Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

01. September 2011 12:47 Uhr

Stadtteil Vauban

M1-Areal: Baumaschine in Brand gesteckt – sechstelliger Schaden

Vier Wochen, nachdem die Wagenburg auf dem M1-Areal im Vauban geräumt wurde, haben Unbekannte ein auf dem Gelände stehendes Baugerät in Brand gesetzt. Zuvor hatten sich am Areal laut Augenzeugen 50 Menschen versammelt.

  1. Am Morgen danach: Das ausgebrannte Baugerät auf dem M1-Areal im Stadtteil Vauban. Foto: Dominic Rock

Auf dem Gelände riecht es auch am Donnerstagmorgen noch leicht verkohlt. Das Führerhaus des Baggers – genau genommen handelt es sich um ein so genanntes Großbohrgerät – ist ausgebrannt, die Scheiben sind zerborsten, Kabel sehen verkohlt aus. Am Vormittag war die Polizei zur Spurensicherung vor Ort und nahm Brandschutt sowie herumliegende Bierflaschen in Augenschein. Zur genauen Brandursache machte die Polizei noch keine Angaben, auch der Sachschaden steht noch nicht fest, dürfte laut Polizei aber im sechsstelligen Bereich liegen.

Seit zwei Wochen ist der Bohrer auf dem M1-Gelände im Einsatz, um dort das Fundament für das geplante Wohn- und Geschäftshaus samt Hotel vorzubereiten. "Heut Mittag wären wir fertig gewesen", sagt ein Bauarbeiter. Noch am Donnerstag hätte die Maschine zu einer anderen Baustelle gebracht werden sollen. "Wo ist Rhino?" und "Viva Wagenleben!" ist in roter Farbe auf den Bagger gesprüht, das Graffito ist allerdings schon zehn Tage alt: "Wir habe das extra stehen lassen, weil wir dachten, dann passiert nichts…", sagt der Bauarbeiter.

Werbung


Stadtbau braucht neue Bohrmaschine

Wie geht es auf der Baustelle nun weiter? Matthias Vökt, Assistent der Geschäftsleitung der Freiburger Stadtbau – sie ist Bauherrin – sagte dazu am Donnerstag: "Gerade prüft ein externer Bauleiter, wie wir Ersatz für die Bohrmaschine beschaffen können. Erst wenn der da ist, können die Arbeiten weitergehen. Ob das die Bauarbeiten insgesamt verzögert, ist noch nicht klar." Die Stadtbau hatte schon vor der Randale einen privaten Sicherheitsdienst mit der Überwachung des Geländes beauftragt.

Laut einer Anwohnerin des Quartiers hatten sich am Mittwoch an der Kreuzung der Vaubanallee zur Merzhauser Straße rund 50 Menschen versammelt, in einer Tonne habe ein Feuer gebrannt – im Internet hatte die linke Szene Freiburgs anonym zu dem als "Straßenfest" apostrophierten Treffen aufgerufen und indirekt selbst die Verbindung zur Räumung der Wagenburg vor exakt vier Wochen hergestellt.

Die Anwohnerin sagte weiter, sie habe ab 20 Uhr mehrfach die Polizei angerufen. Gegen 22 Uhr habe sie dann hohe Flammen aus der Führerkabine des Baugeräts lodern sehen. Laut Polizei war bereits eine halbe Stunde zuvor die Scheibe eines Radladers auf dem Baugelände eingeworfen worden. Die Polizei hat nach eigenen Angaben dafür gesorgt, dass die Feuerwehr den Brand ungehindert löschen konnte.

Bereits zuvor war es nach Angaben der Polizei zu Auseinandersetzungen am M1 gekommen: Kurz vor 19 Uhr war die Polizei zum Vauban gerufen worden. Dort sei ein am Kopf verletzter Mann gefunden worden, den ein Freiburger Krankenhaus zuvor vermisst gemeldet habe.

Die Polizei forderte laut Pressemitteilung zur Versorgung des hilflosen Mannes einen Rettungswagen an. Bei dem Hilfseinsatz seien die Beamten von 20 Personen angegangen worden. Zunächst seien kleine Steine geflogen, später habe ein größerer Stein einen Streifenwagen getroffen. Bei einer sich anschließenden Personenkontrolle seien die Beamten von weiteren Personen massiv "aus dem Bereich" des Wohnprojekts Susi angegangen worden. Ein Polizist sei an der Hand verletzt worden.

Neideck kündigt Anzeige an

Der Erste Bürgermeister Otto Neideck verurteilte ham Donnerstag die Ausschreitungen: "Steinwürfe auf Menschen und Feuer an Baumaschinen habennichts mit politischen Auseinandersetzungen zu tun. Gewalt ist mit einer konsequenten Strafverfolgung zu begegnen", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Freiburger Stadtbau als Bauherrin werden Anzeige erstatten.

Die Kriminalpolizei Freiburg hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Zeugen sich zu melden. Telefon: 0761/882-4884. Das anonyme Telefon 0761/41262 ist ebenfalls geschaltet. Per Mail sind die Ermittler unter kripo.freiburg@polizei.bwl.de zu erreichen.

Mehr zum Thema:

Autor: Thomas Goebel, Simone Lutz, Peter Disch, aktualisiert um 13.14 Uhr