Freiburger Stadtbau

Mieten steigen bei 1800 Wohnungen in Freiburg

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 20. April 2017 um 18:32 Uhr

Freiburg

Ab Juni müssen Mieter der Freiburger Stadtbau in Weingarten, Brühl-Beurbarung und im Stühlinger durchschnittlich 10 Prozent mehr bezahlen. Auch in einzelnen Wohnungen im Rest der Stadt soll es Mieterhöhungen geben.

In Weingarten gab’s bereits unangenehme Post: Dort hat die städtische Wohnungsgesellschaft Stadtbau den ersten Mietern mitgeteilt, dass sie sich auf Mieterhöhungen gefasst machen müssen. Auch in den Stadtteilen Stühlinger, Brühl-Beurbarung sowie in einzelnen Wohnungen im ganzen Stadtgebiet sollen die Mieten steigen. Insgesamt handelt es sich um 1800 Wohnungen. Der Mieterbeirat der Stadtbau hat die "größte Mieterhöhungswelle bei der Stadtbau seit vier Jahren" scharf kritisiert.

670 statt 620 Euro Miete

Am Mittwochabend hatte die Mietervertretung der Stadtbau in Weingarten zu einem Infoabend geladen. Thema: Mieterhöhungen ab dem 1. Juni. "Fast 100 Mieterinnen und Mieter waren da, Ängste und Sorgen sind groß", sagt Mieterbeiratsvorsitzender Ralf Müller. Mile Stankovic etwa muss für seine 75-Quadratmeter-Wohnung an der Krozinger Straße künftig 670 statt 620 Euro zahlen – "für einen Rentner ist das eine Wahnsinnserhöhung", sagt er.

Bei insgesamt 1800 Wohnungen in Weingarten, Brühl-Beurbarung, Stühlinger und beim sogenannten Streubesitz – verstreut liegenden Wohnungen etwa in Kappel oder der Altstadt – wird das städtische Wohnungsunternehmen ab Juni die Miete um durchschnittlich 60 Cent pro Quadratmeter erhöhen; das seien im Durchschnitt 10 Prozent, so die Stadtbau. "Der Stadtbau ist bewusst, dass Mieterhöhungen eine zusätzliche Belastung für jeden Haushalt darstellen. Dennoch sind entsprechende Überprüfungen sowie Anpassungen der Mieten für das Unternehmen unumgänglich", lässt die Stadtbau mitteilen.

Das Unternehmen argumentiert, es brauche die Mieterhöhungen – Mieterbeiratsvorsitzender Müller spricht von insgesamt fünf Millionen Euro –, um Geld für die Sanierung alter und den Bau neuer Wohnungen zu haben. Und: Die Durchschnittsmiete aller Stadtbau-Wohnungen habe im vergangenen Jahr mit 6,24 Euro immer noch etwa 20 Prozent unter der Mietspiegelmiete von 7,75 Euro gelegen. Stadtbau-Sprecher René Derjung sagte, ob in diesem Jahr weitere Wohnungen eine Erhöhung zu erwarten hätten, sei derzeit noch nicht klar.

"Diese Mieterhöhungswelle trifft junge Familien und ältere Menschen, die sich ohnehin das Wohnen in Freiburg kaum mehr leisten können." Mieterbeirat
Dem Mieterbeirat gefällt es überhaupt nicht, dass die Stadtbau einem Beschluss des Gemeinderats folgend die Mieten an den Mietspiegel angleicht, sprich: erhöht. "Diese Mieterhöhungswelle trifft junge Familien und ältere Menschen, die sich ohnehin das Wohnen in Freiburg kaum mehr leisten können", heißt es. Das Wohnungsunternehmen, findet Müller, solle sich auf seinen sozialen Auftrag konzentrieren und keine kommunalen Bauprojekte übernehmen: "Die sind eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollten nicht von den Mietern finanziert werden." Auch der DGB-Stadtverband hält die Mieterhöhungen für "völlig überzogen": "Die Anhebungen stehen in keinem Verhältnis zur Einkommensentwicklung und sind sozial ungerecht."

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