Mit neuem Zugpferd zu alter Stärke

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 17. Juni 2015

Freiburg

Die FDP startet mit einem Überraschungscoup in den Landtagswahlkampf und nominiert Eicke Weber.

Mit einem Knaller ist die FDP in den Wahlkampf für die Landtagswahl 2016 gestartet: Eicke Weber, der Leiter des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), wird Kandidat für den Wahlkreis Freiburg-West. Der 65-Jährige ist parteilos und hatte erst vor drei Wochen seinen vorzeitigen Rückzug aus dem ISE im nächsten Jahr angekündigt. Mit dem neuen Zugpferd hofft die FDP, wieder zu alter Stärke zurückzufinden. Eicke Webers Ziel für die Landtagswahl: 10 Prozent plus X.

Der ISE-Chef wurde auch als Ersatzkandidat für den Wahlkreis Freiburg-Ost nominiert, dort tritt Jens-Arne Buttkereit (46) an, der Geschäftsführer des Internats Birklehof in Hinterzarten (siehe Seite 26). Ersatzkandidat für Freiburg-West ist Adrian Hurrle (28).

Freiburgs FDP-Vorsitzender Sascha Fiek zeigte sich erfreut, mit Eicke Weber "einen so renommierten Kandidaten gewonnen zu haben". Daran habe er selbst zunächst nicht geglaubt, erzählte Fiek bei der Wahlkreiskonferenz im Gasthaus "Schiff" im Stadtteil Waldsee, bei der nur knapp zwei Dutzend Mitglieder der FDP-Kreisverbände Freiburg und Breisgau-Hochschwarzwald anwesend waren. 13 waren für Freiburg-Ost wahlberechtigt, 8 für Freiburg-West. Die Wahlen verliefen jeweils einstimmig, nur Adrian Hurrle bekam eine Gegenstimme. Gegenkandidaten gab es keine. Eicke Weber habe schon als Gastredner bei Parteitagen der FDP gesprochen, sagte Fiek, beim Landesparteitag im Januar habe er ihn gefragt, ob er nicht Kandidat werden wolle. Weber sei prädestiniert, das "blaue Wachstum", mit dem die FDP Ökonomie und Ökologie verbinden will, zu repräsentieren, so Fiek: "Wir steuern auf etwas Neues, etwas Spannendes zu."

"Mir ist die Entscheidung leicht gefallen", sagte Eicke Weber nach seiner Wahl gegenüber der BZ. Auch wenn er kein FDP-Mitglied sei und dies vorerst auch nicht werden wolle, könne er sich mit der Linie der Partei voll und ganz identifizieren: "Ich könnte mir keine andere Partei vorstellen, für die ich antreten würde." Weber möchte die FDP im Wahlkreis Freiburg-West aus ihrem Tief herausholen. Bei der Landtagswahl 2011 holten die Liberalen gerade einmal 3,3 Prozent – das zweitschlechteste Ergebnis der FDP in Baden-Württemberg. Allerdings ist es auch in früheren Jahren keinem Freiburger FDP-Kandidat gelungen, in den Landtag einzuziehen. Der letzte war Klaus Rösch von 1976 bis 1980.

Eicke Weber wird wahrscheinlich 2016 als Leiter des Fraunhofer ISE aufhören, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft möchte die Nachfolge an der Spitze des Instituts mit rund 1300 Mitarbeitern frühzeitig in die Wege leiten. Dabei hatte Eicke Weber noch im Oktober 2014, als er 65 Jahre alt wurde, seinen Vertrag um drei Jahre verlängert und damals zu verstehen gegeben, wie sehr ihm die Arbeit Freude mache.

Alternativ will sich der ISE-Chef nun mit Feuereifer in den Wahlkampf stürzen. "Wir brauchen in Deutschland die liberale Kraft", sagte er, als er sich den Mitgliedern der Versammlung vorstellte. Die FDP sei die einzige Partei, der er "die Einsicht zutraue, Ökologie und Ökonomie zusammen zu denken." Bislang würden die ökonomischen Chancen der Energiewende in der Politik nicht gesehen. Weber will sich aber auch für Verkehrsinfrastruktur, einfachere Steuersätze, Antidiskriminierung und "Bildung für alle" einsetzen. Stipendien sollen Kinder aus ärmeren Familien unterstützen. So kennt es Weber aus den USA, wo er lange gelebt hat.