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25. Januar 2017

Kommentar

Nach der Nacht auf der Straße zur Arbeit

Obdachlosigkeit wird nicht selten mit Arbeitslosigkeit, gelegentlich auch mit Einsamkeit in Verbindung gebracht. Aber manche Obdachlose gehen tagsüber einer geregelten Arbeit nach.

Obdachlosigkeit wird nicht selten mit Arbeitslosigkeit, gelegentlich auch mit Einsamkeit in Verbindung gebracht. Tatsächlich aber gehen von den rund 800 in Freiburg lebenden Obdachlosen viele einer festen Tätigkeit nach. Einige haben darüber hinaus eine Familie, die versorgt werden muss. In der Anfang Januar eröffneten Notunterkunft im ehemaligen ADAC-Haus an der Haslacher Straße, die Obdachlosen die Übernachtung unter freiem Himmel ersparen soll, lassen die Verantwortlichen der Stadt praktisch ausschließlich Menschen übernachten, die am nächsten Morgen einer geregelten Arbeit nachgehen. Das beim Begriff Obdachloser wie automatisch erscheinende Bild einer Person, die den gesamten Tag in der Stadt herumlungert und nichts tut, ist daher kein gänzlich falsches, aber ein gehörig unvollständiges. Und es führt zu einem zweiten Aspekt, der sich in den kalten Wintertagen aufdrängt: Der Stadt sind etwa 30 Personen bekannt, die trotz theoretisch vorhandener Plätze freiwillig der Unterkunft fernbleiben. Das sind zwar nur knapp vier Prozent aller in Freiburg lebender Obdachloser, doch hinterlassen sie bei vielen ein mulmiges Gefühl und die Frage: Wie kann es sein, dass es Menschen vorziehen, bei Minusgraden im Freien zu nächtigen, anstatt die Notunterkunft aufzusuchen?

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Autor: Frank Schoch