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21. Juni 2012 15:00 Uhr
Katholische Kirche
Priester über Zollitsch-Treffen: "Wir ziehen an einem Strang"
Die Initiatoren der "Freiburger Erklärung" und Erzbischof Zollitsch haben erstmals die Situation wiederverheiratete Geschiedener diskutiert – ohne Ergebnis. Doch die Priester sind sich sicher: Zollitsch ist auf unserer Seite.
FREIBURG. Erzbischof Robert Zollitsch und die Priester-Initiative haben bei ihrem Treffen am Donnerstag erwartungsgemäß noch kein Ergebnis gefunden. Sie einigten sich aber auf einen zweiten Termin im Herbst, zu dem Kirchenrechtler oder andere Theologen eingeladen werden sollen. Die Priester sind nach dem Gespräch davon überzeugt, dass auch der Erzbischof die Situation von wiederverheirateten Geschiedenen in der Kirche zu verbessern will. "Wir ziehen an einem Strang", meinte Konrad Irslinger, einer der Initiatoren des Memorandums.
Zwei Stunden lang unterhielt sich Erzbischof Robert Zollitsch mit acht Initiatoren im Freiburger Priesterseminar. Von Seiten des Ordinariats waren auch Generalvikar Fridolin Keck, Weihbischof Paul Wehrle und Domkapitular Peter Kohl beteiligt. Es gab mit Thomas Herkert von der Katholischen Akademie sogar einen (halb-)externen Moderator. Beide Seiten lobten die konstruktive Atmosphäre. Am Ende war man einer Meinung, dass es in der Seelsorge mit wiederverheiratet Geschiedenen "in absehbarer Zeit zu konstruktiven Lösungen kommt, die im Einklang mit dem Evangelium und dem Kirchenrecht stehen". Inhaltlich sieht die Pfarrer-Initiative keinen Dissens zum Oberhirten. Und auch Bistumssprecher Robert Eberle sagte nach dem Gespräch: "Im Grundanliegen sind wir uns einig".Werbung
In der Frage des Vorgehens gibt es allerdings unterschiedliche Positionen. Der Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz hat deutlich gemacht, dass er beim Thema "Wiederverheiratet Geschiedene" versucht habe, über seine Kontakte in andere Diözesen und in die Weltkirche weiterzukommen. Dass der Vorstoß durch das Priester-Memorandum aus seiner Sicht nicht hilfreich war, "können wir nachvollziehen", so der Freiburger Pfarrer Irslinger.
Die Pfarrer zeigten sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis des Gesprächs. Als einen konstruktiven Vorschlag werten sie auch den vereinbarten Fortsetzungstermin, der dann unter Beteiligung von Experten stattfinden soll. Die Priester-Initiative wird weiter Unterschriften sammeln. Dass sie ihre Aktion zurückfahren, sei keinerlei Thema des Gesprächs im Priesterseminar gewesen, so Irslinger zur BZ.
Das Ordinariat kritisierte in seiner Pressemitteilung, die in den Medien verwendeten "Kampfbegriffe" wie Rebellion, Ungehorsam, Revolution oder Spaltung. Diese Einordnungen seien selbst aus Sicht der Initiatoren nicht nachvollziehbar. Unterschiedliche Positionen seien im gemeinsamen Gespräch nicht ausgeklammert worden. Man habe Schritte erörtert, wie mit solchen Unterschieden umgegangen und das Einigende gesucht werden könne.
Unterstützung bekam Priester-Initiative für ihre "Freiburger Erklärung" auch vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK): Die große Mehrheit der deutschen Katholiken und auch der Priester teile Forderungen nach einer "barmherzigeren Pastoral", sagte ZdK-Präsident Alois Glück laut einer Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur.
Kritisch geäußert hat sich dagegen das konservative Netzwerk katholischer Priester in einer im Internet publizierten Erklärung. Das Netzwerk wirft der Freiburger Initiative Agitation vor und Erzbischof Zollitsch mangelnde Glaubwürdigkeit. Der Appell von dieser Pfarrer-Seite: Die Diözesanbischöfe sollten einschreiten und all jenen Priestern beistehen, "die sich um eine Seelsorge gemäß der Lehre der Kirche bemühen".
- Kommentar: Konflikt in der Kirche: Zollitschs Dilemma
- Priester-Erklärung: Erzdiözese will Verstöße nicht dulden
- Ehrenkirchen: Pfarrer Malzacher steht zu seiner Unterschrift
Autor: Joachim Röderer



