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20. August 2013

Nie verlegen um neue gute Fotos und Produktideen

Der Freiburger Fotograf Karl-Heinz Raach hat vor 25 Jahren seinen anspruchsvollen kleinen Eigenverlag gegründet.

  1. Karl-Heinz Raach und seine Frau Antje Burkhardt inmitten ihrer breiten Produktpalette. Foto: Bamberger

Am Anfang war ein Poster. Zwei Dutzend Fahrradfotos, vom stylischen Renner bis zum vielgeliebten ollen Göppel, malerisch arrangiert zu einem Gesamtkunstwerk – mit dem zog 1988 der Freiburger Fotograf Karl-Heinz Raach höchstpersönlich durch die kleinen Unistädte, in denen viel Fahrrad gefahren wurde. Ein Lager hatte sein frisch gegründeter Eigenverlag da noch nicht. Die 5000 Poster der ersten Auflage wurden in seinem Zimmer unterm Bett gehortet.

Das Posterprovisorium währte nicht lange, denn die Plakate waren schnell verkauft. Nun wird der Raach-Verlag "Karl-Heinz Raach Fotografie & Edition" 25 Jahre alt. Das Sortiment ist inzwischen riesig, aufgestapelt in den Regalen eines veritablen Lagers, und verkauft sich ebenso erfolgreich wie einst der Erstling. So unterschiedlich die Produkte sind, haben sie doch ein gemeinsames Thema: Freiburg und seine Umgebung. Die weltläufigeren Fotomotive verlegt Karl-Heinz Raach in großen bewährten Verlagen: Bildband Nummer 100 – über Patagonien – ist derzeit in Arbeit.

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Mit 15 Jahren war Karl-Heinz Raachs Familie aus dem Allgäu nach Freiburg gezogen. Nach dem Abitur hatte er dann – bereits fotografierend – die erste große Reise gemacht. Damit waren auch die Weichen für seinen Beruf gestellt, wie sich wenige Jahre später zeigen sollte. Bei einem längeren Aufenthalt in Kanada bei den Inuit nämlich waren die Bilder entstanden, die schließlich in seinem ersten großen Bildband, einem Fotobuch über die Eskimos im Norden Kanadas, erschienen. Zuvor aber hatte Karl-Heinz Raach in Freiburg – bis zur Zwischenprüfung – Ethnologie und Soziologie studiert: "Das hatte nach der großen Reise eine gewisse Logik."

Logisch war auch, dass er 1984 für ein einjähriges Auslandsstudium nach Kanada zurückkehrte. Dort arbeitete er zielstrebig auf den Magisterabschluss hin, den er in Freiburg machen wollte. Inzwischen aber war der Dumont-Verlag auf ihn aufmerksam geworden und bot ihm als erstes gewichtiges Fotoprojekt einen Bäume-Kalender an. "Das war der Punkt, an dem ich aus dem Studium ausgestiegen bin und mich voll auf die Fotografie eingelassen hab", sagt Karl-Heinz Raach.

Just in diesen 80er-Jahren war er noch ganz auf die Reportagefotografie ausgerichtet. Im Zeitmagazin erschien mal eine Fahrrad-Bilderstrecke, mal eine Geschichte über einen Freiburger Indianerclub. In der Konkret kam die Inuit-Reportage – allerdings erwies sich die Veröffentlichung als Flop. In derselben Ausgabe war ein Artikel über Helmut Kohl erschienen, der beanstandet wurde. Die Ausgabe inklusive Inuit-Reportage wurde folglich komplett eingestampft.

Mit der Raach-Edition haben Karl-Heinz Raach und seine Frau Antje Burkhardt vor 25 Jahren ein Forum geschaffen, das die regionalen Fotoarbeiten sichtbar macht. "Ich wollte außer meiner Fotografie auch die Produkte verkaufen, die draus entstehen", sagt Karl-Heinz Raach (54), weitgereist und zugleich der nahen Umgebung eng verbunden. Zu sehen ist das in seinem ersten Freiburg-Band, 1990 beim Rombach-Verlag erschienen. Mit dem kam auch eine Produktidee für seinen eigenen Verlag, die zum Selbstläufer wurde: Freiburg-Postkarten.

Eigenverlag und Exotisches

Nummer eins war die ungewöhnliche Perspektive von der Dachterrasse des Rheingold-Hotels rüber zum Münster. "Freiburg als Puppenstube", kommentiert Raach diesen Klassiker, der heute noch verkauft wird. Zu den Postern und Postkarten haben sich viele Freiburg-Führer, Kalender und digitale Freiburg-Ansichten gesellt. Als Fotograf müsse man breit aufgestellt sein, zumal in Zeiten, da die Bebilderung exotischer Reiseziele den Markt überschwemme. "Früher", rechnet er vor, "habe ich hälftig mit den regionalen Verlagsdingen und der Reisefotografie verdient. Das verschiebt sich gerade." Mehr und mehr trägt nun der bodenständige Eigenverlag auch die exotischen Reisen mit.

Weitere Infos zum Verlag gibt es online unter http://www.raach-foto.de.

Autor: Julia Littmann