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20. Juni 2009

Perspektiven inmitten von Armut, Gewalt und Aids

Zwei Ordensschwestern der "Helpers of Mary" waren im BZ-Haus

  1. Frauke Wolter, Schwester Leela, Schwester Rohini (v. l.). Foto: bamberger

Aus ödem Brachland wurde eine gedeihende Farm, Kinder ohne Perspektive bekommen Zukunft: Seit dem Bau des ersten Brunnens im Jahr 1997 hat sich das Kinderdorf "Naya Jeevan" in Indien – 95 Kilometer entfernt von Mumbai – zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt, zu der viele BZ-Leserinnen und -Leser beitragen. Kürzlich war die Grundsteinlegung eines vierten Kinderhauses. Schwester Leela und Schwester Rohini vom katholischen Orden der "Helpers of Mary", der Träger des Kinderdorfs ist, kamen zum Gespräch mit BZ-Redakteurin Frauke Wolter ins BZ-Haus.

Spannende Fragen: Was tut sich in Indien, speziell bei der Situation von Frauen und Mädchen? Die ist – auch wenn es große Unterschiede zwischen Süd und Nord, Stadt und Land, Bildung und sozialem Stand gibt – immer noch so schlecht, dass sich die "Helpers of Mary" überwiegend auf Mädchen konzentrieren.

Denn auch wenn der Brautpreis und Gewalt gegen Frauen mittlerweile verboten sind: Üblich ist beides in vielen Regionen nach wie vor, erzählen die beiden Ordensschwestern. Besonders in Slums gehöre es mehr oder weniger zur Ehe, dass Männer Frauen schlagen. Und auch die Regierungsprogramme gegen die Ausbreitung von Aids verhindern bisher nicht, dass Ehemänner, die von den Dörfern vorübergehend zum Arbeiten in die Städte gehen, sich bei Prostituierten mit HIV infizieren und später ihre Frauen anstecken. Zwar lässt die Regierung kostenlos Kondome verteilen – ob sie genutzt werden, wissen Schwester Leela und Schwester Rohini aber nicht. Die "Helpers of Mary" verteilen als katholische Hilfsorganisation keine Kondome.

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Doch sie kümmern sich um die Kinder, deren Eltern an Aids gestorben sind und die selbst infiziert sind. In einem Aids-Waisenhaus der "Helpers of Mary" leiden auch manche der 42 Kinder– darunter auch Jungen – bereits unter Hautausschlägen oder Fieber. Allzu alt werden sie vermutlich alle nicht. Aber sie sollen so geborgen wie möglich aufwachsen. Das gilt für alle 1500 Kinder, um die sich insgesamt 300 "Helpers of Mary" an 60 verschiedenen Stationen (auch in Kenia und Äthiopien) kümmern.

Im Kinderdorf "Naya Jeevan", auf das sich der von den BZ-Lesern unterstützte Gundelfinger Verein "Wasser ist Leben" konzentriert, bieten die Ordensschwestern 330 Mädchen ein Heim, Schulbildung und ein Standbein, mit dem sie danach durchs Leben kommen: Diejenigen mit guten Noten gehen aufs College, die anderen werden zum Beispiel Näherinnen oder gründen mit der Unterstützung von Mikro-Krediten kleine Gewürz- oder Schmuckläden. Selbst wenn sich die Mädchen in den Ferien bei ihren Familien in den Slums mit Lepra infizieren, ist das kein großes Problem mehr. Die Behandlung ist viel einfacher als früher.

"Wasser ist Leben", http://www.indienhilfe-wasser-ist-leben.de Konto: 30 30 300, Raiffeisenbank Gundelfingen (BLZ 680 642 22), Infos: Gerda Geretschläger,     0761- 52406

Autor: Anja Bochtler