Dietenbach

Neuer Freiburger Stadtteil soll größer werden als Rieselfeld

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Di, 13. September 2016 um 12:32 Uhr

Freiburg

Es ist ein Mega-Projekt für 12.500 Menschen: Der neue Freiburger Stadtteil Dietenbach soll vis-à-vis des Rieselfeldes entstehen – und deutlich größer werden. Die Pläne werden immer konkreter.

Der geplante Stadtteil Dietenbach soll deutlich größer werden als das benachbarte Rieselfeld. Oberbürgermeister Dieter Salomon stellte gemeinsam mit Baubürgermeister Martin Haag und Bürgermeister Otto Neideck am Dienstagmittag die Ergebnisse eines Testentwurfs vor, wonach mehr Wohnungen möglich sind als erwartet.

Verwaltung muss sich mit 390 Eigentümern einigen

12.500 Einwohner sollen künftig dort leben. Die Probleme mit Hochwasser und Lärm sind lösbar, und Hochspannungsleitungen lassen sich verlegen. Aber das hat seinen Preis. Die städtischen Planer haben ein "Wirtschaftlichkeitsproblem". Derzeit klafft eine rechnerische Lücke von 56 Millionen Euro.

Mit den jüngsten Freiburger Stadtteilen ist das Projekt Dietenbach kaum zu vergleichen. Während in Rieselfeld die Grundstücke der Stadt und in Vauban dem Bund gehörten, muss sich die Verwaltung mit den 390 Eigentümern einigen oder sie enteignen. Dass die Rahmenbedingungen damals viel einfacher waren, macht Baubürgermeister Martin Haag an einem Beispiel deutlich: Wegen des Anspruchs auf Betreuung von Kindern unter drei Jahren braucht das neue Quartier 19 Kindertagesstätten mit 75 Gruppen. Als Vauban und Rieselfeld geplant und gebaut wurden, gab es den Rechtsanspruch auf U3-Betreuung nicht.

Auch die Stadtbahn soll hier fahren

"Der neue Stadtteil muss funktionieren, und zwar nachhaltig", sagt Annette Schubert, die das Projekt seit dreieinhalb Jahren leitet. Ziel ist ein ausgewogener Mix an Wohnformen, eine soziale und technische Infrastruktur vom Pflegeheim bis zu Stadtbahn, und Freiflächen, auf denen sich die Bewohner gerne aufhalten. Und über allem steht die Forderung nach Wohnraum, und zwar möglichst günstig.

Jetzt hat das beauftragte Frankfurter Fachbüro einen Testentwurf vorgelegt. Bürgermeister Haag sprach von einem Meilenstein. "Er zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Die Experten weisen nach, dass Dietenbach als Stadtteil zu realisieren ist. Die Vorgabe von mindestens 5000 Wohneinheiten kann sogar um zehn Prozent übertroffen werden.

Qualitätsstandards und damit auch Kosten wurden gesenkt

Allerdings werden die Grundstückspreise, die der unabhängige Gutachterausschuss der Stadt ermittelt hat, günstigen Wohnraum erschweren: Je nach Gebäudetyp kostet der Quadratmeter Bauland zwischen 600 und 830 Euro. Die Stadtverwaltung darf aus rechtlichen Gründen an dieser Preisschraube weder nach oben drehen, um die Erlöse zu steigern, noch nach unten, um Wohnen billiger zu machen.

Einnahmen von 558 Millionen Euro stehen Ausgaben von derzeit auf 614 Millionen Euro gegenüber. Das Defizit von rund 56 Millionen Euro war sogar schon deutlich größer. Die Projektgruppe musste die Kosten senken, indem sie Abstriche bei den Qualitätsstandards machte, und andererseits die Erlöse erhöhen: Um mehr Wohnungen – und damit Einnahmen – zu gewinnen, sollen mehr Waldflächen weichen. Der Anteil von Geschosswohnungen wurde erhöht.Offen ist, ob das Ziel eines klimaneutralen Stadtteils angestrebt werden soll, weil das das Wohnen teurer macht und städtebauliche Spielräume einschränkt. Oberbürgermeister Dieter Salomon bekräftige in der Pressekonferenz jedoch den Anspruch darauf. Jedenfalls verlangt das Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde eine schwarze Null.

Die soll der anstehende städtebauliche Wettbewerb mit 30 Büros bringen. Die europaweite Ausschreibung ist für Dezember vorgesehen. Ein Jahr später soll ein realisierbarer Entwurf vorliegen – und möglichst weitere Kosteneinsparungen aufzeigen.

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