Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

08. Juni 2010

Orientierungshilfe für Sehbehinderte

LEUTE IN DER STADT: Gabriele Kehr ist neu beim Blindenverein.

  1. Gabriele Kehr lehrt Sehbehinderte, sich zurecht zu finden. Foto: th. kunz

Kochen, das Haus zu jeder Tages- und Nachtzeit alleine verlassen oder mit Bargeld bezahlen – diese Dinge bereiten Menschen, deren Sehvermögen sich stark verschlechtert hat oder die erblindet sind, größte Schwierigkeiten. Um ihnen zu helfen, hat der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden sein Team nun um die Rehabilitationslehrerin Gabriele Kehr erweitert.

Gabriele Kehr lehrt Blindenschrift und bietet Unterricht in "Orientierung und Mobilität" an: Sie schult Teilnehmer in der Fortbewegung und gibt auch den Kurs "Lebenspraktische Fähigkeiten", in dem ihre Klienten lernen, wie sie den Alltag wieder selbstständig meistern können. Beim Tag der offenen Tür des Blindenvereins am Donnerstag berät die Rehabilitationslehrerin Interessierte – die Schulungen sind nicht nur für Mitglieder gedacht. Für die Kurse fährt sie zum Wohnort der Teilnehmenden. "Ich gebe ausschließlich Einzelunterricht, weil ich individuelle Bewegungsabläufe analysiere", so Gabriele Kehr.

Im Kurs "Orientierung und Mobilität" vermittelt sie beispielsweise Strategien, sich zurechtzufinden: "Wie kann ich mir Kreuzungen erschließen oder was tue ich, wenn ich mich verlaufen habe?"

Werbung


In der Arbeitsgruppe "Bau und Verkehr" des Freiburger Behindertenbeirats setzt sich Gabriele Kehr für eine barrierefreie Gestaltung des öffentlichen Verkehrsraumes ein. Wie wichtig ihre Tätigkeit als Beraterin der Kommunen für die Belange blinder Menschen ist, verdeutlicht Mischa Knebel, Geschäftsführer des Blindenvereins, an einem Beispiel: "Die diagonale Überquerung eines Platzes wie am Münster ist grundsätzlich schwierig, wenn es keine Bürgersteige oder Bodenindikatoren wie Rillenplatten gibt, an denen ich mich orientieren kann." Er könne daher nicht einfach über den Münsterplatz zum Historischen Kaufhaus laufen. "Das finde ich nicht. Ich muss also rechtwinklig laufen, durch die Schusterstraße bis zum ,Tee Peter', und dahinter links ins Kaufhausgässle einbiegen."

Die Mehrzahl der etwa 250 Vereinsmitglieder sind Menschen, die in fortgeschrittenem Alter sehbehindert oder blind geworden sind. "Es kommen oft Leute, die uns sagen, dass sie nicht mehr in ein Restaurant gehen möchten, weil sie nicht mehr so gepflegt essen können", erzählt Mischa Knebel. Die Sehbehinderung sei aber kein Grund, seine gewohnte Lebensführung aufzugeben.

Alles eine Sache des Trainings, meint auch Gabriele Kehr: "Das kann man in wenigen Stunden mit ein paar Kniffen lernen und die Lebensqualität wird gesteigert." In der Küche im Untergeschoss des Vereinsgebäudes demonstriert sie, wie blinde Menschen durch einfache Tricks im Haushalt alleine zurechtkommen: Eine sprechende Küchenwaage hilft beim Backen – sie sagt das Gewicht der Zutaten an. Oder die Waschmaschine, auf der neben dem Bedienknopf Aufkleber angebracht sind – so können Blinde die eingestellte Gradzahl ertasten. Mischa Knebel erklärt: "Wenn ich weiß, dass ich mich selbst oder sogar noch die Familie mitversorgen kann, gibt das ein ganz anderes Selbstwertgefühl."

Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden: Tag der offenen Tür in der Wölflinstraße 13, Freiburg, 0761/36122, am Donnerstag, 10. Juni, von 10 bis 19 Uhr mit Beratung und Austausch. Acht Firmen präsentieren unterschiedliche Hilfsmittel.

Autor: Annette Bender