OB-Wahl in Freiburg

Monika Stein im BZ-Kandidatentalk: "Ich kann auch sehr unangenehme Entscheidungen treffen"

Florian Kech

Von Florian Kech

Sa, 14. April 2018 um 10:32 Uhr

Freiburg

Sie will erste Oberbürgermeisterin von Freiburg werden: Beim BZ-Kandidatentalk stellt sich Monika Stein eine Stunde lang den Fragen von Holger Knöferl, Leiter der Heimatredaktion, und Uwe Mauch, Leiter der Stadtredaktion Freiburg. Die Aufzeichnung des Livestreams.



Nein, der Wahlkampf sei nicht langweilig, konterte Monika Stein die Einstiegsfrage von BZ-Heimatchef Holger Knöferl. Die Kandidatin eines linken Bündnisses und einzige Frau, die ums Freiburger OB-Amt kämpft, präsentierte sich beim BZ-Talk in der Wodanhalle von Beginn streitlustig. Sie verwies auf etliche Kontroversen mit dem Amtsinhaber, die den Wahlkampf prägen. An erster Stelle: die Wohnungspolitik.

Wohnen ist Steins Thema Nummer 1

Das war auch das erste Thema beim BZ-Talk. "Was wäre aus Ihrer Sicht ein fairer Preis für eine 100-Quadratmeter-Wohnung in Freiburg?", wollte Moderator Uwe Mauch, Leiter der BZ-Stadtredaktion, von der Kandidatin wissen. "850 bis 900 Euro", antwortete Stein. "Damit liegen Sie über dem aktuellen Mietspiegel", gab Mauch überrascht zu bedenken. Stein versuchte sich nicht herauszuwinden: "Jetzt haben Sie mich auf dem falschen Fuß erwischt." Es sollte ihr einziger Stolperer an diesem Vormittag bleiben.

Im weiteren Talkverlauf führte Stein aus, wie sie die Freiburger Wohnungspolitik reformieren will. "Manchmal hat man den Eindruck, Sie hielten die Stadtbau für eine Heuschrecke", sagte Moderator Knöferl. Diese Metapher wollte sie sich nicht zu eigen machen, stellte aber klar: Die Stadtbau habe den Auftrag, günstigen Wohnraum zu schaffen, in den vergangenen Jahren nicht immer erfüllt.

BZ-Heimatchef Holger Knöferl empfahl Stein ein E-Bike

Stein bekannte sich zum geplanten Stadtteil Dietenbach. Weitere müssten folgen. Als Mauch sie nach konkreten Flächen fragte, wich sie zunächst aus. "Wie halten Sie es mit dem Mooswald?", hakte Mauch nach. "Große Abholzungsaktionen" gelte es zu vermeiden, antwortete Stein, "aber wir müssen weitere städtische Flächen finden."

Einen kostenlosen ÖPNV hält sie im Unterschied zu Amtsinhaber Dieter Salomon für keine "Schnapsidee". Langfristig würden sich solche Investitionen rechnen, behauptete sie und benutzte eine ihrer Lieblingsformeln: die präventive Sozialpolitik. Auf gut Deutsch: Schenkt man Abgehängten ein Bahnticket, sinkt das Risiko, dass sie auf die schiefe Bahn geraten.

Wer investiert, muss an anderer Stelle sparen, oder sich – so bevorzugt es Stein – um mehr Einnahmen kümmern. Stein schlägt vor, noch fleißiger Strafzettel zu verteilen. Damit verscherzte sie es sich mit Moderator Knöferl: "Als Autofahrer fühle ich mich in Freiburg jetzt schon gegängelt und ausgegrenzt." "Da kann ich Ihnen in Zukunft leider keine Verbesserung versprechen", antwortete Stein. Das Publikum reagiert mit Applaus und Gelächter.
Zur Person

Monika Stein wurde 1970 in Freiburg geboren und ist mit dem Vater einer erwachsenen Tochter verheiratet. Nach ihrer Kindheit in Oberbayern kam sie mit neun Jahren zurück in den Breisgau und wuchs im Dreisamtal auf. Nach dem Abitur begann sie ihr Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule. Seit Februar 1996 arbeitet sie als Grund-, Hauptschul- und Werkrealschullehrerin. Zunächst in Lörrach, seit 2010 in Freiburg und seit zwei Jahren an der Karlschule. 2004 wurde sie erstmals in den Freiburger Gemeinderat gewählt. Sie ist Stadträtin der Grünen Alternative Freiburg und Mitglied der Fraktionsgemeinschaft mit Junges Freiburg und Die Partei.
Kandidatinnenporträt: Monika Stein sieht ihre Chance


Die Veranstaltung

  • Was: BZ-Kandidatentalk mit Monika Stein, Dieter Salomon und Martin Horn
  • Wann: Samstag, 14. April 2018, 10 bis 16 Uhr
  • Wo: Wodanhalle Freiburg, Leo-Wohleb-Straße 4
  • Eintritt: frei

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