Wiederbelebung

Machbarkeitsstudie: Naturbad am Westbad wäre möglich

jlb

Von jlb

Mo, 22. Februar 2016 um 18:54 Uhr

Freiburg

Seit mehr als zehn Jahren liegt das Freibecken des Westbads brach. Jetzt zeigt eine Machbarkeitsstudie: das Außengelände könnte für 2,6 Millionen Euro umgewandelt werden.

2,6 Millionen Euro würde es kosten, das Außengelände des Westbads im Stadtteil Betzenhausen-Bischofslinde in ein Naturfreibad zu verwandeln. Damit wäre diese Variante mit biologischer Wasseraufbereitung nur gut halb so teuer wie ein konventionelles Bad, auch der Unterhalt wäre deutlich billiger. Das geht aus einer Machbarkeitsstudie hervor. Für den "Freundeskreis Westbad" ist das Ergebnis ein klares Signal für die Umsetzung. Die Stadtverwaltung will sich zum Thema noch nicht äußern. Zunächst soll morgen der gemeinderätliche Sportausschuss tagen.

Der Freundeskreis Westbad will das Außenbecken seit 2014 reaktivieren

Seit inzwischen mehr als zehn Jahren liegt das Freibecken des Westbads quasi auf dem Trockenen – Ebbe in der Stadtkasse führte 2003 zur Schließung der Anlage. Genauso lange gibt es Forderungen, das Freibad wieder zu reaktivieren. Ende 2014 brachte der Verein "Freundeskreis Westbad" eine neue Option ins Spiel: Ein Naturfreibad, das ganz ohne Chemie auskommt – ähnlich wie in der Hochrheingemeinde Murg.

Mehrere Gemeinderatsfraktionen fanden die Idee charmant und veranlassten eine Prüfung. Doch die fiel zunächst negativ aus. Aber mit den trüben Aussichten für das Bad wollten sich der Freundeskreis und die Politik nicht abfinden. Der Gemeinderat stellte 50.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie bereit, die das hessische Unternehmen EKO-Plant nun vorgelegt hat.

Das Ergebnis fällt eindeutig pro Naturfreibad aus: Die ökologische Variante würde 2,6 Millionen Euro kosten, ein konventionelles Bad hingegen 4,5 Millionen Euro. Beim Unterhalt ist beim Naturfreibad mit einem jährlichen Defizit von 210 000 Euro zu rechnen, bei einem herkömmlichen Freibad wären es 430 000 Euro.

Der Unterhalt des Naturbads soll niedriger sein als bei einem herkömmlichen Bad

Wie hoch diese Zahlen im Vergleich zu anderen Bädern sind, kann die Stadtverwaltung nicht sagen. Insgesamt hat die Stadtwerke Freiburg Bäder GmbH zuletzt ein Minus von 4,5 Millionen Euro jährlich eingefahren. In ihrem Auftrag betreibt die Regio Bäder GmbH in Freiburg fünf Hallen- und drei Freibäder. In diese sind in den vergangen knapp zehn Jahren rund 20 Millionen Euro geflossen: Das Haslacher Hallenbad wurde für sechs Millionen Euro saniert, das Westbad-Hallenbad für elf Millionen Euro und das Faulerbad für eine Million Euro.

"Ein Freibad ist kein Luxus, das ist absolut notwendig." Nicolai Bischler, Vorsitzender des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde
In die drei Freibäder seien zudem zusammen zwei Millionen Euro gesteckt worden, sagt Rathaussprecher Toni Klein. Nicht eingerechnet in die Bilanz ist das Eugen-Keidel-Thermalbad, da es zur Freiburger Kommunalbauten GmbH gehört. Dort steht in diesem Sommer eine Sanierung für 9,4 Millionen Euro an.

Für den "Freundeskreis Westbad" ist das Ergebnis der Machbarkeitsstudie ganz eindeutig. "Ein klares Go für das Naturfreibad", sagt der Vorsitzende Nicolai Bischler, der auch Vorsitzender des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde ist. Aber so oder so führe kein Weg mehr an einem Freibad für den Freiburger Westen vorbei, meint er. Die Bevölkerung sei zuletzt enorm gewachsen, weitere neue Baugebiete befänden sich in Planung: "Ein Freibad ist kein Luxus, das ist absolut notwendig."

Am Mittwoch wird das Thema im Sportausschuss diskutiert

Allzu viel Ansturm könnte ein Naturfreibad allerdings nicht verkraften, auch das geht aus der Machbarkeitsstudie hervor. Wegen des biologischen Reinigungsprozesses ist die maximale Anzahl der Besucher limitiert. An heißen Sommertagen sei sogar eine tageweise Schließung nicht ausgeschlossen, so die Studie. Ab wann es Probleme gibt, kann die Stadtverwaltung nicht genau sagen.

Das hänge neben der Anzahl der Besucher von der jeweiligen Außentemperatur ab, erklärt Sprecher Toni Klein. Generell dürfe sich das Wasser nicht über 25 Grad erwärmen. Die Regio Bäder GmbH geht davon aus, dass pro Jahr 50.000 Menschen das West-Freibad besuchen würden. Zum Vergleich: 2015 kamen rund eine halbe Million Besucher in die drei Freiburger Freibäder, ins Westbad-Hallenbad gingen 192 000 Schwimmer.

Das Rathaus wollte sich auf Anfrage der BZ am Montag nicht zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie äußern. Am Mittwoch soll zunächst der Sportausschuss des Gemeinderats tagen. Ob ein neues Freibad am Westbad tatsächlich eine Chance hätte, wird jedoch erst bei den kommenden Haushaltsberatungen des Gemeinderates entschieden.

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