Neuer Leuchtturm der Forschung

Daniela Frahm

Von Daniela Frahm

Do, 18. Januar 2018

Freiburg

Grundstein für das neue Institutsgebäude zur Kommunikation zwischen Mensch und Maschine auf dem Campus am Flugplatz.

Bis Ende 2019 soll auf dem Gelände der Technischen Fakultät der Universität ein weiterer "wissenschaftlicher Leuchtturm" entstehen. Als solchen bezeichnete die baden-württembergische Finanzministerin Edith Sitzmann den Neubau des "Institute for Machine-Brain Interfacing Technology" (IMBIT), für den jetzt der Grundstein gelegt wurde. 31,5 Millionen Euro werden in das interdisziplinäre Projekt investiert.

Das von den Stuttgarter Architekten Heinle, Wischer und Partner entworfene Gebäude passe zu den ambitionierten Zielen der Forscher, sagte Sitzmann. Sie war allerdings froh, dass die Grundsteinlegung wegen des ungemütlichen Wetters in warme Uni-Räume verlegt wurde. Sitzmann zeigte sich beeindruckt von dem Projekt, das Patienten mit Hirn- und Nervenerkrankungen oder Lähmungen Hilfe bieten soll. "Zum Beispiel Patienten mit Parkinson oder Epilepsie könnten so autonomer werden", freute sich die Ministerin, "so stelle ich mir interdisziplinäres Forschen und Arbeiten vor."

Im IMBIT werden Forschergruppen aus Ingenieurwissenschaften, Informatik und Robotik, Neurowissenschaften und Medizin zusammenarbeiten. Das Institut, das übersetzt "Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine" bedeutet, werden beispielsweise Assistenzsysteme entwickelt, mit denen Roboter mental angesteuert und angewiesen werden können, Gegenstände wie Getränkeflaschen zu bringen. Wie das aussehen könnte, wurde beim Festakt auch praktisch demonstriert. Ein Mann in einem Rollstuhl hatte eine Art verdrahtete Badekappe auf. "Die Kappen sind nicht sonderlich fashionable, aber das wird sich vielleicht auch noch ändern", scherzte Informatiker Wolfram Burgard, Sprecher des Exzellenzclusters "Brainlinks-Braintools".

Die Forschung des IMBIT bestehe aus drei Säulen, erklärte er. Zum einen gehöre dazu die Optogenetik, mit deren Hilfe neuronale Zellen angesteuert, beeinflusst und mit Robotik verbunden werden. Außerdem werden Sonden entwickelt, die besser mit dem Gehirn kommunizieren und langfristig im Körper überleben können. Und schließlich gehe es um die Anwendung, die Assistenzfunktion für Menschen. "Über Hirnströme Roboter zu bewegen, klingt für den Laien nach Science-Fiction, aber hier ist es Realität", sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon.

Der OB kann genau wie Unirektor Hans-Jochen Schiewer nicht nachvollziehen, dass "Brainlinks-Braintools" bei der Exzellenzinitiative mit seinem Folgeantrag nicht mehr berücksichtigt wurde. "Schließlich wurde der Antrag für das Forschungsgebäude 2015 als bester in ganz Deutschland bewertet", erklärte Schiewer. Die Finanzierung des Projekts sei dadurch aber nicht gefährdet gewesen. "Wir sind zwar enttäuscht", sagte der Rektor, "aber unsere Wissenschaftler schreiben schon an neuen Anträgen für Forschungsmittel."

Bund, Land und Uni teilen sich die Baukosten

Von den rund 31,5 Millionen Euro Baukosten für das IMBIT übernimmt der Bund knapp die Hälfte über seine überregionale Forschungsförderung, jeweils acht Millionen Euro steuern das Land aus seinem Bauhaushalt und die Uni bei. In dem 3200 Quadratmeter großen Neubau sind eine zweigeschossige Robotikhalle, ein Veranstaltungsraum, Labore, Büros und Kommunikationszonen geplant. Mehr als 100 Forscherinnen und Forscher sollen dort Ende 2019 einziehen. "Mit der Nähe zur Mikrosystemtechnik und Informatik auf dem Campus am Flugplatz hat es einen idealen Standort", sagte Sitzmann.

Das technisch-naturwissenschaftliche Profil der Freiburger Uni sei durch den Exzellenzcluster "Brainlinks-Braintools" geschärft worden, lobte Schiewer, und durch die "völlig neu initiierten Fragestellungen" sei dieser Forschungsschwerpunkt auch weltweit sichtbar geworden. Im IMBIT würden nun die Grundlagen gelegt, um diesen Forschungsbereich dauerhaft zu etablieren. Burgard ist zuversichtlich, "dass wir auf dem Forschungsgebiet der intelligenten Mensch-Maschine-Schnittstellentechnologie künftig große Fortschritte erzielen werden". Durch die kurzen Wege im Neubau soll der Austausch zwischen den verschiedenen Wissenschaftsbereichen und die Kreativität gefördert werden. Bislang arbeiten die Forscher noch über das gesamte Stadtgebiet verteilt.