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07. Februar 2011
Mundologia: „Ich habe mein Paradies entdeckt“
Mehr als 20 000 Menschen besuchten die achte Mundologia mit Fotoreportagen, Ausstellungen und Outdoor-, Reise- und Fotomesse.
Die gute alte Diaschau, bei der es beim Bildwechsel ritsch-ratsch macht, ist passé. Stattdessen gibt es Fotoreportagen: mit zum Teil live gespielter Musik, in Eins-a-Digitaltechnik und mit fantastischen Bildern abenteuerlustiger Referenten, die spannend, anrührend und witzig erzählen können. So waren fast alle Vorträge des Festivals Mundologia ausverkauft, das die Freiburger Fotografen Tobias Hauser und David Hettich veranstalteten. Inklusive der Besucher der Foto-, Reise- und Outdoormesse kamen am Wochenende mehr als 20 000 Menschen ins Konzerthaus.
Doris Renoldner, 43, und Wolf Slanec, 55, zwei Weltenbummler aus Österreich, die seit mehr als 20 Jahren durch die Welt segeln, sind baff. Vor wenigen Minuten haben die beiden "Seenomaden" ihre in charmantem Wiener Schmäh vorgetragene Reportage über ihre erste Weltumseglung beendet. "Das hier war eine totale Überraschung", sagt Slanec, "vor 1700 Leuten, ich dachte, mich trifft der Schlag. So etwas gibt es in Österreich nicht. Erst recht nicht bei diesem schönen Wetter."Vor zwei Jahren ist das Paar von seiner zweiten Weltumseglung zurückgekommen. Mittlerweile stehen die beiden schon wieder in den Startlöchern, im Frühjahr wollen sie ihr Schiff startklar machen. Wo es hingehen wird? Wahrscheinlich in den Pazifik, "aber so genau planen wollen wir das nicht". Wenn sie unterwegs sind, ändern sie gerne ihre Pläne, wichtig sei allein, das Segeln den Jahreszeiten anzupassen; und wenn es ihnen auf einem einsamen Atoll in der Südsee gefällt, dann bleiben sie dort auch mal acht Wochen statt der geplanten acht Tage. Es ist dieses Improvisieren, mit denen die beiden Wind und Wetter, kaputter Schiffstechnik und monetären Engpässen trotzen, das ihren Vortrag so unterhaltsam macht. Auf der Mundologia berichten die Wiener mehr als zwei Stunden von ihrer ersten Weltumseglung auf ihrem kleinen Schiff "Susi Q." – dem "Symbol unserer Freiheit". Acht Jahre waren sie beim ersten Mal unterwegs, 100 000 Kilometer legten sie dabei zurück.
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Mundologia-Besucher Fred Mattausch gefallen Renoldners und Slanecs Lebensweisheiten, ihre Auffassung von einem einfachen Leben ohne Hightechfirlefanz. "Zu was Menschen in der Lage sind, obwohl sie von gewissen Dingen keine Ahnung haben. Ich wär’ auch gern ein Seenomade". Zum Teil hat er sich seinen Wunsch erfüllt: Nach der letztjährigen Mundologia ging er selbst auf Weltreise.
Schon eine halbe Stunde vor Beginn von David Bittners Vortrag über seine Begegnungen mit den Bären Alaskas stehen die Menschen vor dem Saal Schlange. Das Interesse ist groß, der Schweizer hält seinen Vortrag gleich zweimal hintereinander. Plötzlich öffnen sich die Türen und die Besucher des ersten Vortrags strömen nach draußen. Wie so viele ist auch die Freiburgerin Susanne Gundermann begeistert: "Das war super. Ich wollte diesen Vortrag unbedingt sehen, weil mich Bären interessieren", schwärmt sie und rät: "Das müssen Sie sehen." Auch Veranstalter Hauser nennt David Bittners Vortrag "eines der Highlights des Festivals".
In der Tat ist Bittners Reportage, ein Mix aus Fotografie und Filmsequenzen, etwas Besonderes: Die Bärenfotos des 34-jährigen Berners sind fantastisch, sein Wissen über die zotteligen Tiere ist immens, und er kann großartig erzählen. Bittner ist nicht nur ein geduldiger Beobachter der Wildnis mit all ihren Pflanzen und Tieren, sondern als promovierter Biologe an der Universität Bern hat er auch den Blick des Wissenschaftlers.
So ist er seit seiner ersten Alaska-Tour 2002 zum Bärenforscher geworden. Seine "riesigen Ängste", die er beim ersten Mal im Gepäck hatte, hat er längst abgelegt. Immer wieder kehrt er in dieselbe Region – an die Küste des Katmai-Nationalparks und auf die Kodiak-Insel – zurück, wo die Bären größer sind als die Grizzlys im Landesinnern. "Ich habe dort mein kleines Paradies entdeckt", sagt er und zeigt Bilder einer spektakulären Natur. Seine über die Jahre gewonnen Erfahrungen mit den Bären, sein respektvoller, umsichtiger Umgang mit ihnen und sein Pragmatismus (ein Elektrozaun ums Basislager als Schutz gegen zottelige Eindringlinge und ein Pfefferspray sind Pflicht) machen es möglich, dass die scheuen Bären ihm vertrauen. Und sich ihm manchmal bis auf wenige Meter nähern. So entstehen Aufnahmen aus nächster Nähe. Bittner weiß jedes Tier auf seine Weise zu nehmen. Er spricht mit ihnen, und er hat einigen liebevoll Namen gegeben wie Bala ("die Schönste") und Balu, Bernie ("ein sehr toleranter Bär"), Berta und Bruno, Rosi und Lili, Luni und Suni. Und doch ist ihm am Ende wichtig zu betonen: "Die Wildnis von Alaska, das ist kein Streichelzoo."
Autor: Frank Zimmermann
