Moritaten in Wort und Bild

Hans Sigmund

Von Hans Sigmund

Do, 25. Januar 2018

Freiburg

FASNETLEXIKON (104): Seit fast 80 Jahren gibt es bei den Fasnetrufern die "Schnitzelbank".

FREIBURG. Schon aus der Zeit des Mittelalters sind die Moritatensänger bekannt, die durch das Land zogen und in Wort und Bild über allgemeine und politische Geschehnisse ihre Lieder sangen. Meist bezeichnet man diesen satirisch humorvollen Gesang als "Schnitzel- oder Hobelbank". Ein altes Sprichwort sagt: "Wo gehobelt wird, da fallen Späne", so sind die vorgetragenen Verse auch kurze und prägnante "Schnitzel", mit denen lokale oder globale Ereignisse glossiert werden.

Vor allem bei der Basler Fasnacht werden diese Schmankerl von begabten Bänkelsängern vorgetragen. Wichtig ist dabei, dass die Pointe immer den Endpunkt einer Liedstrophe darstellt und das dazu gezeigte Bild diese noch verstärkt. Oft wird der Vortrag von einem oder mehreren Musikinstrumenten – meist einer Ziehharmonika – begleitet. Diese alte Form des närrischen Aufsagens übernahmen im Jahr 1939 in der noch jungen Breisgauer Narrenzunft (BNZ) die Flecklehäs-Träger der Fasnetrufer in ihre Zunftabende.

Zuerst war es Franz Deufel, der die originellen Bilder malte. Von ihm sind auch die gelungenen Zeichnungen im Narrenbuch der selbsternannten "Erznarren Nummer 1". Seit 1954 stammten die Bilder dann aus dem Pinsel und der Feder von Richard Fahr, der auch viele Jahre der Insignienmeister des Verbandes Oberrheinischer Narrenzünfte (VON) war. Die diesjährige Schnitzelbank wurde von Rolf Berenz vorgetragen, die Zeichnungen stammten von Waldemar Kepleris, die Texte von Markus J. Weber.

Stimmgewaltige Sänger, meist die jeweiligen Zunftvögte der Fasnetrufer – unter anderem Hermann Lupberger, Hansjörg und Markus J. Weber – trugen und tragen die Verse dem Publikum vor, heute sowohl beim Zunftabend wie auch der BNZ-Kappensitzung. Die aktuelle Schnitzelbank befasst sich vor allem mit Donald Trump und der noch immer anhaltenden Suche nach einer tragfähigen Regierung für Deutschland. Wenn in den nächsten Abenden die Fasnetrufer zum "Schnurren" in bestimmten Lokalen vorbeikommen, ist garantiert auch die Schnitzelbank wieder einer der beliebten Programmpunkte. Fast jede Schnitzelbank hat am Schluss einen Refrain, den man gerne als Zuhörer mitsingen kann. Bei den Fasnetrufern schallt es vielstimmig: "Jo do leg’sch di nieder un steh’sch nimmi uff!" ("Ja, da legst du dich nieder und stehst nicht mehr auf").

Alle Folgen des 2003 begonnenen BZ-Fasnetlexikons gibt’s im Internet unter badische-zeitung.de/fasnetlexikon