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20. März 2017

BZ Hautnah

Librettistin, Komponist und Regisseur sprechen über Entstehung und Einsichten ihrer Opern-Uraufführung Crusades

Die Uraufführung der Oper Crusades über die Spätfolgen der Kreuzzüge und eine Liebesgeschichte über Religionsgrenzen hinweg wurde viel diskutiert. Warum ist der Stoff gerade heute so präsent? Ist Crusades auch auf Bühnen in anderen Ländern denkbar? Um solche Fragen ging es bei der Veranstaltung „BZ Hautnah“ mit den Machern des Musiktheaters am Freitagabend im Winterer-Foyer des Stadttheaters.

  1. Librettistin Tina Hartmann, Komponist Ludger Vollmer (links) sowie Regisseur Neco Celik und Operndirektorin Dominica Volkert (rechts) im Gespräch mit BZ-Redakteur Johannes Adam (Mitte) und Publikum. Foto: Rita Eggstein

"Wie lange braucht man für so eine moderne Oper?", wollte eine Zuhörerin wissen, die direkt nach der Vorstellung von Crusades an der von BZ-Kulturredakteur Johannes Adam moderierten Diskussion teilnahm. "Gut drei Jahre von der Idee bis zur Premiere", erzählte Librettistin Tina Hartmann. Und zwar, als es in Deutschland noch keine islamistischen Anschläge gegeben habe und die Debatten darüber nicht so präsent und hitzig gewesen seien wie heute. "Die Realität hat uns innerhalb von drei Jahren um drei Schritte überholt", sagt Hartmann. Es sei genau die richtige Zeit, um eine politische Oper über den Missbrauch von Religion und seine gewaltsamen Folgen zu machen.

Das Konzept dazu ist in einer Kantine in Karlsruhe entstanden, verriet Operndirektorin Dominica Volkert. Und die Beratungen und Gespräche mit Regisseur Neco Celik und Komponist Ludger Vollmer folgten später in einem Berliner Café.

Vollmer, der sich oft an moderne Stücke wagt und gerade in Hagen den Tschick auf die Bühne bringt, hat ein gutes Jahr an der Musik für den Crusades geschrieben. "Du hast es den Sängern und Musikern nicht einfach gemacht. Die müssen sich richtig hineinbegeben, alles durchleiden und gleichzeitig genießen", sagte Direktorin Volkert zu ihrem geschätzten Komponisten, von dem sie sich auch mal eine Operette am Freiburger Haus wünscht.

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Für Vollmer ist der Reiz an der Oper, die nonverbale Sprache. "Mir fehlen oftmals Witz, Charme und vor allem Emotion. Wenn ich das nicht darf, lass’ ich die Finger weg", sagt er. Vor allem Balkan-Rhythmen haben es ihm angetan. Wie dort mit Melodien umgegangen wird, findet er klasse. "Bei mir gibt es keine Themen und Leitmotive, sondern höchstens Formeln", sagt er.

Neco Celik ist als Regisseur derjenige, der "alles ausbaden muss", was Vollmer und Hartmann erarbeiten. "Das ist eine einzige Choreographie", sagt er. Ihm ging es darum, sich kreativ auszutoben, ohne ängstlich an die Thematik heranzugehen und eine Religion schlecht darzustellen. "Keiner soll verletzt aus dem Theater gehen", sagt er. In England wollte man das Werk aus politischen Gründen dennoch erst mal nicht aufgeführt wissen. Er und Vollmer finden, dass Crusades weltweit für die Bühne geeignet ist.

Welche Einsichten Vollmer im Laufe der Proben und Aufführungen gewonnen habe, will jemand aus dem Publikum wissen. "Der Kinderchor hat mich geflasht. Die haben eine Energie, die Erwachsene ausknocken kann", sagt der fünffache Vater. Diese Erfahrung sei das schönste künstlerische Erlebnis gewesen, das er als Opernkomponist bisher hatte.

Autor: Fabian Vögtle