Schadstoffbelastung

PH-Studierende demonstrieren gegen PCB-Belastung

Christian Engel

Von Christian Engel

Do, 14. Juni 2018 um 10:58 Uhr

Freiburg

Zwei Gebäude der PH sind mit PCB belastet. Mit einer Sitzblockade haben Studierende der PH die Hochschulleitung am Mittwoch aufgefordert, zügig gegen den Schadstoff vorzugehen.

35 Studentinnen und ein Student der Pädagogischen Hochschule nehmen auf Stühlen Platz. Das wäre nicht weiter ungewöhnlich, wenn sie nicht mitten auf dem Flur im Kollegiengebäude 5 säßen und den Zugang zum K G3 verbarrikadierten. Eine Studentin, die sichtbar in Eile ist, will vorbei. "Du kommst hier nicht durch", sagt eine zu der gehetzten Kommilitonin. "Du musst außen herum. Das ist schließlich eine Sitzblockade."

"Das PCB-Problem ist doch schon seit Jahrzehnten bekannt. Wieso wird die PH Freiburg jetzt erst aktiv?" Luisa Birmelin
Die Sitzblockade an diesem Dienstag hat Luisa Birmelin organisiert. Sie will ein Zeichen setzen. Ein Zeichen gegen PCB, den Schadstoff, der in ihrer Hochschule verbaut ist und dem sie täglich ausgesetzt ist. Ein Schadstoff, der ihre Gesundheit und die ihrer Kommilitonen gefährde, wie sie sagt. Um letztere These zu unterstreichen, hat die 20-Jährige recherchiert. Die Ergebnisse präsentiert sie auf acht Pinnwänden im Eingangsbereich der Hochschule: Artikel des Umweltbundesamtes, die Sicht der Weltgesundheitsorganisation WHO, die bisherigen Ergebnisse der Raumluftmessung an der PH.

Die Studierenden fordern eine schnellere Sanierung

Luisa Birmelin zitiert Beiträge, wonach Polychlorierte Biphenyle (PCB) krebserzeugend sein können. Sie verweist auf Studien, denen zufolge höhere Belastungen bei werdenden Müttern zu vielfältigen Störungen oder Verzögerungen der kindlichen Entwicklung führen können. Und sie wirft die Frage auf, weshalb an der PH nicht Sofortmaßnahmen ergriffen würden, da die Werte der gemessenen Unterart PCB118 in einigen Räumen vier Mal höher sind als der Interventionswert von zehn Nanogramm pro Kubikmeter Luft, bei dem "umgehend expositionsmindernde Maßnahmen zur Verringerung durchzuführen" seien, wie es in einem Artikel des Umweltministeriums aus dem Jahr 2014 heißt.

"Das PCB-Problem ist doch schon seit Jahrzehnten bekannt", sagt Luisa Birmelin. "Wieso wird die PH Freiburg jetzt erst aktiv?" Sie befürchtet, dass es ewig dauern wird, bis an ihrer Hochschule etwas Konkretes gegen PCB getan wird.

Doch laut PH-Rektor Ulrich Druwe läuft bereits seit Mai eine "Pilotsanierung". Dabei will man herausfinden, ob der Anfangsverdacht stimmt, dass sich PCB in den Deckenplatten und im Fugenmaterial befindet – und ob es auch in anderen Baumaterialien steckt. Zudem soll in allen bisher noch nicht untersuchten Gebäuden gemessen werden. Ergebnisse werden Ende Juli erwartet. Dann erst werde klar sein, in welcher Form und in welchem Umfang saniert wird – und wie lange es dauert, bis die Gebäude schadstofffrei sind.

Pilotsanierung hat bereits begonnen

Die Pilotsanierung ist nur eine von drei Sofortmaßnahmen. Darüber hinaus hat eine Spezialfirma im April eine Grundreinigung ausgeführt – wobei einige PH-Mitarbeiter kritisierten, ihre Büros seien nicht gereinigt worden. Die dritte Maßnahme lautet: Lüften.

Zur Mittagszeit löst sich die Sitzblockade auf, die Streikenden gehen in die Aula. Dort warten 500 Studierende auf Rektor Ulrich Druwe, den die Studierendenschaft eingeladen hat. Luisa Birmelin hat nun Gelegenheit, ihre Fragen loszuwerden.

"Es gibt rechtliche Vorgaben und an die halten wir uns." Rektor Ulrich Druwe
Zuerst einmal will Rektor Druwe klarstellen, dass die PH nur Nutzer der Gebäude sei, aber nicht verantwortlich für Sanierungen. Diese Aufgabe obliege dem Amt Vermögen und Bau, das dem Finanzministerium Baden-Württemberg angegliedert ist. Diese Behörde müsse erst reagieren, wenn ein "begründeter Verdacht" vorliege, sagt Druwe. An den Pädagogischen Hochschulen in Karlsruhe und Heidelberg wurde bereits vor Jahren PCB entdeckt – in Gebäudeteilen, die zur selben Zeit gebaut wurden wie das KG3 und KG4 in Freiburg. Diese Tatsache reicht laut Druwe aber nicht aus, Messungen zu beauftragen und mögliche Sanierungen einzuleiten. "Vermögen und Bau und die PH konnten nicht früher aktiv werden." Erst als das Amt die Möglichkeit untersuchte, KG3 und KG4 aufzustocken, musste es die Gebäude auf Schadstoffe untersuchen. "Es gibt rechtliche Vorgaben und an die halten wir uns", sagt Druwe.

Auf die Forderung nach sofortigen Sanierungsmaßnahmen und Ausweichräumen in Form von Containern antwortet Druwe, man halte sich an die PCB-Richtlinie und müsse und könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr unternehmen. Außerdem seien die Werte nicht akut gesundheitsgefährdend. "Wer das Gesundheitsrisiko zu hoch findet", sagt Druwe zu den Studierenden, "muss eben die Hochschule wechseln."

Luisa Birmelin hat eine Online-Petition gestartet, in der sie die Hochschulleitung auffordert, die mit PCB belasteten Räume zu schließen und alternative Räume zur Verfügung zu stellen. Sie glaubt, mit mehr Druck könne man schneller ein gutes Ergebnis erzielen. Die Infotafeln im KG5 will sie noch eine Weile stehen lassen.