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24. August 2011

Verkauf der Maienstraße 2

MÜNSTERECK: Probleme mit der Tradition

Mag auch während der Geschichte der Kirche der Glaube prächtig oder bescheiden zu Stein geworden sein – die wirklichen Bausteine, aus denen Kirche entsteht, heißt es, sind die Menschen. Deshalb kann es kein Sakrileg sein, sich von kirchlichen Gebäuden zu trennen. Andererseits brauchen lebendige Bausteine einen Ort, an dem sich Erinnerung bildet. Einen Ort der Identität, an dem sich Menschen mit dem ihnen Eigenen wiederfinden. Darum ist Tradition mit Gefühlen verbunden. Nun will die evangelische Kirchengemeinde ausgerechnet das Gemeindehaus der Christuskirche verkaufen, um es zu erhalten und an dringend benötigtes Geld zu kommen. Einen Ort also, eng verbunden mit dem bemerkenswerten evangelischen Widerstand gegen faschistische Menschenverachtung. An dem außerdem seit vierzig Jahren Menschen mit geistiger Behinderung lernen, über den sie umgebenden gesellschaftlichen Schatten zu springen und allein ihren Weg in die Maienstraße 2 zu gehen. Beides ist fürwahr nicht selbstverständlich. Doch nach der Neustrukturierung der Kirche in Freiburg hat die Christusgemeinde nur noch Teil einer größeren unübersichtlichen Pfarrgemeinde zu sein, die nach den bisherigen Erfahrungen Menschen nur schwerlich ein Ort der Identifikation sein wird. Verkauft ist so ein Gebäude aus Stein schnell. Und mit ihm am Ende womöglich gleich noch die ihm innewohnende Seele. Das Eigene der Christusgemeinde. Ihr Merk-Mal, das mit Tradition bis heute Lebendigkeit ausstrahlt.

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Autor: Gerhard M. Kirk