Quartier im Stühlinger

Neues "Metzgergrün" gleicht dem alten

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 25. März 2017

Freiburg

Stadtbau will das Quartier im Stühlinger behutsam entwickeln – und die Zahl der Wohnungen verdoppeln / Lob für Zusammenarbeit.

Das Quartier Metzgergrün im Stadtteil Stühlinger soll sich in den kommenden zehn Jahren deutlich verändern – und doch das alte bleiben. Bis 2027 will die städtische Tochtergesellschaft Freiburger Stadtbau die bisherigen 250 Wohnungen durch 500 neue ersetzen, trotzdem sollen die Qualitäten der kleinen Siedlung nicht verloren gehen. Gelingen soll dies durch ein Konzept, das ein österreichisches Architekturbüro gemeinsam mit Landschaftsplanern vom Bodensee entwickelt hat.

In den vergangenen Monaten haben sich fünf Büros Gedanken über die Zukunft des Metzgergrüns gemacht. Gestern kürte eine Jury die beste Idee – und war schnell einer Meinung. "Es gab einen sehr eindeutigen Sieger", sagte Magdalena Szablewska, Technische Geschäftsführerin der Freiburger Stadtbau (FSB) bei der Präsentation der Ergebnisse. Die Qualität des Entwurfs der Büros Dietrich/Untertrifaller aus Bregenz und Bamboll Studio Dreiseitl aus Überlingen sei "ungemein bestechend", meinte die Juryvorsitzende Christl Drey, Stadtplanungsprofessorin aus Köln. Auch Roswitha Reinmuth vom Bürgerverein Stühlinger und Hans-Christoph Stork vom Quartiersrat "Untere Ferdinand-Weiß-Straße" waren voll des Lobes. Alle Anregungen der Bewohner seien berücksichtigt worden, die Zusammenarbeit mit Stadtbau und Stadtverwaltung habe hervorragend funktioniert, betonten beide.

Den jetzigen Planungsschritten waren jahrelange Diskussionen vorausgegangen. Das Metzgergrün stammt aus den 1950er Jahren, die zweigeschossigen Gebäude sind sanierungsbedürftig. Schon länger befürchteten die Bewohner deshalb, dass die Siedlung verändert wird. Schlussendlich nahmen sie das Zepter selbst in die Hand: Der Quartiersrat gab 2012 aus eigenen Mitteln eine Machbarkeitsstudie bei Architekt Reiner Probst in Auftrag, 2015 folgte eine zweite. Diese bildeten die Grundlagen für die jetzt vorliegenden Pläne.

Die neue Bebauung solle "eine Reminiszenz" an das bisherige Metzgergrün sein, sagte Magdalena Szablewska: Ein gemischtes Quartier mit schönen Freiflächen. Entstehen sollen 500 Wohnungen in Häusern mit drei bis vier Etagen, eventuell auch in einzelnen Fünfgeschossern. Die Anzahl der Wohnungen wird sich damit verdoppeln, die Wohnfläche verdreifachen. Einige Gebäude möchte die Stadtbau in Holzbauweise errichten. 50 Prozent der Wohnungen sollen sozial geförderte Mietwohnungen sein, der Rest frei finanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen. Der Entwurf sieht mehrere kleinere Höfe in verschiedenen Varianten vor. In der Mitte des neuen Quartiers ist ein kleiner Platz geplant, mit einer Kindertagesstätte und Einkaufsmöglichkeit. Das Runzgewässer soll am Rand dieses Platzes oberirdisch fließen. Autos möchte die Stadtbau aus dem Quartier heraushalten, zum Parken sind drei Sammelgaragen geplant.

Gebaut werden soll die neue Siedlung peu a peu in den kommenden zehn Jahren. Losgehen werde es Anfang 2019 mit der Bebauung des Wohnmobilstellplatzes, der in den Ortsteil Lehen verlegt wird, sagte Szablewska. Danach soll ein Gebäuderiegel an der Bahnlinie entstehen und erst dann das eigentliche Quartier Metzgergrün angetastet werden. Die jetzigen Bewohner sollen dadurch vor Ort umziehen können – wenngleich die bisherigen sehr günstigen Mieten in den neuen Häusern natürlich nicht zu halten seien, sagte Szablewska.

Auch Baubürgermeister Martin Haag zeigte sich hochzufrieden mit dem Siegerentwurf. "So kann es weitergehen", sagte er. Denn das Metzgergrün ist erst der Auftakt: Im Bereich Stühlinger-West sind weitere Baugebiete geplant, insgesamt sollen dort 1400 neue Wohnungen entstehen.