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20. Januar 2009

"Muskeltraining ist wie Zähneputzen"

Zu gast in Freiburg: Werner Kieser, der sein Leben dem Weglassen gewidmet hat und so mit seinem Fitness-System Erfolge feiert

  1. Werner Kieser Foto: michael bamberger

Er liebt’s spartanisch: Werner Kieser, Fitness-Unternehmer, Ex-Boxer, Hobby-Schreiner, Design-Fan mit Hang zur Philosophie. Der Schweizer hat aus dem Nichts ein Muskeltraining-Franchise-System mit weltweit mehr als 304 000 Kunden aufgebaut – und dabei auch ein paarmal danebengegriffen, wie er freimütig einräumt. Nun war der 68-Jährige in Freiburg, um an der Uni einen Vortrag zu halten und dem vor zehn Jahren eröffneten Kieser-Trainingsstudio an der Grünwälderstraße einen Besuch abzustatten. BZ-Mitarbeiter Holger Schindler hat mit ihm gesprochen.

BZ: Herr Kieser, Sie haben als junger Mann geboxt, eigenhändig Trainingsgeräte zusammengeschweißt, nebenher auf dem Bau gejobbt und schließlich ein Fitness-Imperium geschaffen. Was sind Sie denn nun im Tiefsten Ihres Herzens: Sportler, Visionär, Manager, Hansdampf?
Werner Kieser: (lacht) Hansdampf trifft’s gar nicht schlecht. Ich hab’s schon schwierig, mich zu definieren. Eigentlich bin ich Unternehmer und Trainer. Aber ich habe eben noch sehr viel mehr Interessen. Schon sehr lange befasse ich mich damit, die Dinge simpler zu machen und aufs Wesentliche zu reduzieren. Das ist mühsam. Einfach einen Haufen machen, einfach etwas hinzufügen, das kann eigentlich jeder. Etwas weglassen ist sehr viel schwieriger

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BZ: Sie haben sich selbst auch mal als "Produzent von Magermasse" bezeichnet und sehen den Menschen vor allem als Paket von Muskeln, Sehnen und Knochen. Aber scheitern die meisten, wenn’s um Training und Fitness geht, nicht vielmehr an ihrer Seele, am inneren Schweinehund, wenn man so will?
Kieser: Na ja, natürlich setzt erfolgreiches Training einen kognitiven Prozess voraus. Der Mensch muss einsehen, dass es notwendig ist, dass es also eine Not lindert. Muskeltraining ist da wie Zähneputzen – nicht spektakulär, nicht furchtbar vergnüglich, sondern einfach nötig. Und wir bieten an, dieses Training mit möglichst geringem zeitlichen und finanziellen Aufwand zu erledigen.
BZ: Was würden Sie anders machen, wenn Sie noch mal von vorne anfangen würden?
Kieser: Ich würde alles im Zeitraffer schaffen, weil ich die Fehler weglassen würde. Ich habe viele schlechte Entscheidungen getroffen im Leben. Als wir nach Deutschland sind, habe ich mich für Hamburg als ersten Standort entschieden. Das war falsch. Wären wir zuerst nach München, die andere Option, wäre alles viel glatter gelaufen. Aber zum Glück gab’s auch einige wenige gute Entscheidungen, die das wieder ausgeglichen haben. Andererseits helfen Flops auch. Wie Popper sagt (Karl Popper war ein maßgeblicher Erkenntnistheoretiker des 20. Jahrhunderts, d. Red.), sind es die Fehler, die uns Gewissheit und Orientierung geben. Als Unternehmer steht man ansonsten quasi allein im Raum und schießt in den Nebel.

BZ: Welche Rat würden Sie nach alledem einem Existenzgründer geben?

Kieser: Man muss beharrlich sein. Ich finde erstaunlich, wie schnell heute die Leute aufgeben. Wenn jemand eine gute Idee hat, soll er dabei bleiben – und sich darauf beschränken. Es wird ja heute dermaßen viel Unsinn und Unfug getrieben. Davon sollte man sich fernhalten und sich nicht verzetteln, um noch ein paar Euros dazu zu verdienen. Reichtum fällt nicht vom Himmel. Überhaupt haben die Leute oft eine geradezu libidinöse Beziehung zum Geld, die nur schadet.

BZ: Sie behaupten, durch regelmäßiges Muskeltraining ließen sich die Behandlungskosten für Rückenleiden in Deutschland von jährlich fast 50 Milliarden Euro auf 10 Milliarden senken. Glauben Ihnen die Gesundheitspolitiker?
Kieser: Wir haben Studienergebnisse, die es belegen. Aber das nützt nichts. Zu viele Menschen haben sich sehr gut mit dem jetzigen System arrangiert. Eine ganze Branche, etwa Physiotherapeuten und Mediziner, lebt von den Rückenleiden der Leute. Die Verantwortlichen in der Politik und den Krankenkassen wollen darum nichts ändern. Ich werde aber nicht dagegen ankämpfen und einen Marsch durch die Institutionen antreten. Wir wenden uns lieber direkt an die Verbraucher.

Autor: hos