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29. Juli 2010

Gemeinderat

Platz der Alten Synagoge: Eine Perlenkette für den Ring

Der Gemeinderat billigt das Konzept für den Platz der Alten Synagoge – aber viele Fragen bleiben offen.

  1. Granit-City statt Green City: Die Jungliberalen verteilten Eis am Platz der Alten Synagoge, um gegen die Pläne für dessen Umgestaltung zu demonstrieren. Foto: michael bamberger

  2. Das geplante „Platzhaus“ (links vor dem Kollegiengebäude II) ist geplatzt. Der Gemeinderat will an seiner Stelle lieber Bäume erhalten und zusätzliche pflanzen. Foto: visualisierung: www.gd90.de

Das Projekt treibt die Stadträtinnen und Stadträte derzeit um wie kaum ein anderes. Fast jede Fraktion reichte einen Antrag ein zur Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge. Fast alle Wünsche übernahm die Stadtverwaltung und stellte so in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats einen großen Konsens her. Genau diese Rückendeckung brauche der Oberbürgermeister für die Verhandlungen mit der Universität, freute sich UL-Stadtrat Atai Keller über das Votum. Die Stadt will den Platz möglichst viel nutzen, die Hochschule verlangt ausreichend Ruhe.

Einzig die FDP lehnt das Platzkonzept rundweg ab. Genüsslich pflückte Stadtrat Sascha Fiek aus der Dokumentation der Bürgerbeteiligung vor sechs Jahren jene Ideen heraus, die nicht realisiert werden, von der breiten Auswahl an Cafés bis zu Liegestühlen: "Selten klafften Wunsch und Wirklichkeit so weit auseinander." Die Green City werde zur Granit-City, auf "Konsumtempel wie Bars und Cafés" werde verzichtet, und die Hoffnung auf kulturelle Vielfalt sei trügerisch angesichts der Abwehrhaltung der Universität. Die FDP jedenfalls wolle für solch einen Platz keine 4,4 Millionen Euro ausgeben, die an anderer Stellen fehlten.

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Hingegen sieht Grünen-Stadtrat Helmut Thoma ein "Füllhorn an Chancen" für Freiburg. "Und wer unbedingt auf eine Wiese liegen will, kann das in unmittelbarer Nähe tun", sagte er mit Verweis auf den Colombipark und den Werthmannplatz mit der Hochallee.

Dieser Aspekt ist auch dem Oberbürgermeister wichtig. Weil die Zukunft des Platzes der Alten Synagoge das Interesse auf sich ziehe, werde leicht übersehen, dass die städtebauliche Konzeption eine Art Perlenkette für den Ring vorsieht. Insgesamt fünf Plätze sollen sich künftig aneinander reihen, dazu gehören auch Fahnenbergplatz und Siegesdenkmal. Für den Umbau des Platzes der Alten Synagoge sind bislang 4,4 Millionen Euro eingeplant. Auf weitere sieben Millionen Euro taxiert das Rathaus die weitere Umgestaltung des Rings. Diese Kosten trägt die Stadt. 30,6 Millionen Euro verschlingt die Tramtrasse, die größtenteils von Bund und Land finanziert werden soll. Hinzu kommen für die Stadt noch Mehrkosten in Höhe von knapp sechs Millionen Euro für eine neue Kronenbrücke.

Diese Summen macht die CDU angesichts der Steuerrückgänge skeptisch. Hansjörg Sandler forderte deshalb – eher demonstrativ – einen Finanzierungsvorbehalt. SPD-Stadträtin Gabi Rolland legte Wert auf ein Kunstkonzept, das mit den Denkmälern, vom Gurs-Schild bis zum Siegesdenkmal "gut umgeht".

Ungehört blieb der Vorschlag von Hendrijk Guzzoni (Unabhängige Listen), nicht vorschnell das von den Architekten geplante "Platzhaus" aufzugeben. Darüber könne doch noch diskutiert werden. Die Mehrheit aber stand: Bäume statt Platzhaus (die BZ berichtete gestern).

Autor: Uwe Mauch