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21. Februar 2015

Nicht tatenlos zusehen

Seit acht Jahren gibt es in Freiburg das "Solidarmodell Anti-Graffiti" – eine Bilanz.

  1. Zwei zu Sozialstunden verurteilte Jugendliche reinigen an einem Aktionstag eine Hauswand. Foto: Rita Eggstein

"Wir wollen nicht tatenlos zusehen. Die Gesellschaft kann sich das nicht bieten lassen. Wir müssend ein Zeichen setzen", sagt Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach über das "Solidarmodell Anti-Graffiti", das Stadt und Polizei mit dem Verein Sicheres Freiburg, den Bürgervereinen, der Malerinnung Freiburg-Müllheim, der "Jugendhilfe im Strafverfahren" und weiteren Partnern 2007 ins Leben gerufen haben.

Das Prinzip des Modells: Ein oder zwei Mal im Jahr werden in einem Stadtteil verschmierte Hauswände gereinigt, ohne dass das die Eigentümer des Gebäudes etwas kostet. Die Maler aus unterschiedlichen Betrieben – bis zu zehn pro Aktion – arbeiten umsonst. Der Verein "Sicheres Freiburg" zahlt die Materialkosten – im Schnitt 2500 Euro pro Aktion – aus Spenden und Bußgeldern, die ihm vom Gericht zugewiesen werden, die Bürgervereine organisieren die Aktion vor Ort und straffällig gewordene Jugendliche helfen mit und leisten somit ihre Sozialstunden ab, zu denen sie vom Gericht verurteilt wurden. Seit 2007 fanden Aktionen in zehn Stadtteilen statt. Dabei wurden 500 Graffiti von Hauswänden entfernt, also im Schnitt 50 pro Aktionstag. Das macht 2500 Quadratmeter gesäuberte Fläche. Wird eine Wand danach innerhalb von drei Monaten wieder verschmiert, rücken die Maler noch einmal an, und zwar wieder kostenlos.

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Ist das Solidarmodell nun ein effektives Mittel oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Von Kirchbach ist überzeugt davon: Sie seien aufwändig für alle Beteiligten, "aber es lohnt sich." Auch Sabine Burkhardt, Geschäftsführerin von "Sicheres Freiburg", sagt: "Die Nachhaltigkeit ist da."

Er sei anfangs überrascht gewesen, wie viele Wände im ersten Jahr nach der Aktionen weiß geblieben seien, sagt von Kirchbach. Natürlich weiß er, dass längerfristig auch viele auf diese Weise gereinigte und gestrichene Wände wieder verschmiert wurden. "Sisyphos ist unser Vorbild", sagt der Bürgermeister. "Wir sind nie mit dem Anspruch angetreten, ganz Freiburg graffitifrei zu machen." Wichtig sei, dass Thema weiter in der Öffentlichkeit zu halten. Man wolle mit dem Solidarmodell auf jeden Fall weitermachen, solange sich Maler fänden, die bereit seien, ehrenamtlich zu arbeiten, und "Sicheres Freiburg" Geld in der Kasse habe. Zumindest zwei weitere Aktionstage seien finanziert. Burkhardt betont, wie wichtig Aufklärungsarbeit an Schulen und bei Eltern sei. Jugendliche wüssten oft nicht, welchen immensen Schaden sie da anrichteten. "Sie können bis zu 30 Jahre belangt werden."

Autor: Frank Zimmermann