieser Formulierung können wir nur scheitern", sagt etwa FDP-Stadtrat Patrick Evers. Der Anspruch sei unrealistisch. Andere fanden, er kollidiere mit dem Ziel, fiskalisch solide arbeiten zu wollen. Aber auch andere Slogans standen in der Kritik. Hosam el Miniawy schrieb eifrig mit und versprach, die Argumente aus Freiburg an die Parteispitze weiterzutragen. Vereinzelt gab es auch grundsätzliche Einwände: Man betreibe hohle Phrasendrescherei, wichtiger seien doch konkrete politische Inhalte. Andere fanden es generell seltsam, die Partei dem von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group konzipierten Leitbildprozess zu unterziehen. "Wenn’s hilft, soll es mir recht sein", kommentierte indes ein anderes Parteimitglied das Verfahren und den Disput um Begriffe.

"Das Ganze ist natürlich etwas abstrakt", räumte Kreisvorsitzender Sascha Fiek ein, der am Dienstag als Bundesdelegierter des Kreisverbands bestätigt wurde. Das Leitbild sei aber wichtig als Grundlage für den angestrebten Reformprozess. Dass es nach wie vor einen Bedarf nach einer liberalen Partei unter den Menschen gibt, darüber herrschte beim FDP-Treffen Konsens. "Wir müssen aber unseren Auftritt verbessern", so Hosam el Miniawy. Dann könne die Rückkehr in den Bundestag klappen.

Autor: Holger Schindler