Einzelhandel

Linder übernimmt Traditionsmetzgerei Müller in der Brombergstraße in der Wiehre

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Do, 14. Juni 2018 um 10:34 Uhr

Freiburg

Für die Müllers ist bald Schluss. Diesen Sommer übergibt das Ehepaar ihren über 50 Jahre alten Betrieb an der Brombergstraße an die Metzgerei Linder aus Glottertal.

Diese übernimmt den Laden als bereits dritte Filiale in Freiburg. Alle elf Mitarbeiter von Müller behalten ihren Job und sollen sich weiterhin vor Ort um die vielen Stammkunden kümmern.

Schon seit Jahren war klar, dass der 1956 von Ludwig Müller gegründete Laden nicht in dritter Generation weitergeführt wird. "Wir haben zwar zwei tolle Töchter, aber die müssen das ja auch aus Überzeugung wollen", sagt Volkhard Müller. Das sei nicht der Fall gewesen. Eine der beiden ist zwar wie Mutter Eva Müller gelernte Fleischfachverkäuferin, aber um die Metzgerei erfolgreich in die Zukunft zu führen, müssten sie und auch ihr Partner voll dahinter stehen. Nebenbei und ohne Rückhalt sei das nicht zu stemmen.

70-Stunden-Wochen – und kaum Urlaub

"Wir haben uns immer perfekt ergänzt", sagt Eva Müller. Sie steht vorne im Laden, ihr Mann ist hinten in der Wurstküche. Eine 70-Stunden-Woche war nicht selten, längere Urlaube gab es in den vergangenen Jahren kaum. Das soll sich nun ändern. Mit 61 und 57 Jahren will das Metzger-Paar jetzt endlich mal Freizeit genießen, wegfahren und sich mehr um den Enkel kümmern.

Volkhard Müller fiel es nicht leicht, nach 46 Berufsjahren, davon 28 als Chef, die Familientradition zu beenden und den Laden abzugeben. "Mir war es aber wichtig nicht erst aufzuhören, wenn der Zenit bereits überschritten ist." Derzeit stehe man wirtschaftlich sehr gut da. Doch künftig hätte man die Produktion erweitern müssen, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wegen des begrenzten Platzes hätte man die Produktion dann ins Gewerbegebiet verlagern müssen. Ein Projekt, das sich die Müllers nicht mehr antun wollten. Einer, der das 2014 bereits gemacht hat, ist Hermann Linder aus dem Glottertal. Der Produktionsstandort des Metzgers ist seither in Denzlingen. Von dort beliefert das Familienunternehmen bisher zwei Filialen in Glottertal und zwei in Freiburg.

"Unser Team und unsere Kunden, das ist wie eine Familie." Eva Müller
Nun kommt in der Stadt der dritte Standort hinzu. Linder sieht das Geschäft in der Wiehre als künftige Freiburger Zentrale. Dort sollen auch die Mittagessen für die beiden Standorte in der Schwarzwald-City und im Zentrum Oberwiehre zubereitet werden. Linder kennt Müller schon seit etlichen Jahren, versorgte ihn auch immer wieder mit Wildfleisch. "Hier herrscht ein gutes Geschäftsklima und das wollen wir fortführen", sagt er. Er will kaum was ändern, sein größtes Anliegen ist, die Kunden zu halten. Dafür baut er auf die bisherigen Verkäuferinnen und Verkäufer. Alle acht werden zu den bisherigen Konditionen übernommen, das dreiköpfige Produktionsteam arbeitet künftig in Denzlingen. Nur der neue Filialleiter kommt von außen.

"Unser Team und unsere Kunden, das ist wie eine Familie", sagt Eva Müller, die um die Bedeutung ihres Ladens als lokalem Treffpunkt weiß. Ob es die beliebtesten Spezialitäten des Hauses, etwa die luftgetrocknete Salami mit schwarzem Pfeffer oder die Gourmet-Bratwurst mit Spinat, Schinken und Käse künftig gibt, wird sich zeigen. Die Lange Rote, die drei Wurststände vom Münstermarkt bisher bei Müller orderten, soll Linder auch im Angebot haben.
Metzgerei Müller

Der Metzgermeister Ludwig Müller und seine Ehefrau Mia eröffneten 1956 zunächst an der Merzhauser Straße ein Fleischwarengeschäft. 1968 wechselten sie dann an den heutigen Standort an die Brombergstraße, wo sich zuvor die Metzgerei Federer befand. 1989 übernahm Sohn Volkhard mit seiner Frau Eva die Leitung des Familienbetriebs. Am Samstag, 4. August, ist nun Schluss für die Fleischerei. Am 11. September eröffnet die Metzgerei Linder aus Glottertal/Denzlingen in den Räumen ihre dritte Freiburger Filiale.