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06. November 2009

Mildes Urteil für Merzhauser Schul-Brandstifter

Weil er sein Leben in den Griff bekommen hat, wird der 17-jährige Angeklagte zwar schuldig gesprochen, erhält jedoch keine Strafe.

Das Amtsgericht Freiburg hat den 17 Jahre alten Brandstifter schuldig gesprochen, der im Februar das Feuer in der Hexentalschule in Merzhausen gelegt hat. Gegen den jungen Mann wurde aber keine Strafe verhängt – auch nicht gegen einen 16-Jährigen, der in jener Nacht mit in die Schule eingebrochen war. Das Jugendschöffengericht kam zu dem milden Urteil, weil die beiden jungen Freiburger seit der Tatnacht ihr Leben in den Griff bekommen haben.

Das Verfahren hat am Freiburger Amtsgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Vor Gericht mussten sich zwei junge Männer verantworten, die zum Zeitpunkt der Tat 16 und 17 Jahre alt waren. Der Prozess endete nun für beide mit einem so genannten Schuldspruch. Der geständige 17-Jährige wurde wegen fahrlässiger Brandstiftung, Sachbeschädigung und versuchtem Diebstahl schuldig gesprochen; der 16-Jährige wegen Sachbeschädigung und versuchtem Diebstahl. Er hatte in jener Nacht das Schulgebäude bereits verlassen, als sein Begleiter das Feuer legte.

Ein Schuldspruch ist eine Möglichkeit, die das Jugendstrafrecht bietet. Er hat keine Freiheitsstrafe mit Bewährung unmittelbar zur Folge. Sie kann aber nachträglich verhängt werden, wenn die Jugendlichen erneut straffällig würden oder sich nicht an die Auflagen des Gerichts halten. Falls die Jungen ihre Ausbildung abbrechen sollten, müsste der ältere Täter 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, der jüngere 60 Stunden.

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Der Staatsanwalt hatte für die Täter Jugendstrafen von einem Jahr und von einem halben Jahr, jeweils mit Bewährung, gefordert. Das Jugendschöffengericht entschied sich dann aber für die mildere Variante eines Schuldspruchs – auch weil das laufende Strafverfahren auf die jungen Männer einen "erheblichen Eindruck" gemacht habe, berichtet Richter Rukopf, Pressesprecher des Amtsgerichtes. Beide Jungen haben nach der Tat ihre Hauptschulabschlüsse nachgeholt. Der 16-Jährige begab sich freiwillig in eine stationäre Einrichtung der Jugendhilfe. Er wird demnächst auch eine Lehre beginnen. Der 17 Jahre alte Brandstifter bekam einen Betreuer zur Seite gestellt und absolvierte ebenfalls eine sogenannte "intensivpädagogische Maßnahme". Seine Handwerkerlehre läuft bereits.

Beim "Komasaufen" war der Alkohol ausgegangen

In der Verhandlung wurde das Geschehen der Nacht vom 27. auf den 28. Februar aufgearbeitet. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte auf dem weitläufigen Schulgelände gefeiert und offenbar Unmengen Alkohol konsumiert. Bei einem mitfeiernden 15-jährigen Mädchen stellte die Polizei später einen Alkoholpegel von zwei Promille fest. Die Jungen leerten beim an Wochenenden üblichen "Komasaufen" meist zu zweit eine Flasche Wodka.

Gegen 23 Uhr war den jungen Leuten an der Merzhauser Schule der Alkohol ausgegangen. Deswegen stiegen die beiden Jungen durch eine eingeschlagene Fensterscheibe ins Hausmeisterbüro ein. Dort hatten sie von außen einen Kühlschrank erspäht. Sie fanden jedoch keinen Alkohol. Der 17-Jährige entdeckte eine Dose mit Anti-Graffiti-Spray. Er hielt das Feuerzeug in den Sprühstrahl: "Ich spiele jetzt Flammenwerfer", sagte er und zielte auf einen Papierstapel. Der geriet in Brand. Der Brandstifter versuchte nach eigener Darstellung noch, mit der Hand zu löschen, allerdings vergeblich.

Das Feuer breitete sich schnell aus. Augenblicke später rief der jüngere Täter per Handy die Feuerwehr an. Die konnte nur durch einen Großeinsatz verhindern, dass das Feuer auf das gesamte Gebäude übersprang. Bei dem Brand entstand ein Schaden von 1,5 Millionen Euro. Sechs Monate lang musste ein Teil der Schüler der Hexentalschule in anderen Gebäuden untergebracht werden.

Autor: Peter Sliwka und Joachim Röderer