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20. September 2009 18:23 Uhr

Show in der Wodanhalle

Medienrevue Avanti Dilettanti: Ein einziges Gutleutviertel

Die Revue "Avanti Dilettanti" ist eine Art Klassentreffen der Freiburger Medienleute – mit viel Besuch aus der Politik, schließlich ist Wahlkampf.

  1. Die BZ-Band Foto: Thomas Kunz

  2. „Diese wunderbare Band“ Foto: Thomas Kunz

  3. BZ-Redakteur Ralf Burgmaier und seine Frau Katja Foto: Thomas Kunz

Seit sechs Jahren wagen sich Freunde des Sozialfonds der Presse auf die Bühne, um dort Dinge zu tun, die sie manchmal mehr, häufig weniger gut können – zur Freude des Publikums und zur Unterstützung des Fonds, der in Not geratenen Journalistinnen und Journalisten hilft.

Das sei in schwierigen Zeiten eben besonders nötig, erklärte Fonds-Vorsitzender Bernd Serger (Badische Zeitung). Zuvor hatte der freie Journalist Ralf Deckert mit seinen "Barrel of Blues" die proppenvolle Wodanhalle auf den langen Abend eingeschwungen. Eine Premiere, auf die ein Comeback folgte: BZ-Redakteur Ralf Burgmaier war schon vor sechs Jahren dabei – und bewies nun mit seiner Frau Katja erneut, wie aktuell deutsche Chansons aus den 20er Jahren sein können: "Nehm Se 'n Alten", empfahl er angesichts der demografischen Entwicklung mit Ernst Reuter den Damen im Publikum.

Den – zu Recht – längsten Auftritt des Abends bestritt "Diese wunderbare Band", die Avanti-Dilettanti-Klassiker, die inzwischen weit über die Wodanhalle hinaus ihre Sittenbilder des Freiburger Alltags zwischen Vauban und Wohnmobil, Mülltrennung und Midlife-Crisis malen. Ihr Star-Status sei inzwischen so weit gediehen, erzählte Sänger Dennis Schälicke, dass Frauen aus dem Publikum ihm zuriefen: "Ich will ein Enkelkind von Dir!" Neben Klassikern wie ihrer Hymne an den Freiburger Osten ("Nirgends find’ ich’s geiler / als in Littenweiler") präsentierte die wunderbare Band in diesem Jahr auch neue Songs: Ein Klagelied über die Verödung der Freiburger Innenstadt, einen an "Sympathy for the Devil" erinnernden Abgesang auf Gundelfingen. Und weil ganz Freiburg ja "ein einziges Gutleutviertel" ist, gab es als Höhepunkt das Nachtgebet der Freiburger: "Danke, dass ich nicht so bin wie Hans Peter Friedl".

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Fotogalerie: Die Medienrevue in der Wodanhalle

Ein Klassiker anderer Art ist Staatsminister und SPD-Bundestagskandidat Gernot Erler, der schon im vorigen Jahr mit Bärenfellmütze, Bassstimme und Balalaika das Publikum verzaubert hatte. Das gelang ihm auch dieses Mal – trotz Konkurrenz: CDU-Kandidat Daniel Sander trug geheime Notizen aus seinem Wahlkampf-Tagebuch vor und kokettierte erfolgreich mit seiner Rolle als Außenseiter: "Der Spiegel ruft an. Mein Adrenalinspiegel steigt. Sie wollen mir ein Abo verkaufen. Schade." Und Grünen-Kandidaten Kerstin Andreae bewies sich als souveräne Moderatorin einer Quiz-Show mit Oberbürgermeister Dieter Salomon und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach, die sich am Ende den Preis teilen durften: eine "Eule der Toleranz".

Vollends in der Stadtpolitik landete schließlich die BZ-Band, die sich seit jeher dem Titel der Veranstaltung besonders verbunden zeigt. Mutig besangen sie die "Zaubersäule" auf dem Augustinerplatz, den kommenden OB-Wahlkampf und den abgesagten Papst-Besuch ("Wish, you were here"): "Ihm gab es wohl zu vieler Wickeltische in den Herrenklos der Wiehre-Kneipen."

Autor: Thomas Goebel