Sportstätte

Neues Grün und neue Stehplätze: SC saniert das Möslestadion

Frank Zimmermann

Von Frank Zimmermann

Fr, 02. August 2013 um 08:54 Uhr

Freiburg

Keimzelle der südbadischen Fußballkultur, Sehnsuchtsort für Traditionalisten: Jahrzehntelang war es das Möslestadion die Heimstätte des Freiburger FC. Längst wird es vom SC Freiburg genutzt – und der bringt es nun auf Vordermann.

Der SC Freiburg hat die Sommerpause dazu genutzt, das mehr als 90 Jahre alte Möslestadion zu sanieren. Dort tragen die zweite Mannschaft, das Frauen-Bundesliga-Team und die A- und B-Junioren des SC regelmäßig ihre Heimspiele aus. Ab und an kommen auch die Profis des SC oder der Gastmannschaft zum Abschlusstraining hierher. Zwar werden die Bauarbeiten erst in einigen Wochen abgeschlossen sein – die Stehplätze sind noch nicht fertig –, aber das erste Heimspiel des Regionalligateams gegen Pfullendorf kann morgen um 14 Uhr angepfiffen werden.

"Das wird ein schmuckes Stadion." Stefan Spohn
Man muss entweder ein Fußballfan älteren Semesters sein oder in den Archiven nachlesen, um sich die euphorische Stimmung zu vergegenwärtigen, die am 9. Dezember 1956 im Möslestadion an der Waldseestraße herrschte: Damals kamen 25.000 Fans – Rekord! – zum Spiel des Freiburger FC gegen den 1. FC Nürnberg. Heute sind es nur ein paar Hundert bei den Spielen der Amateur- und Jugendteams und der Bundesliga-Kickerinnen, allenfalls zu Topspielen mal 2000 oder 2500. Platz gibt es noch für 5400 Zuschauer (4400 Steh-, 1000 Sitzplätze).

Im Jahr 2000 zog der längst nicht mehr hochklassig spielende FFC, den auch finanzielle Probleme plagten, aus dem Möslestadion aus – und der SC Freiburg ein. Nur ein Jahr später, im September 2001, weihte der SC seine Fußballschule ein, die er an die alte Tribüne drangebaut hatte. 16 Jugendliche aus der A- und B-Jugend leben dort heute im Internat. Das, sagt Sebastian Neuf, der organisatorische Leiter der Fußballschule, ist bis auf eine Woche zwischen Weihnachten und Neujahr und eine Woche um Pfingsten immer geöffnet, denn die Jugendlichen kicken auch in den Schulferien.

Die Arbeiten laufen seit Juni

Da Teams mehrerer Bundesländer in der Juniorenbundesliga Süd/Südwest mitwirken, kann beim Spielplan keine Rücksicht auf die Ferien genommen werden: So starten die SC-A-Junioren, die 18 und 19 Jahre alt sind, am 11. August in die neue Saison und tragen ihr erstes Heimspiel am 18. August um 11 Uhr gegen Mainz 05 aus. Die B-Junioren haben im Möslestadion am 11. August ihr erstes Heimspiel, ebenfalls gegen Mainz.

Nach zwölfjähriger Nutzung hat sich der SC in diesem Sommer aus sicherheitstechnischen Gründen entschieden, das in die Jahre gekommene Mösle zu sanieren. Am 10. Juni ging’s los. Da zwischen dem Ende der vergangenen und dem Beginn dieser Saison nicht genügend Zeit fürs Einsäen war, wurde ein neuer Rollrasen verlegt. Das Spielfeld ist nun wieder tiefer, rund 13 Zentimeter wurden abgetragen. Jedes Jahr waren auf den Platz zur Stabilisierung rund 80 bis 100 Tonnen Sand geschüttet worden, erklärt der technische Leiter des SC, Stefan Spohn, beim Gang über die Baustelle. Das Abtragen der Spielfläche hat ökologische Vorteile: Ist die Schicht dünner, braucht die Rasenheizung weniger Energie. Grün wie das 105 mal 68 Meter große Spielfeld wird künftig auch die Laufbahn drumherum aussehen; der Rindenmulch wird durch Rasen ersetzt. Auch die Drainage wird erneuert.

Das Gros der Stehplätze wird herausgeputzt

Komplett neu gemacht werden die Stehränge auf der Tribünenseite und der Gegengeraden, teilweise waren dort die Betonstufen abgebrochen. Nicht saniert wurden die Stehränge hinter den Toren, sie bleiben wie bisher schon gesperrt. Erneuert wird auch der Zaun rund ums Spielfeld. Zudem werden zusätzliche Flächen für Bandenwerbung geschaffen. Die Arbeiten waren auch erforderlich, um die Lizenzierungsauflagen des Deutschen Fußballbunds (DFB) zu erfüllen, die es auch für Amateurligen gibt. "Ein paar Sachen wären einfach nicht mehr gegangen", sagt Spohn. Anstatt auszubessern habe man sich entschieden, es richtig anzugehen. "Jetzt sollte es die nächsten 10 bis 15 Jahre halten", glaubt Spohn und freut sich über das Mösle: "Das wird ein schmuckes Stadion."

Streng beachtet werden musste beim Bauen der Denkmalschutz, unter dem das Mösle "wegen seines dokumentarischen und exemplarischen Werts" steht. "Wir haben gut mit der Denkmalschutzbehörde zusammengearbeitet", sagt Spohn. So musste beim Herrichten der alten Tribünenholzbänke sensibel vorgegangen werden. Nur wo’s nötig war, wurden sie ausgetauscht – in bequemen Sitzschalen, wie man sie aus modernen Stadien kennt, wird man wegen des Denkmalschutzes auch künftig nicht sitzen.

Allein der Rasen kostet 130.000 Euro

Was die gesamte Sanierung den SC kostet, will der Verein nicht sagen. Verwaltungsdirektor Detlef Romeiko spricht von einem "hoher sechsstelligen Betrag"; er deutet auf Nachfrage an, dass man mit einer halben Million Euro sicher nicht falsch liege. Allein der neue Rasen hat rund 130.000 Euro gekostet. Dafür gab es vom Badischen Sportbund einen Zuschuss von 27.000 Euro und von der Stadt 22.500 Euro.