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21. März 2017

Leute in der Stadt

Manfred Sturm: Der Steuermann des EHC Freiburg

LEUTE IN DER STADT: Manfred Sturm chauffiert seit 30 Jahren die Eishockeyspieler des EHC.

  1. Busfahrer Manfred Sturm Foto: Michael Bamberger

Bevor die EHC-Spieler am Dienstagabend zum vierten und vielleicht schon entscheidenden Spiel im Playoff-Viertelfinale gegen die Löwen Frankfurt aufs Eis laufen, werden sie wie üblich nach ihrem Trainer Leos Sulak auch Manfred Sturm abklatschen. "Das ist immer das gleiche Ritual", erzählt der 69-Jährige, der beim EHC seit vielen Jahren mehr als der Busfahrer ist und von allen Manni genannt wird. Bei Auswärtsspielen nimmt er auch schon mal als Betreuer auf der Bank Platz. Vor dem Spiel gegen die Löwen ist er fast so angespannt wie die Spieler, aber auch genauso optimistisch wie der Trainer, dass er sich mit ihnen am Freitag wieder auf den Weg nach Hessen macht.

"Auch wenn die Löwen eine Millionentruppe sind, bin ich überzeugt, dass unsere Jungs eine Chance haben", sagt Sturm. Er fügt aber einschränkend hinzu, dass dazu auch die Schiedsrichterleistung stimmen müsse. Bei der 2:4-Niederlage am Sonntag in Frankfurt seien die Wölfe benachteiligt worden. Das könne er beurteilen, obwohl er "nicht allzu viel" vom Eishockey verstehe. Der Job als EHC-Fahrer habe ihm den Sport näher gebracht und inzwischen hängt sein Herz daran.

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Sturm ist früher Autorennen gefahren und wird deshalb von einigen Fans auch "der fliegende Manni" genannt. Auf den Straßen hält er sich aber an Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrsregeln. "Ich habe seit über 20 Jahren null Punkte in Flensburg", erzählt er stolz. Und auch wenn er im April bereits 70 wird, denkt er noch lange nicht ans Aufhören. Die Gesundheitsprüfung hat er gerade wieder bestanden und seinen Busführerschein um fünf Jahre verlängert. "Ich bin so viel mit jungen Leuten unterwegs, deswegen fühle ich mich noch gar nicht so alt."

Einige Spieler des aktuellen DEL2-Kaders hat Sturm schon gefahren, als sie noch bei den Minis gespielt haben, denn er bringt seit 30 Jahren nicht nur die erste Mannschaft, sondern auch den Nachwuchs zu Auswärtsspielen und Turnieren. "Ich hatte und habe sicherlich auch Lieblingsspieler, aber das würde ich nie sagen, das wäre unfair den anderen gegenüber." Eine freundschaftliche Beziehung verbindet ihn etwa mit Ex-Spieler Ravil Khaidarov und dessen Familie. Und es gebe kein Stadion, wo er nicht mit einem "Hallo Manni" begrüßt werde, schließlich spielen in vielen Vereinen ehemalige Freiburger.

Die Eishallen in Deutschland und den Weg dorthin kennt Sturm mittlerweile so gut, dass er dafür kein Navi mehr braucht. "Das habe ich nur an wegen der Warnungen vor Staus und Radarfallen." Jedes Wochenende verbringt er viele Stunden auf der Autobahn. Besonders weit war der Weg nach Weißwasser. Für die 1800 Kilometer Hin- und Rückweg müssen allerdings zwei weitere Fahrer mitkommen. "Diesmal hatten wir auch noch Schnee und Eis, wie häufiger in diesem Winter", erzählt Sturm, "auch von uns wird viel verlangt." Den anstrengenderen Rhythmus hätten allerdings eindeutig die Spieler, die zur Zeit sogar drei Mal in der Woche ran müssen. "Ich staune und bewundere sie für ihre Kraft."

Allerdings stellt der langjährige Busfahrer auch eine Professionalisierung fest. Während es früher üblich war, dass heimlich geraucht wurde ("Manni, sag Bescheid, wenn der Trainer kommt!"), und auf den Heimfahrten das eine oder andere Bier getrunken wurde, gebe es das inzwischen gar nicht mehr. Erst nach der Saison werde auch mal gefeiert. In positiver Erinnerung ist Sturm die Party nach dem Aufstieg in die DEL2 vor zwei Jahren – "das war ein Highlight". Jetzt hofft er, dass die Saison für die Wölfe am Dienstagabend noch nicht beendet ist und er mit Bus und Mannschaft am Freitag wieder nach Frankfurt fährt. Dabei gehe es ihm nicht um die Aufträge, "sondern darum, dass die Gemeinschaft erhalten bleibt".

Autor: Daniela Frahm