Planung

Neues Riesenrathaus in Freiburg ist zu klein

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Fr, 09. Dezember 2016 um 09:45 Uhr

Freiburg

Der erste Bau-Abschnitt ist noch nicht fertig, da erweist sich das neue Rathaus im Stühlinger bereits als zu klein. Die Idee, die zweite Baustufe deutlich größer zu realisieren als geplant, scheitert aus städtebaulichen Gründen.

Dennoch machte der Gemeinderat den Weg frei für das zweite Rathausoval. Das bisherige Finanzierungskonzept soll bestehen bleiben. Einkalkuliert ist der Verkauf der Karlskaserne, was auf Kritik stößt. Ein entsprechender Antrag der Unabhängigen Listen fand keine Mehrheit (Kommentar).

Die Beratungen des nächsten Doppelhaushalts rücken näher. Und schon kritisieren Organisationen, dass für sie kein Geld da sei, aber "für diesen Prachtbau", berichtete Maria Viethen von den Grünen (11 von 48 Sitzen) in der jüngsten Sitzung. Und sie entgegnete: "Das neue Rathaus wird nur gebaut, weil es wirtschaftlicher ist." Die auf 16 Standorte verteilten Ämter sollen an der Fehrenbachallee konzentriert werden. Das soll Miete und drohende Sanierungskosten sparen sowie den Verkauf von Immobilien ermöglichen. Damit soll das Riesenrathaus finanziert werden.

Karlskaserne am Siegesdenkmal verkaufen

Die Kosten für den ersten Baukörper mit 850 Arbeitsplätzen liegen bei knapp 80 Millionen Euro. Er soll im Frühjahr bezogen werden. Für den zweiten Bau-Abschnitt bewilligte der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung 3,8 Millionen Euro an Planungsmittel. Sie sind in den hochgerechneten Kosten in Höhe von rund 72 Millionen Euro enthalten. Zur Finanzierung will die Stadtverwaltung unter anderem die Karlskaserne am Siegesdenkmal verkaufen. Geschätzter Erlös: zehn Millionen Euro.

Gegen die Vermarktung dieses "Kleinods" sprach sich Nikolaus von Gayling von der FDP (2 Mandate) aus. Und Michael Moos von den UL (7 Sitze) will das Gebäude in städtischem Besitz halten. "Die Stadt hat immer wieder eigene Bedarfe, etwa für Museen." Baubürgermeister Martin Haag versicherte, dass die Karlskaserne samt denkmalgeschützter Fassade in ihrer heutigen Form erhalten bleibe. CDU-Fraktionschef Wendelin von Kageneck (9 Sitze) sieht die Chance, auch den Karlsplatz aufzuwerten.

500 Beschäftigte mehr

Weil die Verwaltung ihr Personal aufgestockt hat, reicht das neue Rathaus nicht aus. Als das Projekt beschlossen wurde, zählte die Stadt 3170 Beschäftigte, jetzt sind es rund 500 mehr. Nötig wäre, im zweiten Bau-Abschnitt 1000 statt 500 Arbeitsplätze unterzubringen. Doch ein so vergrößerter Baukörper wäre laut Verwaltung städtebaulich nicht verträglich und würde den Kindergarten verschatten, der im Mai gleichzeitig mit dem ersten Oval fertig sein soll. Für den zweiten Abschnitt sind nun 800 Arbeitsplätze vorgesehen.

An der Finanzierung ändere sich rein rechnerisch nichts, erklärte Gerold Wißkirchen von der Projektgruppe Verwaltungskonzentration auf Anfrage der BZ. Zwar müsse die Stadt, anders als anfangs gedacht, weiterhin Miete zahlen – allerdings für Arbeitsplätze, die damals nicht absehbar gewesen seien und auch ohne neues Rathaus diese Kosten nach sich gezogen hätten. Das zweite Oval soll Anfang 2023 bezogen werden. Eine Prognose, wie viele Beschäftigte die Stadt dann haben wird, wagt niemand.

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