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08. November 2017

Landgericht Freiburg

Opfer sagt im Prozess wegen versuchten Mordes aus

"Er wollte uns beide zusammen töten": Am zweiten Verhandlungstag im Prozess am Landgericht gegen einen 50-jährigen Mann wegen versuchten Mordes hat am Freitag unter anderem das Opfer ausgesagt.

Eine Frau, die mit ihrem kleinen Sohn vom Einkaufen kam, war Zeugin der Tat beim Fahnenbergplatz am 31. Mai dieses Jahres: "Mama, warum rennt der Mann denn da mitten auf der Straße" fragte der Vierjährige. Sie antwortete, dass er vielleicht jemanden in einem der Autos kenne, die an einer roten Ampel standen. Sie sah den Mann noch anhalten und mit beiden Armen durch das offene Beifahrerfenster eines Autos fassen. Erst am Tag darauf erfuhr die Zeugin, die am Freitag vor der Schwurgerichtskammer aussagte, dass der Mann den Beifahrer mit Messerstichen schwer verletzt hatte: "Zum Glück haben wir das nicht gesehen."

Andere Zeugen haben Stichbewegungen des Mannes gesehen. Sie haben ihn das Messer aus der Hosentasche holen sehen. Einen Dialog zwischen dem Angreifer und dem Beifahrer haben sie nicht gehört. Der Angeklagte behauptet, dass er vom Beifahrer beleidigt worden sei und deshalb zugestochen habe. Die Fahrerin – sie ist die ehemalige Ehefrau des Angeklagten – war sofort zu einem Krankenhaus gefahren, wo dem Opfer dank einer Notoperation das Leben gerettet werden konnte. Wegen versuchten Mordes angeklagt ist ein 50-jähriger Kurde.

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"Jedes Jahr wollte er ein Kind von mir", hatte die Ex-Frau des Angeklagten am ersten Verhandlungstag im Zeugenstand berichtet. Als sie heirateten, war sie 16. Ihr Vater habe sie als drei Jahre älter ausgegeben. Stets habe ihr Mann sie klein halten wollen. Sie gebar fünf Kinder und erarbeitete sich im Laufe der Jahre ein eigenes Geschäft. Sie hat in der Türkei die Hauptschule abgeschlossen, er ist Analphabet. In ihrem Geschäft arbeitete er als Aushilfe. Sie schlug die Scheidung vor und setzte sie auf einer Reise in die Türkei 2017 durch. Einvernehmlich, wie sie sagt.

Der Mann, der am 31. Mai 2017 auf ihrem Beifahrersitz saß, ist ein Vollzugsbeamter aus der Türkei, den sie dort im Gerichtsgebäude kennengelernt hat. Auf eine entsprechende Frage hin stellt die Zeugin klar, dass sie mit diesem Mann nie eine Beziehung hatte. Sie ist überzeugt: "Er wollte uns beide zusammen töten. Wenn ich nicht an erster Stelle vor der Ampel gestanden hätte und deshalb sofort losfahren konnte, hätte er das geschafft."

Bewaffnete Polizisten sichern den Gerichtssaal

Zeugin und Opfer werden offenbar bedroht; bewaffnete Polizisten sichern den Gerichtssaal. Am Freitagnachmittag sagt das Opfer der Messerattacke aus. Der Mann ist aus der Türkei angereist. Er ist 36 Jahre alt und arbeitet bei der Justiz. Als Folge der Verletzungen führt er keine Gefangenen mehr vor, sondern arbeitet in einem Büro.

Der 36-Jährige, der nach der Tat eine Woche auf der Intensivstation lag, kann nicht sagen, warum der Angeklagte ihn attackiert hat. Er war auf einen Vorschlag der Frau hin nach Freiburg gekommen. Eigentlich hatte er Verwandte in Frankfurt besuchen wollen. In Freiburg wohnte er in einem Hotel. Sie zeigte ihm Freiburg, soweit sie neben ihrer Arbeit dazu Zeit hatte. Den Angeklagten kannte er vorher nicht, hatte ihn am Tattag aber mehrmals in der Stadt gesehen.

Für den Zeugen ist der Angeklagte im Nachhinein ein Mensch, der seine Frau gekauft, und in den folgenden Jahren wie eine Ware behandelt habe.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

Autor: Peter Sliwka