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20. August 2009

"Mehrere erreichen mehr"

BZ-Interview: Bernarda Deufel rät Patienten mit fehlerhaftem Hüftgelenk zur Selbsthilfegruppe

  1. Bernarda Deufel Foto: thomas kunz

Mindestens 29 Patienten wurde im Loretto-Krankenhaus ein fehlerhaftes künstliches Hüftgelenk eingebaut, weitere 849 könnten betroffen sein. Wie geht es für sie weiter? Die Gründung einer Selbsthilfegruppe könnte in so einem Fall hilfreich sein, sagt Bernarda Deufel vom Selbsthilfebüro der Paritätischen Dienste. Wie so etwas funktioniert, darüber sprach Frank Zimmermann mit der Sozialarbeiterin.

BZ: Frau Deufel, ist es in diesem Fall sinnvoll, eine Selbsthilfegruppe zu gründen?
Bernarda Deufel: Ja, ich würde es in diesem Fall empfehlen – denn diese Menschen haben ein gemeinsames Thema, sie alle haben ein fehlerhaftes Hüftgelenk eingesetzt bekommen. Das ist ja erst einmal ein Schock und eine große Verunsicherung: Sie dachten, nach einer OP gesund aus dem Krankenhaus zu kommen, und dann erfahren sie, soweit sie noch keine Beschwerden haben, dass da etwas schief gelaufen ist und sie noch einmal operiert werden müssen. Wohin sollen sie sich wenden? Natürlich an den Operateur, Hausarzt oder Orthopäden. Darüber hinaus ist es natürlich hilfreich, andere zu treffen, denen das Gleiche passiert ist. In einer Selbsthilfegruppe könnten sich diese Menschen gegenseitig stärken.

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BZ: Was kann so eine Gruppe leisten?
Deufel: Es könnte um Schadensersatz- und Schmerzensgeldfragen gehen. Wer hat eine Adresse von einem Rechtsanwalt, der sich auf diesem Gebiet auskennt? Und wie geht man mit dem Problem um, wenn man noch keine Beschwerden hat? Es kann ja sein, dass einige im Moment ganz gut mit der Situation leben. Es wird ganz viele Fragen geben, bei denen man sich gegenseitig mit Informationen und Kontakten zu Experten helfen kann. Mehrere können oft viel mehr erreichen als einer alleine.
BZ: Welche Rolle kommt Ihnen dabei zu?
Deufel: Die Gruppe soll prinzipiell selbständig und unabhängig von mir sein. Ich begleite vor allem den Start. Ich selbst kann den Menschen zu Hüftgelenk-OPs oder den Folgen nichts sagen. Aber ich helfe natürlich weiter, wenn es nicht weiter geht in der Gruppe, sie einen Rat braucht oder es sonst Probleme unter den Mitgliedern gibt. Wichtig ist es, in der Gruppe gut miteinander umzugehen, jeden einzelnen so zu akzeptieren, wie er ist mit seinen ganzen Eigenheiten. Niemand sollte in eine Richtung gedrängt werden. Wenn jemand aus der Gruppe nicht prozessieren will, dann darf von den anderen kein Druck aufgebaut oder dieser in eine Richtung gedrängt werden. Es muss Lösungen geben, mit denen alle gut leben können. Ich empfehle, Arbeit und Verantwortung in der Gruppe von Anfang an auf mehrere Schultern zu verteilen.
BZ: Wie könnte der Start aussehen?
Deufel: Es gibt in Freiburg mehr als 150 Selbsthilfegruppen, aber darunter noch keine vergleichbare Gruppe. Die Betroffenen sollten erst einmal bei mir anrufen, ich sammle dann ihre Adressen. Wenn sich einige melden, würde ich die zu einem ersten Treffen einladen und miteinander in Kontakt bringen. Wir können Räume zur Verfügung stellen, und ich habe eine Kartei mit Räumen, die es für Vereine und Selbsthilfegruppen gibt.
Selbsthilfebüro Freiburg im ZO, Schwarzwaldstraße 78d. Tel. 0761/2 16 87 35; Dienstag bis Donnerstag, 10 bis 12 Uhr, Donnerstag auch 15 bis 18 Uhr

Autor: fz