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23. März 2010 21:36 Uhr
Schummel-Butter
Machtwechsel bei Breisgaumilch – Aufsichtsratschef abgesetzt
Umsturz bei der Freiburger Molkerei Breisgaumilch: Der Bund Deutscher Milchviehhalter hat die Mehrheit im Aufsichtsrat übernommen. Dessen Chef Gottfried Hermann war zuvor infolge des Butter-Skandals abberufen worden.
FREIBURG. In einer straff organisierten Aktion sind die Mehrheitsverhältnisse im Aufsichtsrat der Molkerei Breisgaumilch umgekehrt worden. Nun hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) das Sagen. Er kämpft mit harten Bandagen für höhere Milchpreise. So hatte er zwei öffentlichkeitswirksame Lieferboykotts angestoßen. Anlass für den Umsturz ist nun der Etikettenschwindel mit Schwarzwälder Butter, die im Allgäu hergestellt wurde.
Das Fax erreicht Gottfried Hermann kurz nach 13 Uhr. Der Inhalt überrascht den Lenzkircher Milchbauern nicht. Er weiß seit einigen Tagen, dass er als Erster Vorstand der Milcherzeugervereinigung (MEV) Breisgau-Südschwarzwald abgesetzt werden soll. Diese Genossenschaft organisiert rund drei Viertel der 1600 Milchbauern, die die Breisgaumilch beliefern und denen die Molkerei gleichzeitig gehört.
Mit dem Fax hat Hermann seine Absetzung schwarz auf weiß. Es kommt vom zwölfköpfigen Aufsichtsrat der Genossenschaft, der seit 10 Uhr im Gasthaus Lafette in Hinterzarten tagt. Im Aufsichtsrat hat der BDM eine Mehrheit, im Vorstand der Genossenschaft nicht. Erst im Dezember sind bei der Generalversammlung der Milcherzeuger drei unabhängige Landwirte neu in den sechsköpfigen Vorstand gewählt worden.
Werbung
Hermann wird die Schuld daran gegeben, dass die irreführende Werbung mit der Schwarzwälder Butter, die tatsächlich von einer Molkerei im Allgäu hergestellt wurde, "trotz wiederholter mehrjähriger Warnung" weitergeführt worden sei. Die Empörung in der Öffentlichkeit um den Etikettenschwindel mit der Schwarzwälder Butter, die gar nicht aus dem Schwarzwald kam, bietet nun die Gelegenheit, die Mehrheitsverhältnisse umzukehren. "Es geht um den direkten Zugriff auf unsere Molkerei", sagt ein Landwirt, der mit der Situation vertraut ist.
Der Aufsichtsrat der MEV bleibt nicht dabei stehen, Hermann als MEV-Vorstand abzuberufen. Noch am selben Tag wird er auch seines zweiten Postens enthoben – als Aufsichtsratschef der Breisgaumilch. Mit ihm müssen zwei weitere Landwirte gehen. Drei neue Aufsichtsräte werden benannt, alle vom BDM.
Dann fährt man nach Freiburg. In der Breisgaumilch-Zentrale konstituiert sich der Aufsichtsrat in neuer Zusammensetzung. Vorsitzender wird Anton Walter aus Oppenau. Er ist zugleich Vorsitzender der Milcherzeugergenossenschaft Ortenau. Dort sind die Ortenauer Milchlieferanten der Breisgaumilch organisiert. BDM-Mann Walter war bisher stellvertretender Aufsichtsratschef der Molkerei. Er kämpft dafür, dass bei der Breisgaumilch die Marke "faire Milch" abgefüllt wird. Davon verspricht er sich höhere Auszahlungspreise für die Milchbauern.
Dass schon bei der für Donnerstag angesetzten Aufsichtsratssitzung ein entsprechender Beschluss gefasst wird, glaubt Walter nicht. "So schnell wird es wohl nicht gehen", sagte er der Badischen Zeitung. Aber auf der Tagesordnung steht das Thema. Eine Abstimmung zum Thema "faire Milch" am 5. Februar war mit 5:5 Stimmen noch unentschieden ausgegangen. Das Patt ist nun beseitigt.
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Autor: Jörg Buteweg
