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22. November 2010
Poesie trifft Nervenkitzel
Dinnershow im Spiegelzelt: Viel Beifall für die Premiere des Palazzo Colombino .
Kühne Akrobatik, ein kunstvolles Sternemenü, tolle Live-Musik – die Zutaten sind in jedem Jahr gleich – und doch erfindet sich der Palazzo Colombino jedes Jahr neu. Das Publikum beklatschte am Freitag die gelungene Premiere der Dinnershow nach Freiburger Art. Es war ein Abend mit Klasse und Poesie – und nicht ohne Nervenkitzel.
Sternemenü hin oder her – beim Palazzo können auch simple Alltagsgegenstände tragende Rollen übernehmen. Zum Beispiel Besen – was auch daran liegt, dass Moderator und Wortverdreher Frank Sauer staubtrocken das Spiegelzelt zur Besenwirtschaft erklärt hat. Hin und wieder fegte ein Besen über die Bühne, einmal sogar in Form einer putzigen Besenfamilie. Robert James Webber ist sozusagen ebenfalls ein heißer Feger – er jonglierte mit einem sich wild drehenden Borstenteil.Außer Besen nichts gewesen? Von wegen! Wer Nervenkitzel wollte, der bekam ihn auch: Nicht nur in den ersten Reihen hielten die Zuschauer die Luft an, als Locoma aus Peru (scharfe!) Messer durchs Spiegelzelt schleuderte – und das sogar noch mit verbundenen Augen. Die Nummer ging unblutig zu Ende. Großartige Akrobatik zeigten auch Marie-Pier Campeau und Ethan Law aus Kanada, wobei er sie auf den Beinen jonglierte, sie zum Salto Richtung Zeltkuppel schleuderte und mit den Füßen wieder auffing. Chapeau!
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Gekonnt und ausdrucksstark drehte sich Valérie Doucet, ebenfalls aus Kanada, im Handstand. Träumerisch leicht wirkten ihre Figuren, die doch höchste Konzentration und Kraftanstrengung erfordern. Nicht anders erlebte man Erna Sommer, die Berliner Trapezkünstlerin, die leicht wie eine Feder über den Köpfen der Palazzo-Gäste schwebte. Auch ihre Nummer war voller Poesie.
Der Schwebezustand spielte auch beim Seiltanzauftritt von Ulla Tikka und Andreas Muntwyler eine große Rolle. Das finnisch-schweizerische Duo wagte sich an den Seiltanz – kühne Schritte, miteinander und übereinander weg bis zum akrobatischen Highlight des Abends: Andreas Muntwyler traute sich den schwierigen Rückwärtssalto vom Seil aus wieder aufs Seil – im zweiten Anlauf stand er sicher.
Für die Lacher war Hillary Chaplain aus New York zuständig. Sie zitierte aus Shakespeares "Julius Caesar" – wobei sie sich zwar nicht im Text, aber dafür mit gebrochenem Absatz in widerborstigem Klebeband verhedderte.
Ein Star des Abends war auch die unwiderstehliche Bella Nugent. Die Südafrikanerin legte als DJane schon mal den Schneewalzer auf, erzählte von "Bächlees" und "Bobbelees" und glänzte als Sängerin mit der richtig tollen Band um Gitarrist Sascha Bendiks, Tastenmann Dirk Wochner, Bassist Wolfgang Fernow und Schlagzeuger und Bandleader Schroeder – von Bob Seger über Tom Waits bis Kraftwerk reichte das Repertoire.
Umrahmt wird das alles von vier Menügängen der Küchenkünstler um Colombi-Küchenchef Alfred Klink: Serviert werden ein Delice von Meeresfrüchten, souffliertes Wildlachsfilet und Hirschrücken auf Wacholder-Limonenjus. Es war Genuss aus einem Guss: Im Palazzo wurden Augen, Ohren und Gaumen verwöhnt.
Autor: Joachim Röderer


