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14. November 2017 16:02 Uhr

BZ-Interview

Pizzeria-Chef: "WM ohne Italien – völlig unvorstellbar"

Giovanni Bevilacqua ist gebürtige Kalabrier und Chef der Pizzeria da Giovanni in Freiburg. Dort treffen sich regelmäßig Fußballer und Fans. Was sagt der 53-Jährige zum Italien-Aus?

  1. Giovanni Bevilacqua Foto: Kunz

"Es ist die Apokalypse" hat die "Gazetta dello Sport" getitelt: Italien verpasst die Fußball-WM. Das ist natürlich auch ein herber Schlag für die in Freiburg lebenden Tifosi. Der Patrone gilt als ausgewiesener Fußballexperte. Joachim Röderer hat sich am Tag danach vorsichtig nach seinem Befinden erkundigt.

BZ: Signore Bevilacqua, wie haben Sie das 0:0 gegen Schweden und das Aus für die WM erlebt?
Bevilacqua: Natürlich hätte ich vor dem Fernseher auch fast geweint. Eine Fußball-WM ohne Italien – das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Niemand kann sich das vorstellen. Wenn man dann einen 40-jährigen Mann wie Torhüter Buffon heulen sieht, das ist doch wirklich furchtbar. Ich habe heute Morgen auch schon viele traurige Nachrichten aus Italien bekommen. Schuld an der ganzen Misere ist der Fußballverband.

BZ: Warum der Verband?
Bevilacqua: Sie haben einen Trainer geholt, der einfach nichts drauf hat. Ich habe gleich gesagt, dass das nichts wird. Er hat davor fast nur Zweite-Liga-Teams trainiert, das konnte nicht gutgehen. Wir haben in der Qualifikationsgruppe gegen den Letzten Albanien nur mit Mühe 1:0 gewonnen und wir haben gegen Mazedonien nur 1:1 gespielt. Und in Madrid hatte das Team gar keine Chance. Und auch beim Spiel in Schweden haben sie wirklich grausam gekickt. Am Montagabend war es besser. Aber die Schweden haben da einen Catenaccio ausgepackt, wie ihn sonst nur wir können. Aber noch einmal: Die Leute im Verband haben den Fehler gemacht bei der Trainersuche. Und jetzt kleben sie offenbar alle an ihren Posten. Aber ich sitze jetzt schon den ganzen Tag hier im Büro beim Arbeiten und habe gar keinen Nachrichten mehr gehört. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob der Trainer überhaupt noch im Amt ist.

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BZ: Was geht es nun weiter mit dem italienischen Fußball?
Bevilacqua: Vielleicht ist es sogar besser so, dass es zum WM-Aus gekommen ist. Es braucht einen Neuanfang. So wie damals als Deutschland 1998 mit 0:3 gegen Kroatien bei der WM ausgeschieden ist. Auch Frankreich war 1994 gar nicht bei der WM dabei. Jetzt ist eben bei Italien der Tiefpunkt erreicht. Deutschland und Frankreich haben damals die richtigen Konsequenzen gezogen und sich erneuert. Alle sind wach geworden, nur nicht wir. Italien braucht jetzt auch die Veränderung. Wir müssen auch Leistungszentren einrichten, so wie es hier in Deutschland gemacht worden ist.

BZ: Haben Sie wenigstens von den deutschen Fußballfreunden schon ein paar aufbauende SMS bekommen?
Bevilacqua: Nein, die sind sicher alle froh, dass der Angstgegner weg ist. Ich kann mir schon vorstellen, was im nächsten Sommer passiert, wenn im Café die WM ohne Italien läuft. Da werde ich von den deutschen Freunden schon einiges zu hören bekommen, das ist mir klar. Ich hab’ sie ja auch immer geärgert, wenn Deutschland ausgeschieden ist.

BZ: Und wie gehen Sie nun in die WM?
Bevilacqua: Ich werde natürlich dann Deutschland anfeuern. Jogi Löw ist schließlich ein Freund von mir. Das geht schon in Ordnung. Klar ist aber nach dem Spiel gegen Schweden auch: Niemand ist gestorben, es ist nur Fußball.

Giovanni Bevilacqua, 53, ist Gastronom. Er stammt aus Crotone in Kalabrien. In seiner Jugend war er einst Torwart bei Melissa Calcio. Seit 30 Jahren führt er die Pizzeria da Giovanni in der Sedanstraße und dazu die Spaghetteria "Bella Italia" an der Schreiberstraße am Rande der Altstadt.

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Autor: Joachim Röderer