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30. Oktober 2010
Kirchliche Strukturdebatten
MÜNSTERECK: Paradox von oben bis unten
Das Ganze ist beispielhaft paradox: Die römisch-katholischen Seelsorgeeinheiten sollen nach dem Willen der Bistumsleitung verringert werden, indem sie vergrößert werden. Als Grund wird der sich mehrende Priestermangel (noch so ein Paradox) angeführt. In einer auf ehelose, geweihte Männer festgelegte Kirche hat das zur Folge: Die ehedem selbständigen Pfarrgemeinden werden aufgelöst, verschwinden in einem großen Gebilde. Was wörtlich zu nehmen ist. Denn sie werden nicht mehr wahrnehmbar als Gemeinde mit einem Pfarrer als Nachbarn, der Zeit hat für Freuden und Sorgen von Menschen. Statt nun aber zu bedenken, wie diese Nähe (etwa auch mit Nichtgeweihten und Verheirateten) zu erhalten oder herzustellen ist, werden Pfarrern, pastoralen Mitarbeitern und engagierten Laien (allesamt längst heillos überfordert) Strukturdebatten verordnet, müssen sie Pastorale Leitlinien diskutieren, sich mit der Neu-Erfindung von Gemeindeteams befassen. Kein Wunder, dass sich da immer mehr von ihrer Kirche abwenden. Mit Grausen und leidend, weil sie den christlichen Glauben eigentlich als hilfreich zum Leben schätzen. Was ebenfalls paradox anmutet, was es aber nicht ist. Denn Menschen berührt nicht, was ihnen wurscht ist, sondern eher, was ihnen am Herzen liegt.
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Autor: Gerhard M. Kirk
