Sommertour

Minister Manfred Lucha besucht Freiburger Prostituiertenberatungsstelle "Pink"

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mi, 08. August 2018

Freiburg

Wie wirken sich das ein Jahr alte Prostituiertenschutzgesetz des Bundes und die Ausführungsbestimmungen des Landes aus? Unter anderem darüber hat sich „Manne“ (Manfred) Lucha, der grüne Landesminister für Soziales und Integration, gestern in Freiburg informiert.

Bei seiner Sommertour durchs Land war er bei "Pink", der Beratungsstelle für Prostituierte vom Diakonischen Werk.

Manne Lucha hat selbst mal Sozialarbeit studiert und ein gemeindepsychiatrisches Zentrum in Friedrichshafen geleitet – darum sind ihm die "bescheidenen kleinen Sozialarbeit-Büros" des Diakonischen Werks an der Schwarzwaldstraße vertraut. Und umso mehr leuchtet ihm ein, wie wichtig die enge Verzahnung von drei Anlaufstellen für Frauen in Not dort ist: Denn die Arbeit von "Pink" ist eingebettet in zwei andere Bereiche, die sich oft alle miteinander überschneiden.

Die Sozialarbeiterin Ann-Sophie Schilling informiert über "Freiraum" und die Angebote für wohnungslose Frauen, ihre Kollegin Julika Clausen stellt "Freija" und die Unterstützung von Frauen vor, die Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung wurden oder die als Geflüchtete im Asylverfahren sind. Auch bei den beiden "Freija"-Gruppen gibt es wieder Überkreuzungen, sagt Julika Clausen – zum Beispiel, wenn geflüchtete Frauen in Länder abgeschoben werden sollen, in denen sie davon bedroht sind, zu Opfern von Menschenhandel zu werden. Und dann ist da "Pink", die Beratungsstelle für Prostituierte, die 2017 insgesamt 45 Frauen und drei Transmenschen intensiv begleitet, 450 Menschen beraten und 350 durch Streetwork aufgesucht hat. Dafür, bilanziert die Sozialarbeiterin Simone Heneka, gibt’s in Freiburg seit 2017 eineinhalb Stellen und eine Honorarkraft und in Lahr eine halbe Stelle.

In Freiburg würden mittlerweile vor allem aus Rumänien stammende Frauen, die als Prostituierte arbeiten, unterstützt, früher seien es mehr Bulgarinnen gewesen – und immer auch viele Deutsche. Das Prostitutionsschutzgesetz habe zu "riesigen Verunsicherungen" geführt, weil alle besorgt seien, was bei der nun verlangten Registrierung mit ihren Daten geschehe. Wegen dieser Ängste lasse sich nur eine Minderheit, meist in Bordellen, auf das Gesetz ein, selbständige Prostituierte würden dagegen lieber ein Ordnungsgeld riskieren. Die Ämter in Freiburg hätten die Umsetzung zügig begonnen, das sei wichtig. Und ganz dringend nötig wäre, dass die Finanzierung von Dolmetscherkosten besser gesichert werde. Auch sonst gibt’s Wünsche an den Minister: Die bisherigen Projekte sollten finanziell dauerhaft gesichert und regelmäßig an aktuelle Bedarfe angepasst werden – Manne Lucha verspricht, bei der "Freija"-Finanzierung, die seit 2012 gedeckelt blieb, nochmal genauer hinzuschauen. Außerdem plädieren Simone Heneka und ihre Kolleginnen für einen Runden Tisch Prostitution und eine Überarbeitung des Leitfadens Menschenhandel.