13. November 2009
Neues Magazin 0761 - Spiel mit der Vorwahl
In Freiburg gibt es ein neues Magazin von Studenten für Studenten / Das "14 Magazin" erscheint vorerst einmal pro Semester
Die Macher werben frech damit, Freiburgs einziges "Magazin" zu sein. Dass dem nicht so ist, ist ihnen schnuppe. Das neue, 72 Seiten umfassende "14 Magazin", das seit kurzem auf dem Markt ist, gefällt – sowohl optisch als auch inhaltlich. Gemacht wird es von Freiburger Studentinnen und Studenten, und zwar zu 100 Prozent ehrenamtlich. Geld verdient niemand mit dem ambitionierten Heft, versichert die Redaktionsspitze. Was die Zahl 14 im Titel bedeutet? Es ist die Quersumme der Freiburger Telefonvorwahl 0761 und untermauert den lokalen Ansatz.
Das teamDie Idee für "14 Magazin" sei ihr mit zwei Kommilitoninnen im Auto gekommen, erinnert sich Christina Schmitt. Sie ist 20 Jahre alt, studiert Geschichte und Islamwissenschaft an der Uni Freiburg und hat unter anderem bei Spiegel online journalistische Erfahrungen gesammelt. "Ich habe früher immer bei der Schülerzeitung mitgemacht. Ich fand es cool, dass man da seine Freiheit hat." In Felix Dachsel fand sie einen passenden Mitstreiter, die beiden bildeten für die erste Ausgabe die Chefredaktion. Los ging die Arbeit am ersten Heft im November 2008.
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Mittlerweile ist Dachsel zum Studieren ins Ausland entschwunden, seinen Posten hat der 25-jährige Deutsch- und Geschichtsstudent Morten Freidel übernommen, der nach einem Studienjahr in Istanbul nach Freiburg zurückgekommen ist. Die Autoren sind allesamt Studenten der Freiburger Hochschulen, journalistische Erfahrung, sagt Freidel, sei gut, aber nicht zwingend notwendig.
Für die beiden studierenden Chefs ist das Heft zum Fulltimejob geworden, täglich investieren sie mehrere Stunden in das Projekt. Auch, weil sie sich nicht nur um den Inhalt, sondern auch um Organisatorisches kümmern und die Hefte für jeweils 1 Euro noch selbst unters Volk bringen. Hauptsächlich zur Mittagszeit vor den Mensen trifft man sie an. "Ich habe momentan keine Freizeit. Oder anders gesagt: Meine Freizeit ist dieses Magazin", sagt Morten Freidel. Die Redaktion des ersten Hefts bestand aus zwölf Studentinnen und Studenten unterschiedlicher Studienfächer. Momentan sind noch acht an Bord. Deshalb werden neue Redaktionsmitglieder gesucht – und interessante Gastbeiträge.
Der Inhalt
Die Redaktion von "14 Magazin" ist offen für alles, was qualitativ gut ist, sagt das Duo Schmitt/Freidel. Ziel sei es, einmal pro Semester über die Freiburger Hochschulen und das Studentenleben zu berichten. Zu Diskussionen wolle man anregen und mutige Beiträge veröffentlichen. Interviews, Reportagen und Erfahrungsberichte bilden den Schwerpunkt, daneben gibt es einen literarischen Teil, der ausgebaut werden soll.
Auch jemand, der nicht aus Freiburg kommt, soll sich für das "14 Magazin" interessieren. "Wir wollen die Rubrik 0761 nicht als Korsett verstanden wissen", sagt Morten Freidel. Will heißen: Die Redaktion will über den lokalen Tellerrand schauen. So schreibt Freidel im ersten Heft über sein originelles Erasmusjahr in Istanbul: von seinen Erfahrungen in einem Studentenwohnheim, wo man zu sechst in einem Zimmer ohne Schreibtisch und Steckdosen lebte und in der Küche mit vor Kälte erstarrten Fliegen zu kämpfen hatte. Über den Freiburger Tellerrand blickt das Heft auch in einem Interview mit dem ehemaligen Freiburger Studenten und Blogger Philip Rizk, der im Gaza-Sreifen lebte und vier Tage in der Gefangenschaft des ägyptischen Geheimdienstes verbrachte. "14 Magazin" ist also auch politisch interessiert. Zu einem Höhepunkt im ersten Heft gehört ein Streitgespräch zwischen Thomas Volk, Ex-Landesvorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), und Niko Grimm von der Hochschulgruppe Linke.SDS. Bei dem Aufeinandertreffen ging es ordentlich zur Sache, einmal platzte Volk "gleich der Kragen".
Empfehlenswert ist auch die Reportage von Felix Dachsel und Morten Freidel, die gemeinsam Studentenverbindungen aufgesucht haben – undercover, mit falschen Namen und Lebensläufen aus der Retorte. Schade, dass die beiden, "um unbefangener" zu sein, nach München gefahren sind. Ihre nebeneinander gestellten Texte lesen sich aber in jedem Fall spannend – und aufschlussreich, auch wenn das beschriebene Verbindungsgewese nicht ganz neu ist. Die Helden mit Schmiss beim Namen nennen die Autoren allerdings nicht. "Wir wollten die Leute nicht bloßstellen", erklärt Autor Freidel und ergänzt: "Es geht uns nicht darum, jemanden konkret anzuprangern, sondern darum, ein Stimmungsbild zu zeigen."
Das Layout
"14 Magazin" besticht durch ein modernes, professionelles Layout, das an "Zeit Campus" erinnert. Das Heft ist in jedem Fall schicker als die meisten Studentenblätter gestaltet. Es gibt schöne, ungewöhnliche Fotos, Grafikelemente und Illustrationen. Verantwortlich fürs Layout sind Moritz Esser und Philipp Kirberg, Absolvent und Student der Freien Hochschule für Grafikdesign und Bildende Kunst in Freiburg. Die Fotos haben Henrik Iber und andere Studenten der Freien Hochschule gemacht.
Die Finanzierung
Nichts geht in der Medienwelt ohne Geld. Wie viel Heft eins (Auflage: 3000 Exemplare) insgesamt gekostet hat, wollen die Erfinder des Hefts ungern verraten, ein höherer vierstelliger Betrag sei es. Der Betrag sei komplett durch Anzeigen (zu 75 Prozent) und Spenden (25 Prozent) gedeckt. Ein Defizit gibt es also nicht. So können die Einnahmen durch den Verkauf des ersten gleich ins zweite Heft und professionellere Strukturen investiert werden. Schon nach zwei Wochen waren 1000 Exemplare verkauft. Die "14 Magazin"-Macher haben eigens einen Verein gegründet. Ihre ökonomische und inhaltliche Unabhängigkeit untermauern sie im Vorwort. "Dieses Heft ist ehrenamtlich und ohne Zutun von Institutionen, Sekten, Lobbyisten, Terroristen, Kindergärtnern und Sozialarbeitern entstanden."
Das 14-Magazin gibt es für einen 1 Euro in den Mensen (wo und wann, steht im Internet unter http://www.14magazin.de und in den Buchhandlungen Walthari, Jos Fritz und Schwanhäuser. Es erscheint einmal pro Semester. Lesung und Release-Party, Samstag, 14. November, ab 20 Uhr, Josfritz-Café. Eintritt: 3 Euro.
Autor: Frank Zimmermann






