Dreisamstrasse

Pauluskirche und Paulussaal werden für 5,25 Millionen Euro saniert

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mo, 10. August 2015 um 11:24 Uhr

Freiburg

Für 5,25 Millionen Euro sollen Kirche und Paulussaal auf Vordermann gebracht werden. Danach will die Universität den Paulussaal übergangsweise als Audimax nutzen.

Früher war es eine protestantische Oase im katholischen Freiburg – und auch heute noch ist die Pauluskirche die einzige evangelische Kirche in der Innenstadt. Diese befindet sich – ganz ungewöhnlich – im ersten Stock über dem Paulussaal, der seit jeher für öffentliche Veranstaltungen genutzt wird. Da der 1907 errichtete Komplex in die Jahre gekommen ist, wird er jetzt generalsaniert: Für 5,25 Millionen Euro sollen Kirche und Paulussaal auf Vordermann gebracht werden. Danach will die Universität den Paulussaal übergangsweise als Audimax nutzen.

In Freiburg sind die ersten evangelischen Kirchen erst vor rund 200 Jahren entstanden – in den Stadtteilen Wiehre und Herdern. Als die Protestanten auch an der Dreisamstraße in der Innenstadt eine Kirche bauen wollten, bekamen sie dafür Anfang des 20. Jahrhunderts im katholisch geprägten Freiburg keine Baugenehmigung. Trickreich beantragten die Kirchenoberen deshalb stattdessen offiziell ein "Gemeindehaus mit Betsaal" – "in einem Hinterhof und die Kirche im ersten Stock versteckt", sagt Norbert Aufrecht, Vorsitzender der Gemeindeleitung "Dreisam3", die die Pauluskirche heute nutzt.

Pauluskirche und Paulussaal gehören dem Stadtkirchenbezirk Freiburg, genauso wie das Grundstück, auf dem in einem Nebengebäude weitere evangelische Einrichtungen untergebracht sind. Seit zehn Jahren ist jedoch die evangelische Stadtmission Mieterin. Um Planungssicherheit zu bekommen, soll jetzt ein Erbpachtvertrag über 75 Jahre geschlossen werden. Denn die Stadtmission übernimmt fast 3 Millionen Euro der Sanierungskosten. Die Landeskirche schießt 1,5 Millionen Euro zu, der Stadtkirchenbezirk 600 000 Euro, weitere 200 000 Euro kommen von der Stiftung Ortskirchenkasse. Starten sollen die Bauarbeiten in der ersten Jahreshälfte 2016, die Fertigstellung ist spätestens für den Herbst 2017 geplant.

Löchriges Dach

Getan werden muss einiges: Das Dach ist löchrig, zum Teil ist Wasser eingedrungen, die Fassade benötigt einen neuen Anstrich. Innen hat der Fußboden Risse, die Wandfarbe blättert ab, die Sanitäranlagen sind im schlechten Zustand, außerdem ist das Gebäude nicht barrierefrei. "Es gibt einen Sanierungsstau", sagt Stadtmission-Vorstand Ewald Dengler. Die letzte größere Renovierung war in den 1960er Jahren, seither wurde nur das Nötigste gemacht.

Besonders viel Sanierungsbedarf gibt es im Paulussaal. Der 400 Quadratmeter große Raum hat – inklusive einer Empore – fast 1000 Sitzplätze. Nur sehr selten nutzt die Kirche selbst den Saal, zumeist wird er für öffentliche Veranstaltungen vermietet. Das war von Anfang an so: In der Nachkriegszeit fanden hier sogar Boxkämpfe statt und auch als Kino wurde der Paulussaal lange genutzt. Der alte Filmprojektor ist noch da, selbst eine Rolle stecke noch drin, berichtet Dengler. Berühmt sei der Saal auch wegen seiner guten Akustik, sagt der stellvertretende Dekan der evangelischen Kirche Freiburg, Michael Philippi. Daran solle sich auch durch die Sanierung nichts ändern.

Studierende werden profitieren

Erste Nutznießer des renovierten Paulussaals werden vor allem Studierende sein: Die Universität will den Raum rund drei Jahre als Ersatz für ihren größten Hörsaal Audimax anmieten – in der Zeit, in der das Kollegiengebäude II gegenüber vom Theater saniert wird (die BZ berichtete). Abends und am Wochenende könnten aber trotzdem auch andere Veranstaltungen im Paulussaal stattfinden, so Dengler.

Die Symbiose zwischen Kirche und öffentlichem Ort sei es, die die Pauluskirche zu etwas Besonderem mache, sagt Norbert Aufrecht. Aber nicht nur das und die Lage im ersten Stock sind ungewöhnlich: Die Gemeinde "Dreisam3" ist eine von nur vier "Personalgemeinden" der badischen Landeskirche. Sie hat kein festes Gemeindegebiet, die derzeit rund 300 Mitglieder mussten sich bewusst anmelden. Gelebt wird eine moderne Form von Kirche: mit poppiger Musik und weniger sakralen Elementen.

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