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22. Januar 2011
Die wahren Münsterplatzhelden
MÜNSTERECK: Eisig kalt und grillwurstwarm
In Freiburg ist man ja gewohnt, sich mit demonstrativer Lässigkeit im mediterranen Klima wohlzufühlen, Kaffee trinken im Freien (notfalls unter Heizpilzen) und angelegentliches Sonnenbrille-ins-Haar-Schieben (bei Inversionswetterlage) inklusive. Das ist im Augenblick, wo die Temperaturen unter die Null-Grad-Grenze sacken, etwas schwierig. Sogar auf dem Münstermarkt, diesem Flaggschiff städtischer Tourismuswerbung, stehen deutlich weniger Stände als sonst im eisigen Wind. Grund genug für uns, den Marktbeschickern, die hier stoisch ausharren, ein Kränzlein zu flechten. Diese Heldinnen und Helden des Alltags stehen ab morgens um sechs in dicken Moonboots und Daunenjacken hinter ihren Ständen und halten den Laden am Laufen – Respekt. Wir verweichlichten Großstädter traben im Schweinsgalopp von Stand zu Stand, die Nasen bläulich angelaufen wie die Kartoffelsorte Violetta, verlangen zitternd unseren Feldsalat oder einen Rettich und retten uns so schnell wie möglich ins Warme. Die wahren Helden bleiben, bis die Stände abgebaut sind. Das ist nicht nur unter werblichen Gesichtspunkten eine große Leistung. Die einzigen, die’s ein wenig mediterraner haben, sind die Wurstbrater – an ihrem Stand ist es selbst bei eisigem Wind grillwurstwarm.
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Autor: Simone Lutz
