Neuer Schwung fürs Sozialticket

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 19. April 2018

Freiburg

UL wollen die verbilligten Fahrkarten auch für die Landkreise.

FREIBURG. Seit knapp zwei Jahren gibt es in der Stadt Freiburg ein Sozialticket, mit dem bedürftige Menschen günstiger Bus und Straßenbahn fahren können: Die Stadt schießt 20 Euro für die Regiokarte und 8,05 Euro für die Mehrfahrtenkarte zu. Nächsten Dienstag wird im Gemeinderat eine erste Bilanz gezogen. Grund genug für die Fraktion der Unabhängigen Listen, zum "Dialog 5 vor 5" zu laden und zu fragen: "Wie geht’s weiter?"

Zehn Jahre lang dauerten die Bemühungen um ein Sozialticket in Freiburg, die Unabhängigen Listen (UL) waren von Anfang an mit dabei. Nun hatten sie zur Diskussion mit dem "Bündnis Sozialticket für Freiburg" geladen, wie die Bewegung neuen Schwung bekommen könnte. Denn unter anderem soll an den Gemarkungsgrenzen der Stadt Freiburg nicht Schluss sein mit vergünstigtem Fahren.

Auch in den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen sollen Leute mit wenig Geld in den Genuss der Vergünstigung kommen. Doch das wird ungleich schwieriger. Zwar ist auch im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ein Bündnis fürs Sozialticket aktiv, doch muss dort der Kreistag darüber entscheiden – und der hatte das Ansinnen im November vergangenen Jahres abgeschmettert. "Jetzt ist ein bisschen die Luft raus", sagte eine Vertreterin des Bündnisses. Im Landkreis Emmendingen sei es noch schwieriger, erzählte ein anderer Gast, "dort ist es nicht mal möglich, es zum Thema zu machen". Eigentlich wäre es am besten, der Regio-Verkehrsverbund (RVF) würde ein Sozialticket ins Angebot nehmen, meinte UL-Stadtrat Michael Moos, dass die Stadt Freiburg bezuschusse, sei nur eine Hilfskonstruktion. Aber der RVF sperrt sich. Dennoch wollen sich die Bündnisse über Landkreisgrenzen hinweg vernetzen und unterstützen.

In Freiburg selbst möchten die UL das Sozialticket im Sinne seiner Kunden optimieren. Wenn die Regiokarte teurer wird, soll die Tariferhöhung nur zur Hälfte aufs Sozialticket umgelegt werden, erklärte UL-Stadträtin Ulrike Schubert. Allein sind die UL damit nicht, die Fraktionen Freiburg Lebenswert und die Grünen würden dies unterstützen. Andere Fraktionen sollen sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigen. Auch dass Familienmitglieder am Wochenende aufs Ticket mitfahren können steht auf der Agenda der UL, genau wie bessere Informationen für nicht-deutschsprachige Bezieher.

Woran es im Gebrauch des Tickets noch klemmt, zählten einige Besucher und Maren Moormann vom "Bündnis Sozialticket für Freiburg" auf: Es gebe sehr lange Bearbeitungszeiten im Jobcenter, das die Coupons für das Ticket vergibt, und zu wenig Kommunikation mit der Freiburger Verkehrs-AG (VAG). Zudem gebe es nur zwei Ausgabestellen mit langen Warteschlangen, "da sind auch die VAG-Leute abends mit den Nerven runter", so ein Gast. Sinnvoll wäre, so Moormann, Ausgabestellen in Stadtteilen, etwa in Quartiersläden, einzurichten.