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25. September 2013

Prognose: In Freiburg fehlt es bald an Pflegeplätzen

Gemeinderat diskutiert über eine Prognose, wonach Freiburg zu wenig Heime hat / Stein kritisiert Sozialbürgermeister.

Freiburg hat vom nächsten Jahr an zu wenig Pflegeplätze. Der größte Fehlbedarf entsteht im Jahr 2015, wenn das Heiliggeiststift abgerissen wird und neue Heime noch nicht fertig gestellt sind. Über dieses Ergebnis einer Studie diskutierte der Gemeinderat engagiert. Und es wurde deutlich: Er sieht Handlungsbedarf.

Aktuell ist die Situation entspannt. 1934 Pflegeplätze stehen in Freiburg zur Verfügung – 32 mehr als laut Prognose benötigt werden. Die hat das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung im vergangenen Juni erstellt. Danach wächst der Bedarf an Plätzen in Pflegeheimen auf 2240 im Jahr 2020. Bis dahin, so die Hochrechnung, sind derzeit nur 2117 Plätze in Planung. Ein Defizit von immerhin 123.

Doch schon in naher Zukunft fehlen Pflegeplätze. Weil im Jahr 2015 das Heiliggeiststift abgerissen wird, gehen auf einen Schlag 99 Plätze verloren. Der Neubau "Haus Marga Sauter" in Littenweiler wird zwar im selben Jahr bezugsfertig, allerdings nur mit 38 Plätzen. Außerdem werden allenthalben Doppel- in Einzelzimmer umgewandelt. Das könnte den Fehlbedarf noch vergrößern, warnt das Amt für Soziales und Senioren.

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Bislang versucht die Stadtverwaltung im Gespräch mit den Freien Trägern der Heime zu erreichen, dass geplante Vorhaben vorgezogen werden, um das Problem im Jahr 2015 zu verringern. Ob das gelingt, ist allerdings offen.

"Wir sind unsanft auf dem Boden der Tatsachen gelandet", sagte CDU-Stadträtin Ellen Breckwoldt. Es bestehe akuter Handlungsbedarf, neue Pflegeplätze zu schaffen. Von einer "Spitze des Eisbergs" sprach die Freie Wählerin Anke Dallmann. "Wir brauchen barrierefreien Wohnraum für die Pflege zu Hause." Das müsse bei der Planung neuer Quartiere berücksichtigt werden. Grünen-Stadträtin Pia Federer verlangt ein Rahmenkonzept wie fürs Wohnen. Das solle alle Aspekte des Alterns berücksichtigen, von den Seniorenbegegnungsstätten bis zum Zusammenwirken von Pflegeprofis, Angehörigen, Nachbarn und Ehrenamtlichen. Und Karin Seebacher (SPD) schlug vor, innovative Projekte auf den Weg zu bringen. Dabei gelte es, besonders die Belange von Frauen zu berücksichtigen: "Sie verlieren an Einkommen, wenn sie pflegen. Und als Pflegekräfte verdienen sie wenig."

Scharfe Kritik übte Monika Stein von der Grünen Alternative Freiburg. Sie forderte das Rathaus auf, noch in diesem Jahr ein Konzept vorzulegen, wie sie den Mangel zu beseitigen gedenke. "Ich habe das Gefühl, dass die Verwaltung das Problem herunterspielt."

Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach wies den Vorwurf entschieden zurück. Es wäre reiner Aktionismus, so von Kirchbach, wenn sein zuständiges Amt ein solches Konzept aus dem Boden stampfen müsste. "Wir tragen die Fakten zusammen und wissen dann auch, was zu tun ist. Wir sind doch keine Idioten." So sah es auch der Gemeinderat. Steins Antrag wurde abgelehnt.

Autor: Uwe Mauch