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04. Januar 2012
"Nichts ist so toll wie der Applaus"
Zwei starke Freunde: Constantin Ciobotaru und Dan Tazlauanu verblüffen Freiburg und Basel mit ihrer Kraftakrobatik.
Im Jahr 1989 trafen sich die gerade einmal vierjährigen Jungs Constantin und Dan in einem Turnverein. Ihre Eltern hatten sie hergeschickt, genau wie ihre älteren Brüder zuvor. Sport gehörte im kommunistischen Rumänien der 80er Jahre eben dazu. Heute sind sie 26 Jahre alt, verstehen sich wie Brüder und machen immer noch gemeinsam Sport – nur dass aus Turnen Kraftakrobatik wurde. Constantin Ciobotaru und Dan Tazlauanu sind das "Duo Acroballance", das derzeit mit seinen waghalsigen Hebeübungen das Publikum im "Teatro Colombino" in Atem hält.
"Bevor ich auf die Bühne gehe, spüre ich wie mein Herz pumpt. Durch das Adrenalin, das dann freigesetzt wird, wird man besser", erzählt Dan Tazlauanu während er sich in der Kabine des "Teatro Colombino" aufwärmt. Schnelles auf der Stelle Laufen, Springen, Hüftkreisen, Dehnen. Dann legt sein Partner Constantin Ciobotaru sich auf den Boden und stemmt Tazlauanu mit einer Hand in die Luft. Denn er ist der Leichtere von den beiden. "Früher war das andersherum. Ich war immer stämmig und konnte Constantin tragen. Aber dann habe ich Probleme mit meiner Wirbelsäule bekommen", erzählt Tazlauanu. Also musste er zusehen, dass er ein paar Kilo verliert und Ciobotaru musste Muskelmasse zulegen, um den Freund stemmen zu können.Werbung
Allzu lange dauert das Aufwärmen für den Kraft- und Balanceakt auf der Bühne nicht. Schließlich hat das Duo schon einen Auftritt hinter sich, wenn es das "Teatro Colombino" betritt. Zuvor sind sie nämlich Teil des "Palazzo Colombino" in Basel. Dort machen sie den Auftakt der Show, dann ziehen sie sich schnell um und setzen sich ins Auto. Zum krönenden Abschluss der Freiburger Show stehen sie gut zwei Stunden später erneut auf der Bühne. "Das hat den Vorteil, dass wir momentan nicht trainieren müssen. Das gehörte sonst zweimal täglich für drei Stunden zu unserem Tagesablauf", so Tazlauanu. Nach der Show gehen sie manchmal noch mit den anderen Künstlern aus. "Unser Leben spielt sich in der Nacht ab. Tagsüber schläft man als Künstler oder langweilt sich", erzählt Tazlauanu.
Obwohl die zwei Rumänen schon als Kinder mit dem Turnen angefangen haben, hätten sie nie gedacht, dass sie Geld damit verdienen könnten. "Irgendwann haben wir uns überlegt, dass wir Trainer werden könnten und haben Sport studiert", so Ciobotaru. Nebenbei sind sie aufgetreten, beispielsweise auf Schulabschlussbällen. Bald wurde für sie klar, dass sie sich vom Turnen wegbewegen wollten und so konzentrierten sie sich auf die Kraftakrobatik. "Wir wollten unser eigenes Ding machen", sagt Ciobotaru. Seit acht Jahren treten sie nun in dieser Form gemeinsam auf. Nach dem Engagement in Freiburg geht es weiter zum "Cirque du soleil". Vorher haben sie unter anderem in Tunesien, Südafrika, Korea, Großbritannien und auf einem Schiff gearbeitet. Bis Ende 2013 sind sie ausgeplant. "Dadurch verliert man viele seiner Freunde in der Heimat. Und unsere Familien sehen wir selten. Am Anfang war das hart, aber wir haben uns daran gewöhnt. Dafür lernen wir viel von der Welt kennen", erzählt Tazlauanu.
Wenn man ihn fragt, wie lange er solch ein Leben noch führen kann, ist er zwiegespalten. "Mein Herz sagt, noch bis ich 50 Jahre alt bin. Aber mein Kopf sagt, vielleicht noch 15 Jahre", so Tazlauanu. Denn die Kraftakrobatik geht auf den Körper. Schmerzen haben die zwei oft. Einmal hat Tazlauanu sich schon den Kopf aufgeschlagen. Die Ängste, dass etwas schief geht, seien immer da. "Besonders, wenn Constantin mich von ganz oben fallen lässt und knapp vor dem Boden wieder auffängt", gesteht Tazlauanu. "Aber wir lieben unseren Job. Nichts ist so toll wie der Applaus, den man bekommt", sagen sie. Wenn sie mal patzen, kürzlich sei das in Freiburg passiert, dann bekämen sie beim zweiten Versuch den doppelten Applaus, "weil die Leute wissen, dass es dann noch anstrengender ist".
Nicht mehr gemeinsam aufzutreten, das können sich die beiden Männer nicht vorstellen. Sie seien wie ein altes Ehepaar, mal streiten sie sich, aber finden doch immer wieder zusammen.
Autor: Nikola Vogt
