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08. Februar 2014

Mit "Snowstorm" zu Olympia

Die Lehre von Reibung und Verschleiß: Tribologe Matthias Scherge forscht in Freiburg für Sotschi.

  1. Matthias Scherge Foto: privat

Die Winterolympiade im russischen Sotschi hat begonnen, und wenn deutsche Skisportler erfolgreich sein sollten, ist das auch das Verdienst eines Projekts namens "Snowstorm". Dahinter steckt Matthias Scherge vom Freiburger Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik. Scherge ist Professor für Tribologie – der Lehre von Reibung und Verschleiß. Geforscht wird da von Hüftgelenkersatz bis Zahnpasta. Und auch das Gleiten auf Schnee, das kann man wissenschaftlich optimieren.

"Verrückt, ne?", fragt Matthias Scherge. Seit bekannt wurde, dass er das para-lympische Team sowie die nichtbehinderten Skisportler für Olympia wissenschaftlich begleitet, steht das Telefon nicht mehr still. Dem Deutschen Skiverband (DSV) liefert er zusammen mit Karlsruher Meteorologen optimale Wetterdaten. Und für die Athleten der paralympischen Winterspiele, die vom 7. bis 16. März in Sotschi stattfinden, hat er die optimalen Gleiteigenschaften der Ski ermittelt.

Das Ganze begann vor zwei Jahren, als sich Scherge mit Ralf Rombach, Bundestrainer des Deutschen Behindertensportverbands, am Olympiastützpunkt Freiburg traf. Sie wollten – angewandte Forschung – einen optimierten Sitzschlitten konstruieren, doch trotz aller Bemühungen: Eine öffentliche Förderung für dieses Projekt gab’s nicht. "Dann holen wir das Geld halt selbst rein", meinte Scherge. Sie überzeugten Hersteller von Skiwachsen, Entwickler von Skischleifmaschinen und andere artverwandte Firmen, mitzumachen. Daraus entwickelte sich das Projekt "Snowstorm", sprich: die Optimierung der Gleiteigenschaften von Skiern für die Paralympics.

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Vor einem Jahr war der Tribologie-Prof deshalb in Sotschi. Dort hat er Daten vor Ort gesammelt: von Schneekornform über Schneetemperatur bis zu Schneefeuchte. Ein Schneekorn kann dünner als ein Haar sein, drum herum ist eine noch viel dünnere Wasserschicht. Wie nun ein gewachster Ski auf Schneekörnern gleitet, das kann das Fraunhofer-Institut berechnen.

"Reibung ist extrem komplex", sagt Scherge, "Ski, Schneewachs, Schliff, alles spielt eine Rolle." Und das Wetter natürlich, fürs Wachsen der Ski – wobei Scherge den Eindruck hatte, dass der Wetterbericht am schwarzen Brett in Sotschi nicht gerade zuverlässig war. Wieder daheim, sprach er die Kollegen am Karlsruher Institut für Technologie an. Da gebe es ein tolles paralympisches Projekt, ob sie mit Wetterdaten dabei sein wollten? Klar, sagten die, und: Wie gut, dass wir seit Jahren die Schwarzmeerregion erforschen. So kam alles zusammen. Der Deutsche Skiverband wurde auf "Snowstorm" aufmerksam und sicherte sich den Karlsruher Wetterdienst. Jetzt sorgen die Techniker des Skiverbands mit den Wetterdaten fürs richtige Wachs und die paralympischen Athleten bereiten sich optimal eingestellt auf ihre Spiele vor. Und Matthias Scherge sitzt vor dem Fernseher und freut sich.

Autor: Simone Lutz