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04. Juli 2015

Neue Plätze für Autoteiler

Verwaltung macht öffentliche Flächen zu Car-Sharing-Plätzen.

  1. Die Autos von „Stadtmobil“ und „Grüner Flotte“ stehen an der Wilhelmstraße nun Seite an Seite. Foto: Thomas Kunz

Als erste Stadt in Deutschland hat Freiburg öffentliche Parkplätze für Car Sharing reserviert. Den Anfang machte ein Standort im Sedanviertel, weitere 86 sollen bis Mitte 2016 folgen. Mittelfristig sind 134 Standorte für 446 Stellplätze vorgesehen, bei Bedarf auch noch mehr. Dadurch soll das organisierte "Auto-Teilen" komfortabler werden. Stadtverwaltung und Anbieter versprechen sich einen gehörigen Nutzerzuwachs. Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hofft, dass das Freiburger Modell Schule macht.

"Clever gemacht": Der Verkehrsminister war bei der Einweihung des ersten Standorts in der Wilhelmstraße voll des Lobes für das Konzept. Denn die Stadt Freiburg hat mit einem Trick eine rechtliche Lücke umschifft. Bislang nämlich ist es nicht möglich, öffentlichen Straßenraum für private Zwecke zu nutzen. Eine gesetzliche Regelung, die es erlaubt, Parkplätze für Car Sharing auszuweisen, ist zwar seit langem im Gespräch, aber immer noch nicht umgesetzt.

Deshalb stellte die Stadtverwaltung eigens einen Bebauungsplan auf, der fast das gesamte Stadtgebiet umfasst. In ihm sind die Car-Sharing-Stellplätze als öffentliche Flächen entwidmet. "Das war nicht gerade ein kleiner Aufwand", sagte Baubürgermeister Martin Haag: "Aber er hat sich gelohnt."

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Im ersten Schritt sollen bis Mitte nächsten Jahres 190 Stellplätze an 87 Standorten entstehen. So viele haben die beiden großen Freiburger Car-Sharing-Anbieter Stadtmobil und "Grüne Flotte" vorerst angemietet. Sie haben die Ausschreibung unter sich ausmacht. Die Deutsche Bahn, die unter dem Namen Flinkster ebenfalls Car Sharing betreibt, hatte kein Interesse. Wer welche Plätze bekommt, hätten die beiden Anbieter geregelt, erklärte Frank Uekermann vom städtischen Garten- und Tiefbauamt. Am ersten Standort stehen sie jetzt Seite an Seite.

Je nach Lage müssen die Car-Sharing-Anbieter für die Stellplätze im öffentlichen Raum zwischen 25 und 40 Euro pro Monat an die Stadtverwaltung bezahlen. Dies liege ungefähr in dem Rahmen, was auch für private Flächen fällig werde, sagte Thorsten Schmid von der "Grünen Flotte". Auf solche haben die Anbieter bislang vor allem zurückgreifen müssen.

Auf 1000 Einwohner kommt ein Carsharing-Auto

Da diese jedoch häufig schlecht liegen – etwa in Hinterhöfen – wollen die Betreiber jeweils rund die Hälfte ihrer zusammen etwa 80 privaten Stellplätze aufgeben. Auch von kostenlosen öffentlichen Parkplätzen, die sie bislang ebenfalls genutzt haben, wollen sie sich mehr und mehr zurückziehen. Zwar müssten sie für diese nichts bezahlen, dafür hätten die Stellflächen jedoch den Nachteil, dass die Nutzer nie genau wüssten, wo das Auto steht, sagte Michael Nowack von Stadtmobil. "Die festen Plätze bedeutet mehr Bequemlichkeit", sagte auch Grünen-Landtagsabgeordnete Edith Sitzmann, die es aus eigener Erfahrung kennt, ein Car-Sharing-Auto vor der Nutzung erst suchen zu müssen.

Rund ein Car-Sharing-Auto gibt es in Freiburg derzeit auf 1000 Einwohner, das bedeutet bundesweit Rang drei hinter Karlsruhe und Stuttgart. "Durch das neue Angebot könnte es Freiburg bis an die Spitze schaffen", sagte Minister Hermann – der das Konzept auch anderen Kommunen empfahl. Um das "Auto-Teilen" noch weiter zu verbreiten, so berichtete Baubürgermeister Haag, plane die Freiburger Verkehrs AG zudem ein Kombi-Angebot von ÖPNV-Ticket und Car Sharing. Auch die beiden Car-Sharing-Anbieter wollen noch mehr bieten: Die "Grüne Flotte" will 35 weitere Fahrzeuge anschaffen, derzeit hat sie 100. Stadtmobil (derzeit 120 Autos) will 20 weitere Fahrzeuge kaufen.

Autor: Jelka Louisa Beule